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  • San Bernardino rüstet sich für den Sommer

    San Bernardino rüstet sich für den Sommer

    SAN BERNARDINO. Seit Generationen steht der Name San Bernardino in Paraguay für Sommer, Wochenenden am See, Restaurants, Nachtleben und Ferienhäuser.

    Gerade erst hat die Stadt ihren 145. Geburtstag gefeiert. Jetzt beginnen bereits die Vorbereitungen für die nächste Sommersaison.

    Die Secretaría Nacional de Turismo (SENATUR), der Hotelverband ASOTEL und die Initiative Pro Sanber wollen gemeinsam Infrastruktur, Sicherheit und touristische Dienstleistungen verbessern.

    Das Ziel geht jedoch über eine erfolgreiche Hochsaison hinaus: San Bernardino soll sich langfristig als professioneller und konkurrenzfähiger Tourismusstandort etablieren.

    145 Jahre zwischen Paraguay und Europa

    San Bernardino wurde am 24. August 1881 gegründet.

    Die Geschichte der Stadt ist eng mit deutschen und schweizerischen Einwanderern verbunden, die nach dem verheerenden Tripel-Allianz-Krieg nach Paraguay kamen.

    Bis heute ist dieses Erbe sichtbar.

    Beim Festumzug zum 145. Geburtstag präsentierten Schüler neben paraguayischen Trachten auch Kleidung, die an die deutschen und schweizerischen Wurzeln der Stadt erinnerte.

    Rund 37 Bildungseinrichtungen beteiligten sich an den Feierlichkeiten.

    Aus der ehemaligen Einwandererkolonie wurde im Laufe der Jahrzehnte etwas völlig anderes: Paraguays bekanntester Sommerferienort.

    Jetzt beginnt die Vorbereitung auf die Saison

    Ende August trafen sich Vertreter von SENATUR, ASOTEL und Pro Sanber, um die kommende Hochsaison vorzubereiten.

    Im Mittelpunkt stehen vier Bereiche: Infrastruktur, Sicherheit, Qualität der touristischen Dienstleistungen und Vermarktung.

    Dabei sollen öffentliche Institutionen und private Unternehmen enger zusammenarbeiten.

    Die Vorbereitungen beginnen bewusst Monate vor dem eigentlichen Sommer.

    Denn während der Hochsaison verändert sich San Bernardino innerhalb weniger Wochen erheblich.

    Ferienhäuser werden wieder bewohnt, Hotels und Restaurants füllen sich, Veranstaltungen ziehen Besucher an und vor allem an den Wochenenden steigt die Zahl der Menschen in der Stadt stark an.

    Mehr als Nachtleben

    San Bernardino hat dabei ein interessantes Problem.

    Fast jeder Paraguayer kennt den Ort.

    Doch das Bild der Stadt ist stark vom Sommer geprägt.

    Wer San Bernardino sagt, denkt häufig an Dezember und Januar, an Wochenenden, Partys und den Lago Ypacaraí.

    Touristisch liegt darin gleichzeitig Stärke und Schwäche.

    Eine vorhandene Marke muss nicht erst aufgebaut werden. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, aus einem saisonalen Ferienort ein Reiseziel zu machen, das auch außerhalb weniger Sommerwochen funktioniert.

    Dafür besitzt San Bernardino durchaus Voraussetzungen.

    Neben Gastronomie und Nachtleben gibt es Natur, historische Gebäude, Wassersport, Veranstaltungen und die Nähe zu Asunción.

    Die Hauptstadt liegt nur rund 50 Kilometer entfernt.

    Damit eignet sich San Bernardino auch als Tages- und Wochenendziel.

    Der See bleibt die entscheidende Frage

    Über allen touristischen Plänen steht allerdings ein Thema, das San Bernardino seit Jahren begleitet: der Lago Ypacaraí.

    Der See ist das Wahrzeichen der Stadt.

    Gleichzeitig leidet er seit Jahren unter einer hohen Nährstoffbelastung und wiederkehrenden Problemen mit Cyanobakterien.

    Wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen erhebliche Schwankungen bei deren Konzentration an den Stränden von San Bernardino, Ypacaraí und Areguá.

    Die Wasserqualität ist deshalb nicht nur ein Umweltproblem.

    Sie ist auch eine wirtschaftliche Frage.

    Eine Stadt, deren touristische Identität unmittelbar mit einem See verbunden ist, kann dessen Zustand langfristig nicht von ihrer Tourismusstrategie trennen.

    Neue Hotels, Restaurants und Veranstaltungen können Besucher anziehen.

    Den Lago Ypacaraí können sie nicht ersetzen.

    Vom Ferienort zum ganzjährigen Reiseziel?

    Die kommende Saison wird deshalb mehr sein als die nächste Runde eines bekannten sommerlichen Rituals.

    San Bernardino befindet sich in einem Wandel.

    Die Stadt wächst. Neue gastronomische Angebote und Immobilienprojekte entstehen. Gleichzeitig bleibt ihr historisches Zentrum erhalten und die Verbindung zur europäischen Einwanderungsgeschichte ist weiterhin Teil ihrer Identität.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob San Bernardino im kommenden Sommer wieder voll sein wird.

    Davon kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit ausgehen.

    Interessanter ist, ob es gelingt, aus der traditionellen „Villa Veraniega“ Schritt für Schritt ein Reiseziel für das ganze Jahr zu entwickeln.

    Ein besonderer Ort in Paraguay

    Vielleicht liegt gerade darin die Stärke San Bernardinos.

    Der Ort ist weder ausschließlich historisch noch ausschließlich modern.

    Er ist paraguayisch und trägt gleichzeitig sichtbare Spuren europäischer Einwanderung.

    Er ist Kleinstadt und während des Sommers zeitweise touristisches Zentrum.

    Und er besitzt mit dem Lago Ypacaraí ein Wahrzeichen, das zugleich seine größte Attraktion und eine seiner größten Herausforderungen darstellt.

    145 Jahre nach seiner Gründung beginnt deshalb nicht nur die Vorbereitung auf einen weiteren Sommer.

    San Bernardino muss entscheiden, was für ein Tourismusort es in Zukunft sein möchte.

    Quellen

    Secretaría Nacional de Turismo (SENATUR), August 2026: Vorbereitung der Sommersaison in San Bernardino gemeinsam mit ASOTEL und Pro Sanber.

    Revista FOCO, 29. August 2026: „San Bernardino se prepara para recibir la temporada de verano“.

    Circunscripción Judicial de Cordillera, 24. August 2026: Feierlichkeiten zum 145. Gründungsjubiläum San Bernardinos.

    ABC Color, 24. August 2026: „San Bernardino: fiesta por los 145 años de la Villa veraniega“.

    Universidad Nacional de Asunción / FACEN: Untersuchung zur Konzentration von Cyanobakterien an den Stränden des Lago Ypacaraí 2022–2024.

  • Neue Eskalation im Golf: Warum ein steigender Ölpreis auch Paraguay trifft

    Neue Eskalation im Golf: Warum ein steigender Ölpreis auch Paraguay trifft

    PARAGUAY. Die jüngste Eskalation im Nahen Osten treibt die internationalen Ölpreise erneut nach oben. Was Tausende Kilometer entfernt geschieht, kann deshalb schon bald auch an paraguayischen Tankstellen spürbar werden.

    Paraguay verfügt zwar über enorme Mengen an eigener elektrischer Energie aus Wasserkraft. Bei Benzin und Diesel sieht die Situation jedoch völlig anders aus.

    Das Land besitzt keine bedeutende eigene Erdölförderung und ist bei fossilen Kraftstoffen auf Importe angewiesen.

    Damit führen internationale Ölkrisen unmittelbar zu einer Frage, die praktisch jeden Haushalt und jedes Unternehmen betrifft: Wie teuer werden Treibstoff und Transport?

    Ölpreis wieder über 90 Dollar

    Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent ist infolge der neuen Spannungen im Golf wieder über die Marke von 90 US-Dollar gestiegen.

    Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Straße von Hormus.

    Die Meerenge zwischen Iran und Oman gehört zu den wichtigsten Transportwegen der globalen Energiewirtschaft. Ein erheblicher Teil des international gehandelten Erdöls und Flüssigerdgases passiert diesen vergleichsweise schmalen Seeweg.

    Bereits die Gefahr einer Einschränkung des Schiffsverkehrs kann deshalb die Preise beeinflussen.

    Für die Märkte zählt nicht nur, ob tatsächlich weniger Öl geliefert wird. Auch die Erwartung möglicher Lieferprobleme reicht aus, um Preise zu bewegen.

    Paraguay produziert Strom – aber kein Benzin

    Für Paraguay entsteht daraus eine besondere Situation.

    Mit Itaipú, Yacyretá und Acaray verfügt das Land über große Mengen eigener Wasserkraft. Ein internationaler Anstieg des Ölpreises führt deshalb nicht automatisch zu höheren Kosten bei der Stromproduktion.

    Im Verkehrssektor ist Paraguay dagegen weiterhin stark von fossilen Kraftstoffen abhängig.

    Benzin und Diesel müssen überwiegend aus dem Ausland beschafft werden.

    Der internationale Ölpreis ist dabei nicht der einzige Faktor. Auch Raffineriepreise, Transportkosten, Wechselkurs, Lagerbestände und die Preispolitik der Importeure beeinflussen, was ein Liter Kraftstoff in Paraguay letztlich kostet.

    Ein steigender Rohölpreis bedeutet deshalb nicht, dass die Preise an den Tankstellen sofort im gleichen Verhältnis steigen.

    Hält ein hohes internationales Preisniveau jedoch länger an, wächst der Druck.

    Diesel ist für Paraguay besonders wichtig

    Die Auswirkungen reichen weit über private Autofahrer hinaus.

    Paraguays Landwirtschaft ist auf Diesel angewiesen. Traktoren, Erntemaschinen und ein großer Teil des Güterverkehrs werden damit betrieben.

    Das gilt besonders für Agrarregionen wie Itapúa.

    Soja, Mais, Weizen, Yerba Mate und andere Produkte müssen vom Feld zu Silos, Verarbeitungsbetrieben und Exportwegen transportiert werden.

    Steigende Dieselkosten erhöhen deshalb nicht nur die Kosten einer Autofahrt.

    Sie können sich entlang ganzer Lieferketten bemerkbar machen.

    Ein Binnenstaat spürt Transportkosten besonders

    Hinzu kommt Paraguays geografische Lage.

    Als Binnenstaat ist das Land in besonderem Maße von funktionierenden und preisgünstigen Transportwegen abhängig.

    Ein erheblicher Teil des Außenhandels läuft über den Río Paraguay und den Río Paraná. Gleichzeitig spielt der Straßengüterverkehr Richtung Brasilien, Argentinien, Bolivien und zunehmend Richtung Chile eine zentrale Rolle.

    Höhere Treibstoffkosten können deshalb Importe ebenso verteuern wie Exporte.

    Bei importierten Waren kommen die höheren Transportkosten hinzu.

    Bei paraguayischen Exportprodukten können sie die Wettbewerbsfähigkeit belasten.

    Noch kein Grund für Panik an der Tankstelle

    Ein kurzfristiger Anstieg des Ölpreises bedeutet allerdings noch nicht, dass Paraguay unmittelbar vor einer neuen Treibstoffkrise steht.

    Internationale Rohstoffpreise können sich schnell wieder verändern.

    Entscheidend wird sein, ob die Spannungen im Golf anhalten und ob die Versorgung tatsächlich beeinträchtigt wird.

    Auch vorhandene Lagerbestände können kurzfristige Preisschwankungen abfedern.

    Für paraguayische Verbraucher ist deshalb weniger der Ölpreis eines einzelnen Tages entscheidend als die Entwicklung über mehrere Wochen.

    Die paradoxe Energieposition Paraguays

    Die aktuelle Situation macht gleichzeitig einen grundsätzlichen Widerspruch sichtbar.

    Paraguay gehört bei erneuerbarer Elektrizität zu den außergewöhnlich gut ausgestatteten Ländern der Welt.

    Trotzdem bleibt ein großer Teil seiner Mobilität von importierten fossilen Energieträgern abhängig.

    Jeder internationale Ölpreisschock erinnert damit an eine strategische Frage:

    Wie viel des paraguayischen Verkehrs könnte langfristig mit jener Energie betrieben werden, die das Land selbst produziert?

    Elektromobilität allein wird diese Frage nicht lösen. Schwerverkehr, Landwirtschaft und große Distanzen stellen andere Anforderungen als der Stadtverkehr.

    Doch je stärker Paraguay seine eigene Elektrizität auch im Verkehrssektor nutzen kann, desto geringer wird langfristig seine Abhängigkeit von politischen Krisen auf der anderen Seite der Welt.

    Bis dahin gilt:

    Was in der Straße von Hormus geschieht, kann am Ende auch den Preis einer Lkw-Fahrt von Itapúa nach Asunción beeinflussen.

    Quellen

    Reuters, 31. August 2026: Internationale Ölmarktentwicklung und Auswirkungen der jüngsten Eskalation im Golf.

    U.S. Energy Information Administration (EIA): Strait of Hormuz – Bedeutung der Meerenge für den internationalen Energiehandel.

    Banco Central del Paraguay (BCP): Außenhandel und Importdaten für Mineralölerzeugnisse.

    Ministerio de Industria y Comercio (MIC): Kraftstoffmarkt und Preisentwicklung in Paraguay.

    Administración Nacional de Electricidad (ANDE): Energiesystem und Elektrizitätsversorgung Paraguays.

  • Paraguays Wirtschaft wächst – doch kommt der Aufschwung bei allen an?

    Paraguays Wirtschaft wächst – doch kommt der Aufschwung bei allen an?

    ASUNCIÓN. Paraguay erhält erneut gute Noten für seine wirtschaftliche Entwicklung. Der für den südlichen Teil Südamerikas zuständige Manager der Interamerikanischen Entwicklungsbank BID, Morgan Doyle, bezeichnete das Land nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Oscar Lovera als Beispiel für Wachstum und wirtschaftliche Stabilität.

    Die Einschätzung passt zu den wichtigsten Wirtschaftsdaten des Landes.

    Für 2026 erwarten die vom paraguayischen Zentralbank BCP befragten Wirtschaftsexperten ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,3 Prozent. Auch für 2027 wird mit einem Plus von rund vier Prozent gerechnet.

    Für viele Länder der Region wären solche Zahlen bemerkenswert.

    Doch Wirtschaftswachstum allein beantwortet noch nicht die entscheidende Frage: Wie viel davon kommt bei der Bevölkerung an?

    BID sieht stabile wirtschaftliche Grundlagen

    Morgan Doyle traf sich vergangene Woche mit Wirtschaftsminister Oscar Lovera in Asunción.

    Dabei ging es nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sowohl um die wirtschaftliche Entwicklung Paraguays als auch um die weitere Zusammenarbeit zwischen dem Land und der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

    Doyle hob insbesondere das anhaltende Wachstum und die makroökonomische Stabilität hervor.

    Paraguay hat sich damit in den vergangenen Jahren ein wirtschaftliches Profil aufgebaut, das sich deutlich von früheren Jahrzehnten unterscheidet.

    Landwirtschaft und Energie bleiben zentrale Säulen. Gleichzeitig gewinnen Dienstleistungen, Industrie, Logistik und internationale Investitionen an Bedeutung.

    Die geografische Lage zwischen Brasilien und Argentinien sowie große Infrastrukturprojekte wie der Biozeanische Korridor könnten diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

    4,3 Prozent Wachstum erwartet

    Auch die Erwartungen innerhalb Paraguays bleiben positiv.

    In ihrer August-Umfrage befragte die Zentralbank Unternehmen und Wirtschaftsexperten nach ihrer Einschätzung der weiteren Entwicklung.

    Das Ergebnis: Für 2026 wird im Median mit einem Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent gerechnet.

    Für 2027 liegen die Erwartungen bei vier Prozent.

    Damit würde Paraguay auch im kommenden Jahr vergleichsweise kräftig wachsen.

    Gleichzeitig leben fast eine Million Menschen in Armut

    Die andere Seite der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen die jüngsten Zahlen des Instituto Nacional de Estadística.

    2025 lebten rund 985.000 Menschen in Paraguay unterhalb der monetären Armutsgrenze.

    Das entspricht 16 Prozent der Bevölkerung.

    Besonders groß bleibt der Unterschied zwischen Stadt und Land.

    In städtischen Gebieten lag die Armutsquote bei 13,6 Prozent.

    Auf dem Land waren es dagegen 22,1 Prozent.

    Etwa jeder fünfte Bewohner des ländlichen Paraguay lebt damit trotz der insgesamt guten Wirtschaftsentwicklung weiterhin unterhalb der statistischen Armutsgrenze.

    Aber auch hier gibt es Fortschritte

    Die Zahlen sollten allerdings nicht so gelesen werden, als würde das Wirtschaftswachstum überhaupt nicht bei der Bevölkerung ankommen.

    Im Gegenteil.

    Die Armutsquote ist zuletzt deutlich gesunken.

    2024 hatte sie landesweit noch bei 19,6 Prozent gelegen. Ein Jahr später waren es 16 Prozent.

    Auch die extreme Armut ging zurück: von 3,7 auf 2,4 Prozent.

    In absoluten Zahlen bedeutet das dennoch, dass rund 147.000 Menschen nicht genügend Einkommen hatten, um selbst die statistisch definierte Grundversorgung mit Lebensmitteln zu finanzieren.

    Die Entwicklung zeigt deshalb zwei Dinge gleichzeitig:

    Paraguays wirtschaftliche und soziale Kennzahlen verbessern sich.

    Aber ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt weiterhin mit sehr geringen Einkommen.

    Auf dem Land entscheidet sich viel

    Gerade für Regionen wie Itapúa ist diese Entwicklung interessant.

    Ein großer Teil der wirtschaftlichen Stärke Paraguays entsteht außerhalb der Hauptstadt: durch Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Energie, Tourismus und zunehmend Logistik.

    Gleichzeitig ist Armut in ländlichen Regionen weiterhin deutlich stärker verbreitet als in den Städten.

    Damit wird eine der zentralen Fragen der kommenden Jahre sein, ob Investitionen in Straßen, Energieversorgung, Bildung und regionale Wirtschaft tatsächlich dazu führen, dass zusätzliche Wertschöpfung auch außerhalb der großen wirtschaftlichen Zentren ankommt.

    Der Ausbau der Infrastruktur allein garantiert das nicht.

    Er schafft zunächst nur die Voraussetzungen dafür.

    Ein Land mit ungewöhnlich guten Voraussetzungen

    Paraguay verfügt über mehrere Vorteile, die international zunehmend Aufmerksamkeit erzeugen.

    Das Land produziert große Mengen erneuerbarer Elektrizität aus Wasserkraft, verfügt über eine bedeutende Agrarwirtschaft und liegt zwischen zwei der größten Volkswirtschaften Südamerikas.

    Mit neuen Straßenverbindungen Richtung Chile und Brasilien verändert sich außerdem seine traditionelle Lage als Binnenstaat.

    Aus einem geografischen Nachteil könnte zumindest teilweise ein logistischer Vorteil werden.

    Gleichzeitig muss Paraguay seine Infrastruktur, Stromnetze, Bildung und öffentlichen Institutionen schnell genug entwickeln, um mit dem wirtschaftlichen Wachstum Schritt zu halten.

    Die entscheidende Zahl ist nicht nur das BIP

    Dass die Interamerikanische Entwicklungsbank Paraguays wirtschaftliche Entwicklung positiv beurteilt, ist deshalb eine gute Nachricht.

    Aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte.

    Ein Wachstum von mehr als vier Prozent ist beeindruckend.

    Noch wichtiger wird langfristig sein, was dieses Wachstum verändert.

    Ob neue Unternehmen entstehen.

    Ob produktivere Arbeitsplätze geschaffen werden.

    Ob Einkommen steigen.

    Ob ländliche Regionen profitieren.

    Und ob jene fast eine Million Menschen, die heute noch unterhalb der Armutsgrenze leben, tatsächlich am wirtschaftlichen Aufstieg des Landes teilnehmen.

    Erst dann wird aus Wirtschaftswachstum gesellschaftlicher Wohlstand.

    Quellen

    Ministerio de Economía y Finanzas (MEF), 31. August 2026: „BID resalta el crecimiento sostenido y la solidez de los fundamentos macroeconómicos de Paraguay“.

    Banco Central del Paraguay (BCP): Encuesta de Expectativas de Variables Económicas, August 2026.

    Instituto Nacional de Estadística (INE): Principales Resultados de Pobreza Monetaria y Distribución de Ingresos 2025, veröffentlicht März 2026.

  • Guaraní ist Amtssprache. Warum sieht man sie trotzdem so selten?

    Guaraní ist Amtssprache. Warum sieht man sie trotzdem so selten?

    PARAGUAY. Man hört Guaraní auf der Straße, in Familien, auf Märkten, in Bussen und bei Gesprächen unter Freunden. Für Millionen Paraguayer gehört die Sprache selbstverständlich zum Alltag.

    Wer dagegen Formulare ausfüllt, Behörden besucht, Unternehmenswebseiten liest oder durch die schriftliche Kommunikation vieler Institutionen navigiert, begegnet häufig einer anderen Realität: Spanisch dominiert.

    Genau auf diesen Widerspruch macht die Kampagne „Rohayhu Che Ñe’ẽ“ aufmerksam. Die Secretaría de Políticas Lingüísticas ruft auch 2026 wieder Bürger, Behörden, Schulen, Unternehmen, Medien und Organisationen dazu auf, Guaraní nicht nur zu sprechen, sondern sichtbar zu verwenden.

    Zwei Drittel verwenden Guaraní zu Hause

    Wie stark Guaraní tatsächlich im paraguayischen Alltag verankert ist, zeigen aktuelle Zahlen des Instituto Nacional de Estadística.

    38,7 Prozent der Bevölkerung ab fünf Jahren sprechen zu Hause überwiegend sowohl Guaraní als auch Spanisch.

    Weitere 27,9 Prozent verwenden hauptsächlich Guaraní.

    Zusammengenommen bedeutet das: Rund zwei Drittel der Bevölkerung verwenden Guaraní regelmäßig als eine ihrer wichtigsten Sprachen im eigenen Zuhause.

    Nur 30,9 Prozent sprechen dort hauptsächlich Spanisch.

    Guaraní ist damit keineswegs eine Sprache einer kleinen Minderheit. Sie gehört zum sprachlichen Alltag eines großen Teils der Bevölkerung.

    Amtssprache seit 1992

    Auch rechtlich ist die Situation eindeutig.

    Die paraguayische Verfassung von 1992 erklärte Guaraní neben Spanisch zur Amtssprache des Landes.

    Mit dem Sprachengesetz von 2010 wurde diese Gleichstellung weiter konkretisiert.

    Der Staat soll gewährleisten, dass Bürger beide Amtssprachen verwenden können. Das betrifft nicht nur Schulen oder kulturelle Veranstaltungen.

    Auch öffentliche Dokumente, Formulare, Behördenkommunikation, Beschilderungen und Dienstleistungen sollen die sprachliche Realität des Landes berücksichtigen.

    Auf dem Papier stehen Guaraní und Spanisch damit nebeneinander.

    Im Alltag der Institutionen ist diese Gleichstellung jedoch noch nicht überall erreicht.

    Eine gesprochene Sprache muss auch sichtbar werden

    Genau hier setzt die Secretaría de Políticas Lingüísticas an.

    Ihre Aufgabe besteht unter anderem darin, darauf hinzuwirken, dass beide Amtssprachen in staatlichen Formularen und Dokumenten, auf öffentlichen Schildern und in der Kommunikation der Behörden verwendet werden.

    Dass dies weiterhin aktiv gefördert werden muss, zeigt bereits, dass die rechtliche Gleichstellung allein nicht genügt.

    Noch im Juli schulte die Sprachbehörde Mitarbeiter der Procuraduría General de la República, um eine zweisprachige Betreuung der Bevölkerung zu verbessern.

    Auch die paraguayische Raumfahrtbehörde erhielt neue zweisprachige institutionelle Materialien.

    Im August wurden zusätzlich Kommunikationsverantwortliche staatlicher Einrichtungen im Gebrauch von Guaraní geschult.

    Es geht also nicht darum, Guaraní erst wiederzuentdecken.

    Es geht darum, eine längst gesprochene Sprache auch dort selbstverständlich zu machen, wo Paraguay offiziell mit seinen Bürgern kommuniziert.

    „Rohayhu Che Ñe’ẽ“

    Die Kampagne „Rohayhu Che Ñe’ẽ – Una Semana en Lengua Guaraní“ gibt es bereits seit 2014.

    2026 findet sie zum zwölften Mal statt.

    Die Idee ist einfach: Eine Woche lang soll Guaraní bewusst stärker verwendet werden.

    Nicht nur von Privatpersonen.

    Auch Schulen, öffentliche Einrichtungen, Medien, Unternehmen und gesellschaftliche Organisationen sind eingeladen, Guaraní in ihrer Kommunikation einzusetzen.

    Dabei geht es ausdrücklich auch um Bereiche, in denen die Sprache traditionell weniger präsent war: Arbeitswelt, institutionelle Kommunikation und digitale Plattformen.

    Guaraní verändert sich

    Gleichzeitig verändert sich die Sprache selbst.

    Guaraní findet zunehmend seinen Weg in soziale Netzwerke, Musik und digitale Medien. Junge Paraguayer verwenden die Sprache auf TikTok und Instagram, Musiker verbinden sie mit Rap, Jazz oder moderner Popmusik.

    Auch neue technische Begriffe müssen ihren Platz in der Sprache finden.

    Das ist für ihre Zukunft entscheidend.

    Eine Sprache bleibt nicht dadurch lebendig, dass man sie ausschließlich als kulturelles Erbe schützt. Sie bleibt lebendig, wenn Menschen mit ihr über das sprechen können, was heute geschieht.

    Über Politik und Wissenschaft ebenso wie über Fußball, künstliche Intelligenz oder das nächste Video auf dem Smartphone.

    Und dann gibt es noch Jopara

    Die sprachliche Wirklichkeit Paraguays lässt sich ohnehin nicht vollständig in zwei getrennte Kategorien aufteilen.

    Viele Menschen wechseln im Gespräch selbstverständlich zwischen Guaraní und Spanisch.

    Daraus entsteht Jopara, eine Mischform, in der Wörter und Strukturen beider Sprachen ineinander übergehen.

    Sprachpuristen betrachten diese Vermischung teilweise kritisch.

    Aus gesellschaftlicher Sicht zeigt Jopara aber auch etwas anderes: Sprache richtet sich nicht nach Behörden oder Wörterbüchern. Menschen verwenden sie so, wie sie für ihren Alltag funktioniert.

    Das erklärt möglicherweise auch, warum statistisch so viele Paraguayer angeben, zu Hause sowohl Guaraní als auch Spanisch zu sprechen.

    Die eigentliche Herausforderung liegt außerhalb des Wohnzimmers

    Guaraní steht heute nicht vor dem Problem, dass niemand mehr die Sprache spricht.

    Die aktuellen Zahlen zeigen eher das Gegenteil.

    Die größere Herausforderung besteht darin, dass gesellschaftliche Bedeutung und institutionelle Sichtbarkeit nicht immer übereinstimmen.

    Eine Sprache kann von Millionen Menschen täglich gesprochen werden und trotzdem auf einem Formular, einer Unternehmenswebseite oder einem Behördenschild fehlen.

    Genau deshalb ist eine Kampagne wie „Rohayhu Che Ñe’ẽ“ mehr als folkloristische Sprachpflege.

    Sie stellt eine einfache Frage:

    Wenn Guaraní tatsächlich eine der beiden Amtssprachen Paraguays ist, warum sollte man das nicht auch sehen können?

    Voces Guaraní zu diesem Beitrag

    Rohayhu Che Ñe’ẽ
    Wörtlich ungefähr: „Ich liebe meine Sprache.“ Rohayhu bedeutet „ich liebe dich“, che bedeutet „mein/meine“ und ñe’ẽ kann je nach Zusammenhang „Sprache“, „Wort“ oder „Stimme“ bedeuten. Der Ausdruck ist der Name der Kampagne zur stärkeren Verwendung und Sichtbarkeit des Guaraní.
    Avañe’ẽ
    Eine traditionelle Bezeichnung für die Guaraní-Sprache. Ava bezeichnet den Menschen beziehungsweise die Person und ñe’ẽ Sprache oder Stimme. Sinngemäß lässt sich Avañe’ẽ als „Sprache der Menschen“ verstehen.
    Jopara
    Bedeutet sinngemäß „Mischung“ oder „vermischt“. Im sprachlichen Alltag Paraguays bezeichnet Jopara die vielfältigen Mischformen aus Guaraní und Spanisch. Es handelt sich dabei nicht um eine einzige festgelegte Sprachform. Wie stark Guaraní und Spanisch vermischt werden, unterscheidet sich je nach Sprecher, Region und Situation.

    Quellen

    Secretaría de Políticas Lingüísticas (SPL): „Rohayhu Che Ñe’ẽ – Una Semana en Lengua Guaraní“, 12. Ausgabe, August 2026.

    Instituto Nacional de Estadística (INE): Encuesta Permanente de Hogares Continua 2025, aktuelle Sprachdaten, veröffentlicht im Februar 2026.

    Secretaría de Políticas Lingüísticas: Política Lingüística Nacional und aktuelle Maßnahmen zur zweisprachigen institutionellen Kommunikation, Juli und August 2026.

    Verfassung der Republik Paraguay und Ley N.º 4251/10 de Lenguas.

  • Sechs Tage Bücher und Kultur: Libroferia startet morgen in Encarnación

    Sechs Tage Bücher und Kultur: Libroferia startet morgen in Encarnación

    ENCARNACIÓN. Bücher, Musik, Theater, Workshops und Begegnungen mit Autoren: Am Dienstag, 1. September, beginnt in Encarnación die 22. Libroferia. Bis Sonntag verwandelt sich der Campus der Universidad Autónoma de Encarnación in einen der größten kulturellen Treffpunkte im Süden Paraguays.

    Der Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen ist kostenlos.

    Unter dem Motto „Lectura y Cultura para la Paz“, Lesen und Kultur für den Frieden, umfasst das Programm mehr als 100 kulturelle und pädagogische Aktivitäten.

    Mehr als eine Buchmesse

    Die Libroferia versteht sich ausdrücklich nicht nur als Verkaufsmesse für Bücher.

    Während der sechs Veranstaltungstage stehen Begegnungen mit paraguayischen und internationalen Autoren, Buchpräsentationen, Schreibwerkstätten, Vorträge und Lesungen auf dem Programm.

    Dazu kommen Comics, Poesie und Rap, Theateraufführungen, Konzerte, gastronomische Angebote und Veranstaltungen verschiedener kultureller Gemeinschaften.

    Auch Gäste aus Argentinien und Brasilien werden in Encarnación erwartet.

    Damit verbindet die Libroferia Literatur mit Musik, Bildung und regionaler Kultur.

    Tausende Besucher erwartet

    Die Libroferia gehört inzwischen zu den größten regelmäßig stattfindenden Kulturveranstaltungen in Itapúa.

    In den vergangenen Jahren kamen jeweils mehr als 20.000 Besucher. Für die diesjährige Ausgabe rechnen die Veranstalter mit einer nochmals höheren Beteiligung.

    Mehr als 50 Bildungseinrichtungen, die bereits während des Jahres eigene Leseprojekte durchgeführt haben, sollen mit Schülern und Lehrkräften teilnehmen.

    Gerade für junge Menschen soll die Messe Literatur nicht nur als Unterrichtsstoff präsentieren, sondern als persönliche und gemeinschaftliche Erfahrung.

    Von morgens bis abends

    Die offizielle Eröffnung findet am Dienstag statt.

    Ab Mittwoch läuft das Programm täglich vom Morgen bis in die Abendstunden. Viele Veranstaltungstage reichen von etwa 8 Uhr bis 22 Uhr.

    Besucher können zwischen Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, Angeboten für Erwachsene, Fortbildungen für Lehrkräfte sowie kulturellen und musikalischen Programmpunkten wählen.

    Ein Höhepunkt des musikalischen Programms ist für Samstag der Auftritt von Puraheí Soul auf der Hauptbühne angekündigt.

    Auch dieser Auftritt ist kostenlos.

    Paraguayische Literatur im Mittelpunkt

    Neben neuen Büchern und zeitgenössischen Autoren beschäftigt sich die Libroferia auch mit dem literarischen und kulturellen Erbe Paraguays.

    Im Programm finden sich unter anderem Veranstaltungen zu Elvio Romero und Coqui Ruiz.

    Gleichzeitig sollen lokale Autoren aus Itapúa sichtbar gemacht werden. Damit bietet die Messe gerade Schriftstellern und Künstlern außerhalb Asuncións eine Plattform für den direkten Kontakt mit einem größeren Publikum.

    Auch Guaraní bekommt seinen Platz

    Eine besondere Anerkennung erhielt die diesjährige Libroferia von der Secretaría de Políticas Lingüísticas.

    Die Behörde erklärte die Veranstaltung offiziell von sprachpolitischem Interesse.

    Damit wird insbesondere der Beitrag der Libroferia zur Förderung der beiden Amtssprachen Paraguays, zur Zweisprachigkeit und zum sprachlichen Kulturerbe des Landes hervorgehoben.

    Neben Spanisch soll deshalb auch Guaraní als Sprache von Literatur, Kultur und Wissensvermittlung sichtbar sein.

    Lesen in Zeiten von Smartphone und künstlicher Intelligenz

    Die Libroferia bekommt 2026 noch eine andere Aktualität.

    Informationen, Texte und Unterhaltung sind heute jederzeit auf dem Smartphone verfügbar. Künstliche Intelligenz kann innerhalb von Sekunden Texte zusammenfassen, übersetzen oder selbst erzeugen.

    Damit stellt sich zunehmend die Frage, welche Rolle Bücher und bewusstes Lesen künftig noch spielen.

    Die Antwort der Libroferia ist bemerkenswert einfach: Technologie und Lesen müssen keine Gegensätze sein.

    Ein Buch verlangt jedoch etwas, das digitale Medien immer seltener verlangen: Zeit, Konzentration und die Bereitschaft, über längere Strecken bei einem Gedanken zu bleiben.

    Vielleicht liegt gerade darin heute ein Teil seines Wertes.

    Sechs Tage für die ganze Region

    Die Libroferia findet vom 1. bis 6. September 2026 auf dem Campus Urbano der Universidad Autónoma de Encarnación statt.

    Der Eintritt ist frei.

    Für Encarnación beginnt damit unmittelbar nach dem internationalen Rally-Wochenende die nächste große Veranstaltung.

    Diesmal stehen allerdings keine Motoren im Mittelpunkt.

    Sondern Bücher, Sprache und Begegnung.

  • 100 Jahre nach dem Zyklon: Encarnación und Posadas erinnern gemeinsam an die Katastrophe von 1926

    100 Jahre nach dem Zyklon: Encarnación und Posadas erinnern gemeinsam an die Katastrophe von 1926

    ENCARNACIÓN / POSADAS. Am 20. September 1926 veränderte eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Encarnacións die Stadt innerhalb weniger Minuten. Ein verheerender Zyklon zerstörte große Teile der damaligen Unterstadt, forderte Hunderte Todesopfer und prägte die Erinnerung der Region bis heute.

    Zum hundertsten Jahrestag bereiten Encarnación und die argentinische Nachbarstadt Posadas nun ein gemeinsames Gedenkprogramm vor. Unter dem Leitmotiv „100 Jahre Resilienz, Solidarität und Hoffnung“ sollen am 20. und 21. September Ausstellungen, Vorträge, Filmvorführungen, künstlerische Beiträge und weitere Veranstaltungen stattfinden.

    Eine Stadt wird innerhalb weniger Minuten verwüstet

    Der Zyklon traf Encarnación am Abend des 20. September 1926.

    Zeitgenössische Berichte beschreiben, wie sich der Himmel gegen 18:30 Uhr plötzlich verdunkelte. Heftiger Regen setzte ein, dazu kamen extreme Windgeschwindigkeiten, Blitze und ein ohrenbetäubender Lärm.

    Innerhalb kurzer Zeit wurden Dächer abgerissen, Häuser zerstört und Bäume entwurzelt.

    Besonders schwer betroffen war die damalige Unterstadt von Encarnación. Auch der wichtige Hafenbereich wurde verwüstet. Der erst wenige Jahre zuvor errichtete Kai wurde durch den Sturm weitgehend zerstört.

    Bei der Zahl der Todesopfer unterscheiden sich historische Quellen. Die Stadt Encarnación nennt mehr als 300 Tote. Andere zeitgenössische und spätere Darstellungen sprechen von mehr als 400 Opfern.

    Unstrittig ist, dass der Zyklon zu den schwersten Katastrophen in der Geschichte Paraguays und der gesamten Region gehörte.

    Hilfe kam über den Paraná

    Ein zentraler Teil der Erinnerung betrifft die Hilfe aus Posadas.

    Nach der Katastrophe überquerten der Priester José Kreuser und Jorge Memmel gemeinsam mit dem Ruderer Fulgencio Amarilla den Paraná, um in der argentinischen Nachbarstadt Unterstützung zu organisieren.

    Posadas reagierte schnell.

    Ärzte, Medikamente, Kleidung, Lebensmittel und weitere Hilfsgüter wurden nach Encarnación gebracht. Die Katastrophe wurde damit auch zu einem historischen Moment der Zusammenarbeit zwischen beiden Städten.

    Genau diese Verbindung soll beim hundertsten Jahrestag besonders hervorgehoben werden.

    Gemeinsames Programm auf beiden Seiten des Paraná

    Die Municipalidad de Encarnación und die Secretaría de Estado de Cultura der Provinz Misiones koordinieren derzeit ein umfangreiches Programm.

    Geplant sind unter anderem historische Vorträge, Ausstellungen mit Fotografien und Dokumenten, Filmprogramme sowie künstlerische Veranstaltungen.

    Auch Schulen, Universitäten, kulturelle Einrichtungen und gesellschaftliche Organisationen beider Städte sollen beteiligt werden.

    Die zentralen Veranstaltungen sind für den 20. und 21. September vorgesehen.

    Neues Buch erinnert an die Katastrophe

    Bereits im August wurde in Encarnación das Buch „Encarnación: a 100 años del Ciclón“ vorgestellt.

    Die Publikation entstand gemeinsam mit der Sociedad de Escritores del Paraguay, Filial Itapúa, und der Kommission zum hundertsten Jahrestag der Katastrophe.

    Neun Autorinnen und Autoren haben historische Forschungen, Dokumente, Erinnerungen und literarische Beiträge zusammengetragen.

    Dabei geht es nicht nur um die Zerstörung selbst. Ein Schwerpunkt liegt auf den Geschichten von Solidarität und gegenseitiger Hilfe, die unmittelbar nach dem Zyklon entstanden.

    Erinnerung soll auch der Prävention dienen

    Die Universidad Autónoma de Encarnación hat das Jahr 2026 zum „Jahr der Resilienz und der Katastrophenvorsorge“ erklärt.

    Damit bekommt das Jubiläum auch eine aktuelle Dimension.

    Denn die Geschichte von 1926 ist nicht nur Erinnerung an eine vergangene Katastrophe. Sie wirft auch die Frage auf, wie Städte heute mit extremen Wetterereignissen umgehen.

    Gerade die jüngsten schweren Unwetter in Itapúa zeigen, dass diese Frage keineswegs nur historisch ist.

    Eine gemeinsame Geschichte zweier Städte

    Encarnación und Posadas sind heute durch Handel, Familien, Arbeit, Tourismus und tägliche Grenzbewegungen eng miteinander verbunden.

    Der Zyklon von 1926 zeigt, dass diese Verbindung wesentlich älter ist.

    Vor hundert Jahren wurde der Paraná für einige Stunden nicht zur Grenze zwischen zwei Ländern, sondern zur Verbindung zwischen einer zerstörten Stadt und ihren Helfern.

    Genau daran wollen Encarnación und Posadas im September gemeinsam erinnern.

  • Rally sorgt für volle Unterkünfte: Tourismus in Itapúa zieht Bilanz

    Rally sorgt für volle Unterkünfte: Tourismus in Itapúa zieht Bilanz

    ITAPÚA. Das Rally-Weltmeisterschaftswochenende hat nicht nur die Straßen von Itapúa gefüllt. Auch zahlreiche touristische Unterkünfte in der Region waren vollständig ausgebucht. Besonders stark war die Nachfrage in Encarnación, Cambyretá und Capitán Miranda.

    Nach einer Erhebung der Asociación de Alojamientos y Posadas Turísticas de Itapúa erreichten die touristischen Posadas in diesen Gebieten während des WRC Rally del Paraguay eine Auslastung von 100 Prozent.

    Die Zahlen zeigen aber auch: Der wirtschaftliche Effekt verteilte sich nicht gleichmäßig über das gesamte Departamento.

    Encarnación im Zentrum des Besucherandrangs

    Den größten Andrang verzeichnete erwartungsgemäß Encarnación. Hier befanden sich mit Service Park, Fan Zone, Veranstaltungen und Siegerehrung wesentliche Teile des Rally-Geschehens.

    Die Präsidentin des Verbandes der touristischen Unterkünfte, María Estela Castillo, sprach von einer zeitweise stark ausgelasteten Stadt.

    Nach Einschätzung des Verbandes kamen rund 80 Prozent der Gäste in Encarnación aus Paraguay selbst. Etwa 20 Prozent waren internationale Besucher.

    Damit zeigt sich auch, dass eine internationale Großveranstaltung nicht zwangsläufig überwiegend ausländische Touristen anzieht. Ein wesentlicher Teil des wirtschaftlichen Effekts entstand durch paraguayischen Inlandstourismus.

    Bella Vista mit auffällig vielen internationalen Gästen

    Anders stellte sich die Situation teilweise in Bella Vista dar.

    Dort registrierten die Anbieter nach Angaben des Verbandes einen deutlich höheren Anteil internationaler Besucher. Das dürfte auch mit den Wertungsprüfungen in Bella Vista und Hohenau sowie mit der Lage der Stadt im Zentrum der Colonias Unidas zusammenhängen.

    Für die Region könnte gerade dieser Effekt langfristig interessant sein.

    Viele Besucher kamen wegen des Motorsports erstmals nach Bella Vista, Hohenau und in die umliegenden Gemeinden. Gleichzeitig lernten sie eine Region kennen, die touristisch bisher deutlich weniger international wahrgenommen wird als Encarnación.

    Neben dem Rally wurden deshalb auch die Yerba-Mate-Kultur, lokale Gastronomie, Naturangebote und die Geschichte der Einwanderung als touristische Angebote präsentiert.

    Rund 90 touristische Posadas in Itapúa

    Nach Schätzungen des Branchenverbandes gibt es im gesamten Departamento rund 90 touristische Posadas.

    35 davon gehören derzeit dem Verband an.

    Eine besonders hohe Konzentration gibt es neben Encarnación auch in Carmen del Paraná. Dort befinden sich rund 25 Posadas. In Cambyretá gibt es drei registrierte Betriebe, während Pirapó, Bella Vista, San Juan del Paraná und Capitán Meza jeweils über mehrere kleinere Unterkünfte verfügen.

    Zum erweiterten Angebot gehören außerdem Hostels, Ferienhäuser, Campingplätze und andere Formen privater Beherbergung.

    Der Verband betreut insgesamt mehr als 60 solcher Betriebe.

    Preise blieben vergleichsweise moderat

    Bemerkenswert ist auch die Preisentwicklung.

    Trotz der enormen Nachfrage seien die Preise bei den touristischen Posadas nicht generell stark erhöht worden.

    Für eine Übernachtung wurden während des Rally nach Angaben des Verbandes zwischen 100.000 und 200.000 Guaraní pro Person verlangt. Frühstück war dabei in vielen Fällen bereits enthalten.

    Gerade für Familien und Besucher aus Paraguay stellen die Posadas damit eine Alternative zu klassischen Hotels dar.

    Temporäre Unterkünfte werden zum Problem

    Der Besucheransturm brachte allerdings auch ein Problem deutlicher zum Vorschein.

    Während großer Veranstaltungen entstehen kurzfristig zahlreiche private und temporäre Übernachtungsangebote. Nicht alle davon sind offiziell als touristische Unterkunft registriert.

    Für reguläre Anbieter bedeutet das Konkurrenz durch Vermieter, die teilweise nicht denselben gesetzlichen und qualitativen Anforderungen unterliegen.

    Der Verband arbeitet deshalb gemeinsam mit SENATUR und den Gemeinden an Möglichkeiten, solche Angebote künftig besser zu erfassen und zu kontrollieren.

    Dabei geht es nicht nur um Wettbewerb. Eine Registrierung soll auch sicherstellen, dass grundlegende Anforderungen an Sicherheit und Qualität eingehalten werden.

    Rally wird zum Beginn der Sommersaison

    Für viele Tourismusbetriebe in Itapúa hat das Rally inzwischen noch eine weitere Funktion.

    Es markiert praktisch den Beginn der touristischen Hochsaison.

    Normalerweise steigt die Nachfrage in Encarnación, Carmen del Paraná und anderen Orten der Region erst mit Beginn des paraguayischen Sommers deutlich an. Das Rally bringt bereits Ende August eine erste große Besucherwelle.

    Die Betriebe können damit Personal, Abläufe und Angebote mehrere Monate vor der eigentlichen Sommersaison unter realen Bedingungen testen.

    Entscheidend ist, was nach dem Rally bleibt

    Volle Unterkünfte während einer internationalen Großveranstaltung sind zunächst ein wirtschaftlicher Erfolg.

    Für die langfristige Entwicklung des Tourismus in Itapúa ist jedoch eine andere Frage wichtiger: Kommen die Besucher wieder?

    Gerade Bella Vista, Hohenau, Trinidad, Carmen del Paraná und andere Orte außerhalb Encarnacións haben durch die Rally die Möglichkeit, sich einem Publikum zu präsentieren, das sonst möglicherweise nie in diese Teile Paraguays gekommen wäre.

    Wenn aus einem Rally-Besucher später ein Urlaubsgast wird, entsteht ein nachhaltigerer wirtschaftlicher Effekt als durch eine einzige ausgebuchte Woche.

    Ob das tatsächlich gelingt, werden erst die kommenden Monate zeigen.

    Auch die endgültige wirtschaftliche Bilanz des Rally-Wochenendes steht noch aus. Die im Vorfeld genannten Besucherzahlen und Umsatzerwartungen waren Prognosen. Sie sollten deshalb nicht mit den tatsächlich erreichten Ergebnissen verwechselt werden.

  • Historischer Heimsieg: Diego Domínguez gewinnt WRC2 in Itapúa

    Historischer Heimsieg: Diego Domínguez gewinnt WRC2 in Itapúa

    ENCARNACIÓN. Ein Paraguayer gewinnt auf heimischem Boden: Diego Domínguez Bejarano hat beim Rally del Paraguay 2026 die WRC2-Wertung für sich entschieden. Der 26-Jährige ist damit der erste paraguayische Fahrer, der einen Lauf der WRC2 in der Rally-Weltmeisterschaft gewinnt.

    Gemeinsam mit seinem spanischen Beifahrer Rogelio Peñate brachte Domínguez seinen Toyota GR Yaris Rally2 am Sonntag nach drei anspruchsvollen Tagen auf den roten Straßen Itapúas als Sieger seiner Klasse ins Ziel.

    Auf der Costanera von Encarnación wurde der Erfolg anschließend vor heimischem Publikum gefeiert.

    Von Beginn an an der Spitze

    Domínguez übernahm bereits am ersten Rallytag die Führung in der WRC2 und gab sie bis zum Ziel nicht mehr ab.

    Dabei gewann er fünf Wertungsprüfungen. Besonders passend für einen Heimsieg: Zu seinen Bestzeiten gehörten Strecken in Cambyretá, Nueva Alborada und Yerbateras sowie die Wertungsprüfung an der Costanera von Encarnación.

    Nach 21 tatsächlich gefahrenen Wertungsprüfungen benötigte Domínguez eine Gesamtzeit von 3 Stunden, 21 Minuten und 9 Sekunden.

    Der Brite Gus Greensmith wurde mit einem Rückstand von 22,7 Sekunden Zweiter.

    Auch Platz drei ging nach Paraguay: Alejandro Galanti beendete das Rally 2 Minuten und 42,5 Sekunden hinter Domínguez.

    Damit standen zwei Paraguayer auf dem WRC2-Podium ihres Heimrennens.

    Siebter unter allen Teilnehmern

    Bemerkenswert ist auch das Ergebnis im Gesamtklassement.

    Die WRC2-Fahrzeuge treten eine Klasse unter den leistungsstärkeren Rally1-Autos an. Trotzdem erreichte Domínguez den siebten Gesamtrang und ließ damit zahlreiche internationale Teilnehmer hinter sich.

    Den Gesamtsieg des Rally del Paraguay holte der 24-jährige Finne Sami Pajari im Toyota GR Yaris Rally1. Hayden Paddon aus Neuseeland wurde Zweiter, der Franzose Adrien Fourmaux Dritter.

    Domínguez lag am Ende 7 Minuten und 40,5 Sekunden hinter dem Gesamtsieger.

    Eine Rally fast ohne Probleme

    Während zahlreiche Teilnehmer auf den schwierigen Strecken Itapúas mit Unfällen, Reifenschäden und technischen Problemen kämpften, kam Domínguez weitgehend problemlos durch das Wochenende.

    Eine ungewöhnliche Schwierigkeit gab es trotzdem.

    Am Samstag verlor er nach einer Wertungsprüfung seine Brille. Ohne seine gewohnte Sehhilfe musste er weitere Kilometer absolvieren und erklärte anschließend, dass ihm dadurch zunehmend das Vertrauen beim Fahren fehle.

    Beim nächsten Service erhielt er Ersatz und konnte seine Führung weiter verteidigen.

    Ein Sieg mit besonderer Bedeutung

    Für Domínguez ist der Erfolg auch persönlich ein wichtiger Meilenstein.

    Der Sohn des bekannten paraguayischen Rallyfahrers Diego Domínguez Sr. begann seine Motorsportkarriere zunächst im Kart und wechselte später in den Rallysport. Bereits 2024 gewann er die WRC3-Weltmeisterschaft.

    Nun folgt der erste Sieg in der höheren WRC2-Kategorie.

    Nach der Zieleinfahrt widmete Domínguez den Erfolg besonders seinem Vater, der seine Motorsportkarriere über Jahre unterstützt hatte.

    Der Sieg sei der Traum seines Lebens gewesen, erklärte der sichtbar emotionale Fahrer nach dem Rennen.

    Paraguay feiert einen historischen Erfolg

    Das zweite Rally del Paraguay endete damit gleich mit mehreren bemerkenswerten Ergebnissen für den heimischen Motorsport.

    Neben Domínguez auf Platz eins und Galanti auf Platz drei gewann der Paraguayer Miki Zaldívar außerdem die Masters Cup.

    Vor allem der WRC2-Erfolg von Diego Domínguez dürfte jedoch in Erinnerung bleiben.

    Die Weltmeisterschaft war nach Itapúa gekommen. Und erstmals stand am Ende eines WRC2-Laufs ein Paraguayer ganz oben auf dem Podium.

    Quellen

    World Rally Championship (WRC), offizieller Rennbericht, 30. August 2026.
    ABC Color, 30. August 2026.
    D10 / Última Hora, 30. August 2026.

    Offizieller WRC-Bericht zum Sieg von Diego Domínguez
    ABC Color: Historischer WRC2-Sieg

  • Sojaanbau im Chaco wächst um 50 Prozent

    Sojaanbau im Chaco wächst um 50 Prozent

    CHACO. Der Sojaanbau im paraguayischen Chaco hat sich in der Saison 2026 deutlich erholt. Insgesamt wurden 163.844 Hektar mit Soja bestellt. Im Vorjahr waren es lediglich 109.069 Hektar.

    Das entspricht einem Anstieg um 54.775 Hektar oder rund 50 Prozent innerhalb eines Jahres.

    Die Zahlen zeigen, dass der Ackerbau im traditionell von Viehzucht geprägten Chaco eine zunehmende wirtschaftliche Rolle spielt. Allerdings ist der starke prozentuale Anstieg auch Folge eines außergewöhnlich schwachen Vorjahres.

    Boquerón bleibt Zentrum des Sojaanbaus

    Der mit Abstand größte Teil der Sojaflächen liegt im Departamento Boquerón.

    Dort stieg die bewirtschaftete Fläche von 78.238 Hektar im Jahr 2025 auf 111.681 Hektar in diesem Jahr.

    Besonders rund um Filadelfia und Mariscal Estigarribia hat sich in den vergangenen Jahren neben der Viehwirtschaft zunehmend moderner Ackerbau entwickelt.

    Noch stärker war der relative Zuwachs in Alto Paraguay. Dort wuchs die Sojafläche von 16.358 auf 37.375 Hektar und hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

    In Presidente Hayes blieb die Entwicklung dagegen nahezu unverändert. Die Fläche stieg lediglich von 14.473 auf 14.786 Hektar.

    50 Prozent Wachstum brauchen Einordnung

    Ein Vergleich nur mit dem Jahr 2025 vermittelt allerdings ein unvollständiges Bild.

    Bereits 2024 wurden im Chaco rund 154.660 Hektar Soja angebaut. Die Fläche brach anschließend auf 109.069 Hektar ein.

    Als Grund nennt das Instituto de Biotecnología Agrícola vor allem die schwierigen klimatischen Bedingungen und die vorhergehende Dürre.

    Die diesjährigen 163.844 Hektar bedeuten deshalb vor allem eine Rückkehr auf das Niveau vor dem Einbruch von 2025.

    Gegenüber 2024 beträgt das Wachstum nicht 50 Prozent, sondern knapp sechs Prozent.

    Auch Fachleute des INBIO warnen deshalb davor, die aktuelle Entwicklung automatisch als grundlegenden Strategiewechsel der Landwirte zu interpretieren.

    Das Klima entscheidet im Chaco wesentlich stärker als in vielen anderen Anbaugebieten darüber, wie große Flächen tatsächlich bestellt werden können.

    Landwirtschaft verändert den Chaco

    Trotz dieser Einschränkung ist die Entwicklung langfristig bemerkenswert.

    Der paraguayische Chaco war wirtschaftlich über Jahrzehnte vor allem durch Rinderhaltung geprägt. Moderne Bewässerung, neue Anbaumethoden, bessere Straßen und technische Entwicklungen ermöglichen inzwischen auch eine stärkere landwirtschaftliche Nutzung.

    Der Ausbau des Biozeanischen Korridors könnte diesen Wandel weiter beschleunigen. Neue Straßen reduzieren Transportzeiten und erleichtern den Zugang zu Märkten und Häfen.

    Damit verändert sich auch die wirtschaftliche Bedeutung der Región Occidental.

    Soja, Mais und andere Kulturen treten zunehmend neben die traditionelle Viehwirtschaft.

    Mehr Produktion bedeutet auch mehr Verantwortung

    Der wirtschaftliche Wandel wirft gleichzeitig Fragen zur zukünftigen Nutzung des Chaco auf.

    Die Region gehört zu den ökologisch sensiblen Gebieten Südamerikas und ist Lebensraum zahlreicher indigener Gemeinschaften.

    Eine wachsende landwirtschaftliche Produktion muss deshalb mit Fragen des Wasserverbrauchs, der Bodennutzung, des Schutzes natürlicher Vegetation und der Rechte der dort lebenden Gemeinschaften verbunden werden.

    Aus den aktuellen Zahlen allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der zusätzliche Sojaanbau unmittelbar durch neue Entwaldung entstanden ist.

    Das paraguayische Umweltministerium arbeitet derzeit gemeinsam mit Landwirtschaft, Unternehmen und indigenen Organisationen an einer Plattform für eine nachhaltigere Entwicklung der Region.

    Mehr als fünf Millionen Hektar Soja in Paraguay

    Landesweit bleibt Soja eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte Paraguays.

    Rechnet man die Haupt- und Nebensaison der Región Oriental mit der Ernte im Chaco zusammen, kommt Paraguay 2026 auf eine Sojafläche von insgesamt rund 5,03 Millionen Hektar.

    Der Chaco stellt davon bislang nur einen vergleichsweise kleinen Anteil.

    Aber seine Bedeutung wächst.

    Ob daraus dauerhaft eine zweite große Ackerbauregion Paraguays entsteht, hängt weniger von einem einzelnen Rekordjahr ab als von Klima, Infrastruktur, Weltmarktpreisen und davon, wie nachhaltig die landwirtschaftliche Expansion organisiert wird.

    Quellen

    Instituto de Biotecnología Agrícola (INBIO), Bericht „Soja recupera superficie en la Región Occidental“, 20. August 2026.

    ABC Color, 24. und 30. August 2026: Analysen zur Entwicklung der Sojaflächen im paraguayischen Chaco.

    Ministerio del Ambiente y Desarrollo Sostenible (MADES), Juni 2026: Plattform für nachhaltige Entwicklung des Chaco.

  • Strom im Überfluss? Paraguay könnte schon ab 2030 an seine Grenzen stoßen

    Strom im Überfluss? Paraguay könnte schon ab 2030 an seine Grenzen stoßen

    PARAGUAY. Kaum ein Land Südamerikas wird so stark mit reichlich vorhandener Wasserkraft verbunden wie Paraguay. Mit Itaipú und Yacyretá verfügt das Land über zwei der größten Wasserkraftwerke der Region. Doch ausgerechnet Paraguay könnte bereits gegen Ende dieses Jahrzehnts vor einem Energieproblem stehen.

    Experten des paraguayischen Stromsektors warnen, dass die derzeit verfügbare Erzeugungskapazität bei weiter wachsendem Verbrauch nur noch bis etwa 2028 bis 2030 ausreichend sein könnte.

    Das bedeutet nicht, dass Paraguay unmittelbar vor Stromausfällen steht. Es bedeutet aber, dass neue Kraftwerke, zusätzliche Verbindungen zu den Nachbarländern und eine Reform des Strommarktes deutlich schneller benötigt werden als bisher angenommen.

    Stromverbrauch steigt stark

    Der Grund ist vor allem die wachsende Nachfrage.

    In den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 stieg der paraguayische Stromverbrauch gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 18 Prozent. Allein im Juli lag der Verbrauch rund 17,5 Prozent über dem Wert des Vorjahres.

    Industrie, Unternehmen, Klimaanlagen, neue Wohngebiete und die zunehmende Elektrifizierung sorgen dafür, dass immer mehr von jener Energie im eigenen Land benötigt wird, die Paraguay jahrzehntelang im Überfluss zur Verfügung hatte.

    Bei der höchsten bisher gemessenen Nachfrage im Januar 2026 benötigte das nationale Stromsystem bereits rund 5.752 Megawatt.

    Das entsprach etwa 75 Prozent der verfügbaren Leistung.

    Yacyretá bereits am Limit

    Besonders interessant ist die Situation von Yacyretá.

    Beim Spitzenverbrauch im Januar lieferte Itaipú rund 74 Prozent der benötigten Leistung. Yacyretá steuerte etwa 24 Prozent bei, das Wasserkraftwerk Acaray rund zwei Prozent.

    Yacyretá erreichte dabei bereits die Leistung, die Paraguay derzeit aus dem Kraftwerk zur Verfügung steht.

    Für Itapúa ist diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. Das Wasserkraftwerk Yacyretá liegt unmittelbar vor den Toren Encarnacións und hat die wirtschaftliche und infrastrukturelle Entwicklung der Region über Jahrzehnte geprägt.

    Doch auch Yacyretá kann nicht beliebig mehr Strom liefern.

    Neue Wasserkraftwerke kommen zu spät

    Paraguay besitzt theoretisch weitere Möglichkeiten für große Wasserkraftprojekte.

    Diskutiert werden unter anderem eine Erweiterung von Yacyretá sowie die Projekte Itacorá-Itatí und Corpus Christi am Paraná.

    Das Problem ist die Zeit.

    Nach Berechnungen von Energieexperten könnte eine größere Erweiterung von Yacyretá zehn bis 14 Jahre benötigen. Die Kosten werden auf rund 3,7 Milliarden US-Dollar geschätzt.

    Auch andere große Wasserkraftprojekte würden mehr als ein Jahrzehnt benötigen.

    Wenn der kritische Zeitraum tatsächlich bereits zwischen 2028 und 2030 beginnt, kommen diese Kraftwerke als alleinige Lösung zu spät.

    Strom aus Brasilien und Argentinien?

    Eine kurzfristigere Möglichkeit klingt zunächst paradox: Paraguay könnte künftig Strom von seinen Nachbarn kaufen.

    Jahrzehntelang war die Situation genau umgekehrt. Paraguay produzierte mit seinen binationalen Wasserkraftwerken wesentlich mehr Energie, als es selbst verbrauchte, und gab große Mengen an Brasilien und Argentinien ab.

    Technische Änderungen könnten künftig einen Stromfluss in die andere Richtung ermöglichen.

    Über Brasilien wäre nach Einschätzung von Fachleuten eine Verbindung mit einer Kapazität von mehreren tausend Megawatt möglich. Auch über Yacyretá könnte eine stärkere Verbindung mit dem argentinischen Stromnetz geschaffen werden.

    Dafür wären allerdings neue technische Anlagen, Leitungen und vor allem politische Vereinbarungen notwendig.

    Solarenergie wird wichtiger

    Eine weitere Möglichkeit liegt praktisch auf der Hand.

    Paraguay verfügt über sehr gute Bedingungen für Solarenergie. Photovoltaikanlagen können zudem wesentlich schneller errichtet werden als neue Wasserkraftwerke.

    Im Chaco speist bereits eine Photovoltaikanlage Strom in das nationale Netz ein.

    Solarenergie allein kann große Wasserkraftwerke jedoch nicht ersetzen. Ohne große Speicher steht sie nachts und bei ungünstigen Wetterbedingungen nicht im gleichen Umfang zur Verfügung.

    Experten schlagen deshalb einen Mix aus Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse, Energiespeichern und stärkeren internationalen Stromverbindungen vor.

    Langfristig wird in Paraguay inzwischen sogar über Kernenergie diskutiert.

    Das Ende einer außergewöhnlichen Situation

    Paraguays eigentliches Problem ist nicht, dass das Land keine Energiequellen besitzt.

    Das Problem ist das Tempo.

    Neue große Kraftwerke benötigen zehn Jahre oder länger. Gleichzeitig wächst der Stromverbrauch jedes Jahr weiter.

    Damit könnte eine historische Besonderheit Paraguays langsam zu Ende gehen: Über Jahrzehnte musste sich das Land kaum Gedanken darüber machen, woher zusätzlicher Strom kommen sollte.

    Itaipú und Yacyretá produzierten mehr als genug.

    Nun wächst Paraguay wirtschaftlich und verbraucht einen immer größeren Teil seiner eigenen Energie selbst.

    Das ist zunächst ein Zeichen wirtschaftlicher Entwicklung. Es zwingt das Land aber auch zu Entscheidungen, die jahrelang aufgeschoben werden konnten.

    Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Paraguay genügend Energie besitzt.

    Sondern ob neue Erzeugungskapazitäten rechtzeitig zur Verfügung stehen, bevor das bisherige Überangebot aufgebraucht ist.

    Quellen

    ABC Color, 27. und 29. August 2026: Analysen zur verfügbaren Erzeugungsleistung und zur notwendigen Reform des paraguayischen Stromsektors.

    Última Hora, 28. August 2026: Bericht über das Fachforum „Energía eléctrica para asegurar la continuidad del desarrollo en Paraguay“.

    Administración Nacional de Electricidad (ANDE): Daten zur Entwicklung des nationalen Stromverbrauchs 2026.