Paraguays Wirtschaft wächst – doch kommt der Aufschwung bei allen an?

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ASUNCIÓN. Paraguay erhält erneut gute Noten für seine wirtschaftliche Entwicklung. Der für den südlichen Teil Südamerikas zuständige Manager der Interamerikanischen Entwicklungsbank BID, Morgan Doyle, bezeichnete das Land nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Oscar Lovera als Beispiel für Wachstum und wirtschaftliche Stabilität.

Die Einschätzung passt zu den wichtigsten Wirtschaftsdaten des Landes.

Für 2026 erwarten die vom paraguayischen Zentralbank BCP befragten Wirtschaftsexperten ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,3 Prozent. Auch für 2027 wird mit einem Plus von rund vier Prozent gerechnet.

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Für viele Länder der Region wären solche Zahlen bemerkenswert.

Doch Wirtschaftswachstum allein beantwortet noch nicht die entscheidende Frage: Wie viel davon kommt bei der Bevölkerung an?

BID sieht stabile wirtschaftliche Grundlagen

Morgan Doyle traf sich vergangene Woche mit Wirtschaftsminister Oscar Lovera in Asunción.

Dabei ging es nach Angaben des Wirtschaftsministeriums sowohl um die wirtschaftliche Entwicklung Paraguays als auch um die weitere Zusammenarbeit zwischen dem Land und der Interamerikanischen Entwicklungsbank.

Doyle hob insbesondere das anhaltende Wachstum und die makroökonomische Stabilität hervor.

Paraguay hat sich damit in den vergangenen Jahren ein wirtschaftliches Profil aufgebaut, das sich deutlich von früheren Jahrzehnten unterscheidet.

Landwirtschaft und Energie bleiben zentrale Säulen. Gleichzeitig gewinnen Dienstleistungen, Industrie, Logistik und internationale Investitionen an Bedeutung.

Die geografische Lage zwischen Brasilien und Argentinien sowie große Infrastrukturprojekte wie der Biozeanische Korridor könnten diese Entwicklung zusätzlich verstärken.

4,3 Prozent Wachstum erwartet

Auch die Erwartungen innerhalb Paraguays bleiben positiv.

In ihrer August-Umfrage befragte die Zentralbank Unternehmen und Wirtschaftsexperten nach ihrer Einschätzung der weiteren Entwicklung.

Das Ergebnis: Für 2026 wird im Median mit einem Wirtschaftswachstum von 4,3 Prozent gerechnet.

Für 2027 liegen die Erwartungen bei vier Prozent.

Damit würde Paraguay auch im kommenden Jahr vergleichsweise kräftig wachsen.

Gleichzeitig leben fast eine Million Menschen in Armut

Die andere Seite der wirtschaftlichen Entwicklung zeigen die jüngsten Zahlen des Instituto Nacional de Estadística.

2025 lebten rund 985.000 Menschen in Paraguay unterhalb der monetären Armutsgrenze.

Das entspricht 16 Prozent der Bevölkerung.

Besonders groß bleibt der Unterschied zwischen Stadt und Land.

In städtischen Gebieten lag die Armutsquote bei 13,6 Prozent.

Auf dem Land waren es dagegen 22,1 Prozent.

Etwa jeder fünfte Bewohner des ländlichen Paraguay lebt damit trotz der insgesamt guten Wirtschaftsentwicklung weiterhin unterhalb der statistischen Armutsgrenze.

Aber auch hier gibt es Fortschritte

Die Zahlen sollten allerdings nicht so gelesen werden, als würde das Wirtschaftswachstum überhaupt nicht bei der Bevölkerung ankommen.

Im Gegenteil.

Die Armutsquote ist zuletzt deutlich gesunken.

2024 hatte sie landesweit noch bei 19,6 Prozent gelegen. Ein Jahr später waren es 16 Prozent.

Auch die extreme Armut ging zurück: von 3,7 auf 2,4 Prozent.

In absoluten Zahlen bedeutet das dennoch, dass rund 147.000 Menschen nicht genügend Einkommen hatten, um selbst die statistisch definierte Grundversorgung mit Lebensmitteln zu finanzieren.

Die Entwicklung zeigt deshalb zwei Dinge gleichzeitig:

Paraguays wirtschaftliche und soziale Kennzahlen verbessern sich.

Aber ein erheblicher Teil der Bevölkerung lebt weiterhin mit sehr geringen Einkommen.

Auf dem Land entscheidet sich viel

Gerade für Regionen wie Itapúa ist diese Entwicklung interessant.

Ein großer Teil der wirtschaftlichen Stärke Paraguays entsteht außerhalb der Hauptstadt: durch Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Energie, Tourismus und zunehmend Logistik.

Gleichzeitig ist Armut in ländlichen Regionen weiterhin deutlich stärker verbreitet als in den Städten.

Damit wird eine der zentralen Fragen der kommenden Jahre sein, ob Investitionen in Straßen, Energieversorgung, Bildung und regionale Wirtschaft tatsächlich dazu führen, dass zusätzliche Wertschöpfung auch außerhalb der großen wirtschaftlichen Zentren ankommt.

Der Ausbau der Infrastruktur allein garantiert das nicht.

Er schafft zunächst nur die Voraussetzungen dafür.

Ein Land mit ungewöhnlich guten Voraussetzungen

Paraguay verfügt über mehrere Vorteile, die international zunehmend Aufmerksamkeit erzeugen.

Das Land produziert große Mengen erneuerbarer Elektrizität aus Wasserkraft, verfügt über eine bedeutende Agrarwirtschaft und liegt zwischen zwei der größten Volkswirtschaften Südamerikas.

Mit neuen Straßenverbindungen Richtung Chile und Brasilien verändert sich außerdem seine traditionelle Lage als Binnenstaat.

Aus einem geografischen Nachteil könnte zumindest teilweise ein logistischer Vorteil werden.

Gleichzeitig muss Paraguay seine Infrastruktur, Stromnetze, Bildung und öffentlichen Institutionen schnell genug entwickeln, um mit dem wirtschaftlichen Wachstum Schritt zu halten.

Die entscheidende Zahl ist nicht nur das BIP

Dass die Interamerikanische Entwicklungsbank Paraguays wirtschaftliche Entwicklung positiv beurteilt, ist deshalb eine gute Nachricht.

Aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte.

Ein Wachstum von mehr als vier Prozent ist beeindruckend.

Noch wichtiger wird langfristig sein, was dieses Wachstum verändert.

Ob neue Unternehmen entstehen.

Ob produktivere Arbeitsplätze geschaffen werden.

Ob Einkommen steigen.

Ob ländliche Regionen profitieren.

Und ob jene fast eine Million Menschen, die heute noch unterhalb der Armutsgrenze leben, tatsächlich am wirtschaftlichen Aufstieg des Landes teilnehmen.

Erst dann wird aus Wirtschaftswachstum gesellschaftlicher Wohlstand.

Quellen

Ministerio de Economía y Finanzas (MEF), 31. August 2026: „BID resalta el crecimiento sostenido y la solidez de los fundamentos macroeconómicos de Paraguay“.

Banco Central del Paraguay (BCP): Encuesta de Expectativas de Variables Económicas, August 2026.

Instituto Nacional de Estadística (INE): Principales Resultados de Pobreza Monetaria y Distribución de Ingresos 2025, veröffentlicht März 2026.

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