SAN BERNARDINO. Seit Generationen steht der Name San Bernardino in Paraguay für Sommer, Wochenenden am See, Restaurants, Nachtleben und Ferienhäuser.
Gerade erst hat die Stadt ihren 145. Geburtstag gefeiert. Jetzt beginnen bereits die Vorbereitungen für die nächste Sommersaison.
Die Secretaría Nacional de Turismo (SENATUR), der Hotelverband ASOTEL und die Initiative Pro Sanber wollen gemeinsam Infrastruktur, Sicherheit und touristische Dienstleistungen verbessern.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenDas Ziel geht jedoch über eine erfolgreiche Hochsaison hinaus: San Bernardino soll sich langfristig als professioneller und konkurrenzfähiger Tourismusstandort etablieren.
145 Jahre zwischen Paraguay und Europa
San Bernardino wurde am 24. August 1881 gegründet.
Die Geschichte der Stadt ist eng mit deutschen und schweizerischen Einwanderern verbunden, die nach dem verheerenden Tripel-Allianz-Krieg nach Paraguay kamen.
Bis heute ist dieses Erbe sichtbar.
Beim Festumzug zum 145. Geburtstag präsentierten Schüler neben paraguayischen Trachten auch Kleidung, die an die deutschen und schweizerischen Wurzeln der Stadt erinnerte.
Rund 37 Bildungseinrichtungen beteiligten sich an den Feierlichkeiten.
Aus der ehemaligen Einwandererkolonie wurde im Laufe der Jahrzehnte etwas völlig anderes: Paraguays bekanntester Sommerferienort.
Jetzt beginnt die Vorbereitung auf die Saison
Ende August trafen sich Vertreter von SENATUR, ASOTEL und Pro Sanber, um die kommende Hochsaison vorzubereiten.
Im Mittelpunkt stehen vier Bereiche: Infrastruktur, Sicherheit, Qualität der touristischen Dienstleistungen und Vermarktung.
Dabei sollen öffentliche Institutionen und private Unternehmen enger zusammenarbeiten.
Die Vorbereitungen beginnen bewusst Monate vor dem eigentlichen Sommer.
Denn während der Hochsaison verändert sich San Bernardino innerhalb weniger Wochen erheblich.
Ferienhäuser werden wieder bewohnt, Hotels und Restaurants füllen sich, Veranstaltungen ziehen Besucher an und vor allem an den Wochenenden steigt die Zahl der Menschen in der Stadt stark an.
Mehr als Nachtleben
San Bernardino hat dabei ein interessantes Problem.
Fast jeder Paraguayer kennt den Ort.
Doch das Bild der Stadt ist stark vom Sommer geprägt.
Wer San Bernardino sagt, denkt häufig an Dezember und Januar, an Wochenenden, Partys und den Lago Ypacaraí.
Touristisch liegt darin gleichzeitig Stärke und Schwäche.
Eine vorhandene Marke muss nicht erst aufgebaut werden. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, aus einem saisonalen Ferienort ein Reiseziel zu machen, das auch außerhalb weniger Sommerwochen funktioniert.
Dafür besitzt San Bernardino durchaus Voraussetzungen.
Neben Gastronomie und Nachtleben gibt es Natur, historische Gebäude, Wassersport, Veranstaltungen und die Nähe zu Asunción.
Die Hauptstadt liegt nur rund 50 Kilometer entfernt.
Damit eignet sich San Bernardino auch als Tages- und Wochenendziel.
Der See bleibt die entscheidende Frage
Über allen touristischen Plänen steht allerdings ein Thema, das San Bernardino seit Jahren begleitet: der Lago Ypacaraí.
Der See ist das Wahrzeichen der Stadt.
Gleichzeitig leidet er seit Jahren unter einer hohen Nährstoffbelastung und wiederkehrenden Problemen mit Cyanobakterien.
Wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre zeigen erhebliche Schwankungen bei deren Konzentration an den Stränden von San Bernardino, Ypacaraí und Areguá.
Die Wasserqualität ist deshalb nicht nur ein Umweltproblem.
Sie ist auch eine wirtschaftliche Frage.
Eine Stadt, deren touristische Identität unmittelbar mit einem See verbunden ist, kann dessen Zustand langfristig nicht von ihrer Tourismusstrategie trennen.
Neue Hotels, Restaurants und Veranstaltungen können Besucher anziehen.
Den Lago Ypacaraí können sie nicht ersetzen.
Vom Ferienort zum ganzjährigen Reiseziel?
Die kommende Saison wird deshalb mehr sein als die nächste Runde eines bekannten sommerlichen Rituals.
San Bernardino befindet sich in einem Wandel.
Die Stadt wächst. Neue gastronomische Angebote und Immobilienprojekte entstehen. Gleichzeitig bleibt ihr historisches Zentrum erhalten und die Verbindung zur europäischen Einwanderungsgeschichte ist weiterhin Teil ihrer Identität.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob San Bernardino im kommenden Sommer wieder voll sein wird.
Davon kann man mit einiger Wahrscheinlichkeit ausgehen.
Interessanter ist, ob es gelingt, aus der traditionellen „Villa Veraniega“ Schritt für Schritt ein Reiseziel für das ganze Jahr zu entwickeln.
Ein besonderer Ort in Paraguay
Vielleicht liegt gerade darin die Stärke San Bernardinos.
Der Ort ist weder ausschließlich historisch noch ausschließlich modern.
Er ist paraguayisch und trägt gleichzeitig sichtbare Spuren europäischer Einwanderung.
Er ist Kleinstadt und während des Sommers zeitweise touristisches Zentrum.
Und er besitzt mit dem Lago Ypacaraí ein Wahrzeichen, das zugleich seine größte Attraktion und eine seiner größten Herausforderungen darstellt.
145 Jahre nach seiner Gründung beginnt deshalb nicht nur die Vorbereitung auf einen weiteren Sommer.
San Bernardino muss entscheiden, was für ein Tourismusort es in Zukunft sein möchte.
Quellen
Secretaría Nacional de Turismo (SENATUR), August 2026: Vorbereitung der Sommersaison in San Bernardino gemeinsam mit ASOTEL und Pro Sanber.
Revista FOCO, 29. August 2026: „San Bernardino se prepara para recibir la temporada de verano“.
Circunscripción Judicial de Cordillera, 24. August 2026: Feierlichkeiten zum 145. Gründungsjubiläum San Bernardinos.
ABC Color, 24. August 2026: „San Bernardino: fiesta por los 145 años de la Villa veraniega“.
Universidad Nacional de Asunción / FACEN: Untersuchung zur Konzentration von Cyanobakterien an den Stränden des Lago Ypacaraí 2022–2024.

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