ENCARNACIÓN / POSADAS. Am 20. September 1926 veränderte eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Encarnacións die Stadt innerhalb weniger Minuten. Ein verheerender Zyklon zerstörte große Teile der damaligen Unterstadt, forderte Hunderte Todesopfer und prägte die Erinnerung der Region bis heute.
Zum hundertsten Jahrestag bereiten Encarnación und die argentinische Nachbarstadt Posadas nun ein gemeinsames Gedenkprogramm vor. Unter dem Leitmotiv „100 Jahre Resilienz, Solidarität und Hoffnung“ sollen am 20. und 21. September Ausstellungen, Vorträge, Filmvorführungen, künstlerische Beiträge und weitere Veranstaltungen stattfinden.
Eine Stadt wird innerhalb weniger Minuten verwüstet
Der Zyklon traf Encarnación am Abend des 20. September 1926.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenZeitgenössische Berichte beschreiben, wie sich der Himmel gegen 18:30 Uhr plötzlich verdunkelte. Heftiger Regen setzte ein, dazu kamen extreme Windgeschwindigkeiten, Blitze und ein ohrenbetäubender Lärm.
Innerhalb kurzer Zeit wurden Dächer abgerissen, Häuser zerstört und Bäume entwurzelt.
Besonders schwer betroffen war die damalige Unterstadt von Encarnación. Auch der wichtige Hafenbereich wurde verwüstet. Der erst wenige Jahre zuvor errichtete Kai wurde durch den Sturm weitgehend zerstört.
Bei der Zahl der Todesopfer unterscheiden sich historische Quellen. Die Stadt Encarnación nennt mehr als 300 Tote. Andere zeitgenössische und spätere Darstellungen sprechen von mehr als 400 Opfern.
Unstrittig ist, dass der Zyklon zu den schwersten Katastrophen in der Geschichte Paraguays und der gesamten Region gehörte.
Hilfe kam über den Paraná
Ein zentraler Teil der Erinnerung betrifft die Hilfe aus Posadas.
Nach der Katastrophe überquerten der Priester José Kreuser und Jorge Memmel gemeinsam mit dem Ruderer Fulgencio Amarilla den Paraná, um in der argentinischen Nachbarstadt Unterstützung zu organisieren.
Posadas reagierte schnell.
Ärzte, Medikamente, Kleidung, Lebensmittel und weitere Hilfsgüter wurden nach Encarnación gebracht. Die Katastrophe wurde damit auch zu einem historischen Moment der Zusammenarbeit zwischen beiden Städten.
Genau diese Verbindung soll beim hundertsten Jahrestag besonders hervorgehoben werden.
Gemeinsames Programm auf beiden Seiten des Paraná
Die Municipalidad de Encarnación und die Secretaría de Estado de Cultura der Provinz Misiones koordinieren derzeit ein umfangreiches Programm.
Geplant sind unter anderem historische Vorträge, Ausstellungen mit Fotografien und Dokumenten, Filmprogramme sowie künstlerische Veranstaltungen.
Auch Schulen, Universitäten, kulturelle Einrichtungen und gesellschaftliche Organisationen beider Städte sollen beteiligt werden.
Die zentralen Veranstaltungen sind für den 20. und 21. September vorgesehen.
Neues Buch erinnert an die Katastrophe
Bereits im August wurde in Encarnación das Buch „Encarnación: a 100 años del Ciclón“ vorgestellt.
Die Publikation entstand gemeinsam mit der Sociedad de Escritores del Paraguay, Filial Itapúa, und der Kommission zum hundertsten Jahrestag der Katastrophe.
Neun Autorinnen und Autoren haben historische Forschungen, Dokumente, Erinnerungen und literarische Beiträge zusammengetragen.
Dabei geht es nicht nur um die Zerstörung selbst. Ein Schwerpunkt liegt auf den Geschichten von Solidarität und gegenseitiger Hilfe, die unmittelbar nach dem Zyklon entstanden.
Erinnerung soll auch der Prävention dienen
Die Universidad Autónoma de Encarnación hat das Jahr 2026 zum „Jahr der Resilienz und der Katastrophenvorsorge“ erklärt.
Damit bekommt das Jubiläum auch eine aktuelle Dimension.
Denn die Geschichte von 1926 ist nicht nur Erinnerung an eine vergangene Katastrophe. Sie wirft auch die Frage auf, wie Städte heute mit extremen Wetterereignissen umgehen.
Gerade die jüngsten schweren Unwetter in Itapúa zeigen, dass diese Frage keineswegs nur historisch ist.
Eine gemeinsame Geschichte zweier Städte
Encarnación und Posadas sind heute durch Handel, Familien, Arbeit, Tourismus und tägliche Grenzbewegungen eng miteinander verbunden.
Der Zyklon von 1926 zeigt, dass diese Verbindung wesentlich älter ist.
Vor hundert Jahren wurde der Paraná für einige Stunden nicht zur Grenze zwischen zwei Ländern, sondern zur Verbindung zwischen einer zerstörten Stadt und ihren Helfern.
Genau daran wollen Encarnación und Posadas im September gemeinsam erinnern.

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