Category: Chaco

  • Sojaanbau im Chaco wächst um 50 Prozent

    Sojaanbau im Chaco wächst um 50 Prozent

    CHACO. Der Sojaanbau im paraguayischen Chaco hat sich in der Saison 2026 deutlich erholt. Insgesamt wurden 163.844 Hektar mit Soja bestellt. Im Vorjahr waren es lediglich 109.069 Hektar.

    Das entspricht einem Anstieg um 54.775 Hektar oder rund 50 Prozent innerhalb eines Jahres.

    Die Zahlen zeigen, dass der Ackerbau im traditionell von Viehzucht geprägten Chaco eine zunehmende wirtschaftliche Rolle spielt. Allerdings ist der starke prozentuale Anstieg auch Folge eines außergewöhnlich schwachen Vorjahres.

    Boquerón bleibt Zentrum des Sojaanbaus

    Der mit Abstand größte Teil der Sojaflächen liegt im Departamento Boquerón.

    Dort stieg die bewirtschaftete Fläche von 78.238 Hektar im Jahr 2025 auf 111.681 Hektar in diesem Jahr.

    Besonders rund um Filadelfia und Mariscal Estigarribia hat sich in den vergangenen Jahren neben der Viehwirtschaft zunehmend moderner Ackerbau entwickelt.

    Noch stärker war der relative Zuwachs in Alto Paraguay. Dort wuchs die Sojafläche von 16.358 auf 37.375 Hektar und hat sich damit innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt.

    In Presidente Hayes blieb die Entwicklung dagegen nahezu unverändert. Die Fläche stieg lediglich von 14.473 auf 14.786 Hektar.

    50 Prozent Wachstum brauchen Einordnung

    Ein Vergleich nur mit dem Jahr 2025 vermittelt allerdings ein unvollständiges Bild.

    Bereits 2024 wurden im Chaco rund 154.660 Hektar Soja angebaut. Die Fläche brach anschließend auf 109.069 Hektar ein.

    Als Grund nennt das Instituto de Biotecnología Agrícola vor allem die schwierigen klimatischen Bedingungen und die vorhergehende Dürre.

    Die diesjährigen 163.844 Hektar bedeuten deshalb vor allem eine Rückkehr auf das Niveau vor dem Einbruch von 2025.

    Gegenüber 2024 beträgt das Wachstum nicht 50 Prozent, sondern knapp sechs Prozent.

    Auch Fachleute des INBIO warnen deshalb davor, die aktuelle Entwicklung automatisch als grundlegenden Strategiewechsel der Landwirte zu interpretieren.

    Das Klima entscheidet im Chaco wesentlich stärker als in vielen anderen Anbaugebieten darüber, wie große Flächen tatsächlich bestellt werden können.

    Landwirtschaft verändert den Chaco

    Trotz dieser Einschränkung ist die Entwicklung langfristig bemerkenswert.

    Der paraguayische Chaco war wirtschaftlich über Jahrzehnte vor allem durch Rinderhaltung geprägt. Moderne Bewässerung, neue Anbaumethoden, bessere Straßen und technische Entwicklungen ermöglichen inzwischen auch eine stärkere landwirtschaftliche Nutzung.

    Der Ausbau des Biozeanischen Korridors könnte diesen Wandel weiter beschleunigen. Neue Straßen reduzieren Transportzeiten und erleichtern den Zugang zu Märkten und Häfen.

    Damit verändert sich auch die wirtschaftliche Bedeutung der Región Occidental.

    Soja, Mais und andere Kulturen treten zunehmend neben die traditionelle Viehwirtschaft.

    Mehr Produktion bedeutet auch mehr Verantwortung

    Der wirtschaftliche Wandel wirft gleichzeitig Fragen zur zukünftigen Nutzung des Chaco auf.

    Die Region gehört zu den ökologisch sensiblen Gebieten Südamerikas und ist Lebensraum zahlreicher indigener Gemeinschaften.

    Eine wachsende landwirtschaftliche Produktion muss deshalb mit Fragen des Wasserverbrauchs, der Bodennutzung, des Schutzes natürlicher Vegetation und der Rechte der dort lebenden Gemeinschaften verbunden werden.

    Aus den aktuellen Zahlen allein lässt sich allerdings nicht ableiten, dass der zusätzliche Sojaanbau unmittelbar durch neue Entwaldung entstanden ist.

    Das paraguayische Umweltministerium arbeitet derzeit gemeinsam mit Landwirtschaft, Unternehmen und indigenen Organisationen an einer Plattform für eine nachhaltigere Entwicklung der Region.

    Mehr als fünf Millionen Hektar Soja in Paraguay

    Landesweit bleibt Soja eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte Paraguays.

    Rechnet man die Haupt- und Nebensaison der Región Oriental mit der Ernte im Chaco zusammen, kommt Paraguay 2026 auf eine Sojafläche von insgesamt rund 5,03 Millionen Hektar.

    Der Chaco stellt davon bislang nur einen vergleichsweise kleinen Anteil.

    Aber seine Bedeutung wächst.

    Ob daraus dauerhaft eine zweite große Ackerbauregion Paraguays entsteht, hängt weniger von einem einzelnen Rekordjahr ab als von Klima, Infrastruktur, Weltmarktpreisen und davon, wie nachhaltig die landwirtschaftliche Expansion organisiert wird.

    Quellen

    Instituto de Biotecnología Agrícola (INBIO), Bericht „Soja recupera superficie en la Región Occidental“, 20. August 2026.

    ABC Color, 24. und 30. August 2026: Analysen zur Entwicklung der Sojaflächen im paraguayischen Chaco.

    Ministerio del Ambiente y Desarrollo Sostenible (MADES), Juni 2026: Plattform für nachhaltige Entwicklung des Chaco.

  • Biozeanischer Korridor schafft neue Chancen für indigene Gemeinden

    Biozeanischer Korridor schafft neue Chancen für indigene Gemeinden

    CHACO. Der Bau des Biozeanischen Korridors verändert nicht nur die Landkarte des paraguayischen Chaco. Er schafft auch neue Arbeitsplätze und bringt Infrastruktur in einige der abgelegensten indigene Gemeinden des Landes. Während die neue Fernstraße Brasilien, Paraguay, Argentinien und Chile verbinden soll, profitieren viele Dörfer erstmals direkt von öffentlichen Investitionen.

    Mehr als eine Straße

    Der derzeit laufende dritte Bauabschnitt verbindet Mariscal Estigarribia mit Pozo Hondo an der Grenze zu Argentinien. Allein das erste Baulos umfasst 53,8 Kilometer und ein Investitionsvolumen von rund 485,5 Milliarden Guaraní.

    Doch das Projekt beschränkt sich nicht auf Asphalt und Brücken. Im Rahmen eines speziellen Entwicklungsplans für indigene Völker entstehen gleichzeitig soziale Einrichtungen und lokale Beschäftigungsmöglichkeiten.

    Arbeitsplätze direkt in den Gemeinden

    In der Guaraní-Gemeinde Diez Kue arbeiten Bewohner selbst am Bau eines neuen Gemeindezentrums mit. In Santa Elena entsteht ein Gebäude mit Klassenräumen und Speisesaal, das künftig für Bildung und Gemeinschaftsveranstaltungen genutzt werden soll.

    Nach Angaben des paraguayischen Ministeriums für öffentliche Arbeiten erhalten die Gemeinden dabei nicht nur neue Infrastruktur, sondern auch Einkommen durch Beschäftigung auf den Baustellen und bei begleitenden Projekten.

    „Der Korridor soll Entwicklung nicht nur durch Verkehr, sondern auch durch soziale Integration bringen“, fasst das Ministerium den Ansatz zusammen.

    Ein Projekt mit nationaler Bedeutung

    Der Corredor Bioceánico gilt als eines der wichtigsten Infrastrukturvorhaben Paraguays. Nach seiner Fertigstellung soll er den Atlantik mit den Pazifikhäfen Chiles verbinden und den Warentransport zwischen Brasilien und Asien deutlich verkürzen.

    Für den Chaco bedeutet das jedoch mehr als internationalen Handel. Viele Gemeinden erhalten erstmals dauerhaft bessere Straßen, öffentliche Gebäude und wirtschaftliche Perspektiven in einer Region, die lange als infrastrukturell benachteiligt galt.

    Warum das auch für Itapúa interessant ist

    Während Itapúa derzeit durch den Rally-Weltmeisterschaft von umfangreichen Straßeninvestitionen profitiert, zeigt der Chaco eine andere Seite paraguayischer Infrastrukturpolitik: Hier steht nicht der Tourismus im Mittelpunkt, sondern die langfristige Anbindung abgelegener Gemeinden. Beide Projekte verdeutlichen, wie Großinvestitionen regionale Entwicklung weit über ihre ursprüngliche Funktion hinaus beeinflussen können.

    Quelle: Ministerio de Obras Públicas y Comunicaciones (MOPC), Paraguay.