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15. Oktober 2026 · Encarnación

Yd sperrt drei Anwälte aus, Remesowski bricht die Amtsübergabe in Encarnación ab

Luftaufnahme einer Stadt mit dichter Bebauung und Grünflächen
Stadt aus der Luft. Symbolbild. Foto Alan Martinez / Unsplash

Encarnación, 15. Oktober 2026. Knapp drei Wochen vor dem Amtswechsel im Rathaus von Encarnación ist die geordnete Übergabe vorerst gescheitert. Der gewählte Bürgermeister Sebastián „Cheba“ Remesowski (ANR) hat am Mittwoch schriftlich erklärt, er ziehe sich aus dem Übergabeprozess zurück. Auslöser ist eine Resolution des scheidenden Bürgermeisters Luis Yd, die drei Anwälten aus Remesowskis Team den Zugang verwehrt und die Einsicht in laufende Akten beschränkt. Darüber berichten ABC Color und La Nación übereinstimmend.

Was die Resolution regelt

Remesowski hatte sein Übergabeteam am Freitag, 9. Oktober, im Rathaus vorgestellt. Nach La Nación gehören Prüfer, Buchhalter, Fachleute für das kommunale Beschaffungswesen, Mechaniker und Informatiker dazu, ABC zählt 14 Mitglieder. Yd antwortete am 13. Oktober mit der Resolution Nr. 9140/2026. Sie gewährt elf der 14 Personen ab Freitag, 16. Oktober, Zugang zu den Dienststellen. Nach dem Lokalsender TVS gilt das von 14 bis 17.30 Uhr und nur auf schriftlichen Antrag beim jeweiligen Abteilungsleiter. Ausgeschlossen bleiben die Anwälte Salim Abud, Miguel Leiva und Rogelio Ríos. Abud war als Koordinator des Teams vorgesehen.

Yd begründet den Ausschluss mit einem Interessenkonflikt. Die drei vertreten nach Darstellung der Stadtverwaltung Parteien in noch offenen Verfahren gegen die Gemeinde. Ihnen Einblick zu gewähren, verstoße gegen das Gesetz 7089/2023 über Interessenkonflikte im öffentlichen Dienst in der Fassung des Gesetzes 7236/2024. TVS nennt zusätzlich das Gesetz 7445/2025. Laut ABC hält die Resolution fest, man habe Abud gebeten, die Liste zu ändern oder die betreffenden Mandate niederzulegen. Die Antwort habe gelautet „no va a haber modificación alguna“, also keinerlei Änderung. Abud selbst hatte dem Portal Itapúa Noticias am 12. Oktober gesagt, er vertrete das Telekommunikationsunternehmen, um dessen Streit mit der Gemeinde es gehe, nicht mehr. In diesem Verfahren liegen rund 6.000 Millionen Guaraní auf einem Gerichtskonto. Die beiden Darstellungen lassen sich nicht in Einklang bringen. Eine persönliche Stellungnahme Yds über den Text der Resolution hinaus enthält keiner der gelesenen Berichte.

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Remesowski kündigt umfassende Prüfung an

Remesowski stört sich nach ABC und La Nación vor allem an Artikel 4 der Resolution. Er erlaubt nur die Einsicht in abgeschlossene Vorgänge, nicht aber in laufende Akten, also gerade in jene, die die neue Verwaltung übernehmen muss. Transparenz entstehe nicht durch einen „acceso parcial a la documentación“, schreibt Remesowski. Er verlangt, sämtliche Archive, Buchhaltungsunterlagen und Akten unverändert zu erhalten, kündigt nach seinem Amtsantritt eine umfassende Prüfung der Verwaltung an und behält sich rechtliche Schritte vor. Eine konkrete Anzeige, etwa bei der Staatsanwaltschaft oder beim Rechnungshof, nennt keiner der Berichte. Nach La Nación endet die Amtszeit Yds am 3. November, an diesem Tag übernimmt Remesowski offiziell.

Vom harmonischen Auftakt zum Bruch

Yd regiert Encarnación seit 2015. Bei der Kommunalwahl am 4. Oktober gewann Remesowski die Stadt für die Colorado-Partei zurück, das Wahlgericht proklamierte ihn am 5. Oktober, parapunto berichtete. Noch am 10. Oktober sprach Remesowski gegenüber La Nación von einem harmonischen Verhältnis zur scheidenden Verwaltung, obwohl Yd beim Termin im Rathaus gefehlt hatte. Sein Team sollte unter anderem den Verwaltungsabschluss vorbereiten und den Jahresbericht an die Unidad de Transparencia y Anticorrupción begleiten. Der Sender TVS kommentierte die Beschränkungen schon am 13. Oktober kritisch und verlangte, die Übergabe dürfe nicht „parcial ni selectiva“ sein. Ab Freitag stehen die Türen der Dienststellen für elf Teammitglieder offen. Ob Remesowski diese Möglichkeit trotz seines Rückzugs nutzen lässt, geht aus den Berichten nicht hervor.

Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum

Encarnación ist für viele deutschsprachige Zuwanderer in Itapúa Behördensitz, Einkaufsstadt und Investitionsstandort. Ein holpriger Übergang trifft sie dort, wo die Gemeinde zuständig ist, also bei Baugenehmigungen, Grundsteuer, Gewerbelizenzen und Anträgen, die noch in Bearbeitung sind. Wer derzeit ein Verfahren bei der Municipalidad offen hat, sollte Eingangsbestätigungen und Aktenzeichen sorgfältig aufbewahren, denn gerade die laufenden Vorgänge sind nun Gegenstand des Streits. Keiner der Berichte verweist auf eine verbindliche Regel, die Umfang und Ablauf einer kommunalen Übergabe festlegt. Beides scheint weitgehend vom Willen der Beteiligten abzuhängen. Ob die angekündigte Prüfung nach dem 3. November zu belastbaren Ergebnissen führt oder vor allem politisch genutzt wird, lässt sich heute nicht beurteilen.

Quellen