Cambyretá, 29. September 2026. Eine alte paraguayische Überlieferung wird in Cambyretá zum Ausgangspunkt für zeitgenössische Kunst. Am 1. Oktober eröffnet in der Galería de Arte El Mirador die fünfte Ausstellung „Karai Octubre“. Künstlerinnen und Künstler gestalten dafür traditionelle Sombreros pirî und interpretieren damit eine der bekanntesten Figuren des paraguayischen Volksglaubens neu.
Die Ausstellung ist vom 1. bis 30. Oktober geöffnet. Der Eintritt ist frei. Veranstalter ist die Asociación Paraguaya del Sur de Educación Creativa y Artística, APSECART, gemeinsam mit dem Centro Cultural Paraguayo Alemán de Encarnación. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von der Municipalidad de Cambyretá.
Ein Strohhut wird zur Leinwand
Ausgangspunkt der Ausstellung ist der Sombrero pirî, ein traditioneller paraguayischer Strohhut.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenDie teilnehmenden Künstler verändern und gestalten ihn mit unterschiedlichen Techniken. Verwendet werden unter anderem Malerei, Collage, Patchwork, Gravur und Assemblage. Auch Naturmaterialien wie Samen, Holz, Maisblätter oder Federn können in die Arbeiten einbezogen werden.
Damit wird ein alltäglicher Gegenstand aus dem ländlichen Paraguay zum Kunstobjekt.
Das Thema ist bewusst gewählt. Der Sombrero pirî gehört auch zur bildlichen Vorstellung des Karai Octubre, jener Gestalt, die nach paraguayischer Überlieferung zu Beginn des Oktobers durch die Häuser zieht.
Wer ist Karai Octubre?
Karai Octubre steht in der Volksüberlieferung für Mangel und Knappheit.
Historisch fällt der Beginn des Oktobers in eine Zeit, in der Vorräte aus der vergangenen Ernte knapp werden konnten, während die neue Ernte noch nicht zur Verfügung stand. Aus dieser Erfahrung entwickelte sich die Vorstellung einer Gestalt, die prüft, ob ein Haushalt auf diese Zeit vorbereitet ist.
Wer ausreichend Vorräte besitzt und Gäste bewirten kann, gilt symbolisch als geschützt. Wer nichts anzubieten hat, dem drohen nach der Überlieferung weitere Monate der Knappheit.
Dahinter steckt weniger eine konkrete historische Person als eine bildhafte Verarbeitung existenzieller Unsicherheit.
Jopara gegen die Knappheit
Eng mit Karai Octubre verbunden ist das traditionelle Gericht Jopara.
Am 1. Oktober wird es in vielen Haushalten Paraguays zubereitet. Je nach Region und Familie unterscheiden sich die Rezepte. Typisch sind Mais und Bohnen, häufig ergänzt durch Gemüse oder Fleisch.
Die Idee dahinter ist einfach: Ein voller Topf steht für Fülle. Gemeinsam essen und teilen soll den Mangel fernhalten.
Die paraguayische Secretaría Nacional de Cultura behandelt Jopara ausdrücklich als Teil der lebendigen gastronomischen Tradition des Landes. Auch öffentliche Jopara-Feste werden regelmäßig als kulturelle Veranstaltungen unterstützt. Secretaria Nacional de Cultura Paraguay
Von der Angst vor Mangel zur Kunst
Gerade dieser Übergang macht die Ausstellung in Cambyretá interessant.
Die Künstler übernehmen nicht einfach eine folkloristische Figur. Sie beschäftigen sich mit einem Thema, das hinter der Legende liegt: Wie gehen Menschen mit Unsicherheit, Mangel und Vorsorge um?
Die Antwort der Tradition lautet nicht nur Sparsamkeit.
Sie lautet auch Gemeinschaft.
Der volle Topf hat seinen Sinn erst dann, wenn daraus gegessen und geteilt wird. Damit verbindet Karai Octubre Vorstellungen von Vorsorge, Gastfreundschaft und sozialem Zusammenhalt.
Die Ausstellung überträgt diese Gedanken auf einen Gegenstand, der selbst eng mit paraguayischer Alltagskultur verbunden ist.
Kunst zwischen Tradition und Gegenwart
APSECART versteht die Ausstellung ausdrücklich als Beitrag zur Bewahrung und Weitergabe paraguayischer Traditionen.
Dabei wird das kulturelle Erbe nicht einfach konserviert. Künstler verändern es, interpretieren es und setzen es in einen neuen Zusammenhang.
Genau darin liegt ein wesentlicher Unterschied zwischen lebendiger Tradition und bloßer Folklore.
Eine Tradition bleibt nicht deshalb erhalten, weil sie unverändert wiederholt wird. Sie bleibt erhalten, wenn Menschen weiterhin einen Bezug zu ihr herstellen.
In Cambyretá geschieht das in diesem Oktober mit Farbe, Stoff, Holz, Samen und einem paraguayischen Strohhut.
Auf einen Blick
Ausstellung: 5. Muestra Artística „Karai Octubre“
Eröffnung: 1. Oktober 2026, 9:00 Uhr
Dauer: 1. bis 30. Oktober 2026
Ort: Galería de Arte El Mirador, Costanera San Francisco, Cambyretá
Eintritt: frei
Quellen
ABC Color, 29. September 2026
„Habilitarán muestra artística ‘Karai Octubre’ en la Galería El Mirador de Cambyretá“
Aktueller Bericht zur Ausstellung
ABC Color, 18. August 2026
„Abren convocatoria para recepcionar obras para muestra artística ‘Karai Octubre’ en Cambyretá“
Hintergrund zur Ausstellung und zum Konzept
Secretaría Nacional de Cultura
Beiträge zu Jopara und paraguayischer gastronomischer Tradition
Jopara als lebendige Kulturtradition
Paraguayische traditionelle Küche