ENCARNACIÓN. Vor hundert Jahren veränderte eine Naturkatastrophe Encarnación innerhalb weniger Minuten. Im Vorfeld des Jahrestages des verheerenden Tornados von 1926 beginnen heute im Centro Municipal de Arte historische Gesprächsrunden über eines der einschneidendsten Ereignisse in der Geschichte der Stadt.
Die Veranstaltungsreihe „Charlas Históricas El Ciclón“ läuft vom 9. bis 11. September. Sie richtet sich insbesondere an Schülerinnen und Schüler und soll die Erinnerung an die Katastrophe an eine jüngere Generation weitergeben.
Der eigentliche Jahrestag ist der 20. September. An diesem Tag jährt sich das Unglück zum hundertsten Mal.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenEine Stadt wird innerhalb weniger Minuten zerstört
Am Abend des 20. September 1926 zog ein extrem heftiger Tornado über Encarnación.
Besonders schwer getroffen wurde die damalige Villa Baja, die Unterstadt nahe dem Paraná. Große Teile des dicht bebauten Stadtgebietes wurden zerstört.
Historische Quellen gehen von etwa 300 Todesopfern aus, manche zeitgenössischen und späteren Berichte nennen noch höhere Zahlen. Hunderte Menschen wurden verletzt und zahlreiche Familien verloren ihre Häuser.
Damit gilt das Ereignis bis heute als eine der schwersten Naturkatastrophen in der Geschichte Paraguays.
Hilfe kam über den Paraná und mit der Eisenbahn
Die Katastrophe ist auch Teil der gemeinsamen Geschichte von Encarnación und dem gegenüberliegenden argentinischen Posadas.
Noch in der Nacht gelangten Helfer über den Paraná nach Posadas, um Unterstützung anzufordern. Von dort wurden medizinische Hilfe, Lebensmittel und weitere Hilfsgüter organisiert.
Auch aus Asunción wurde Unterstützung geschickt. Ein Hilfszug mit Ärzten, Medikamenten und Versorgungsgütern bewältigte die rund 300 Kilometer lange Strecke nach Encarnación in etwa sieben Stunden. Für die damalige Eisenbahn war das außergewöhnlich schnell.
Die grenzüberschreitende Hilfe wurde später zu einem wichtigen Symbol für die Verbundenheit zwischen Encarnación und Posadas.
Die Katastrophe wurde sogar gefilmt
Außergewöhnlich ist auch, dass die Folgen des Tornados filmisch dokumentiert wurden.
Der paraguayische Filmpionier Hipólito Carrón und sein Neffe Agustín Carrón Quell nahmen die zerstörte Stadt mit einer Filmkamera auf. Der daraus entstandene Dokumentarfilm „La catástrofe de Encarnación“ gehört zu den frühen filmischen Dokumenten Paraguays.
Der Film wurde später auch eingesetzt, um Spenden für die Opfer der Katastrophe zu sammeln.
Damit existieren vom Encarnación des Jahres 1926 nicht nur schriftliche Berichte und Fotografien, sondern auch bewegte Bilder.
Erinnerung an eine verschwundene Stadt
Die damalige Villa Baja existiert heute in ihrer früheren Form nicht mehr.
Schon der Tornado hatte das historische Stadtbild tiefgreifend verändert. Jahrzehnte später verschwanden weitere Teile der alten Unterstadt im Zusammenhang mit dem Ausbau des Yacyretá-Stausees und der Umgestaltung der Uferzone.
Für das heutige Encarnación ist die Erinnerung an 1926 deshalb mehr als die Geschichte einer Naturkatastrophe. Sie erzählt auch davon, wie sich eine Stadt mehrfach neu erfinden musste.
Genau diese Erinnerung soll mit den historischen Gesprächsrunden im Centro Municipal de Arte weitergegeben werden.
Quellen
Gobernación de Itapúa, Veranstaltungsprogramm September 2026: „Charlas Históricas El Ciclón“
ABC Color, 25. März 2026: „Festejos y memoria: Año del centenario de la tragedia del Tornado de Encarnación“
ABC Color: historische Dokumentation „La ciudad borrada“
Última Hora: historische Aufarbeitung des Ciclón de Encarnación