Asunción, 14. Oktober 2026. Die britische Wochenzeitung The Economist hat sich ausführlich mit Paraguay befasst, ABC Color fasst den Beitrag in seiner Mittwochsausgabe zusammen. Das Urteil fällt zwiespältig aus. Das Land profitiert demnach von zwei Jahrzehnten vorsichtiger Wirtschaftspolitik, doch seine Grundlagen tragen den Aufschwung nur begrenzt. parapunto konnte den Originaltext nicht einsehen. Die folgenden Angaben stammen aus der Zusammenfassung bei ABC, die laut Vermerk von der Redaktion MF Economía e Inversiones erstellt wurde, und wurden, wo möglich, mit weiteren Quellen abgeglichen.
Was für Paraguay spricht
Paraguay gehört laut der Zusammenfassung zu nur sechs Ländern Lateinamerikas, deren Staatsanleihen mit Investment Grade bewertet sind. Nach der Finanzkrise von 2003 wurden die Haushaltsdisziplin verschärft, die Zentralbank gestärkt und die Inflation eingedämmt. Das Maquila-Regime erlaubt zollfreie Importe von Vorprodukten und besteuert die Wertschöpfung mit nur einem Prozent. Exporte von Autoteilen, Textilien und Bekleidung lagen 2025 um 25 Prozent über dem Wert von 2019. Brasilianische und argentinische Hersteller haben wegen höherer Steuern und strengerer Regeln im eigenen Land Teile ihrer Produktion nach Paraguay verlegt. ABC nennt außerdem ein Wachstum von 6,6 Prozent und 3,7 Millionen internationale Besucher im Jahr 2025, doppelt so viele wie im Vorjahr. Für diese beiden Werte lag parapunto keine zweite Quelle vor.
Belastbar ist dagegen die Zahl der Aufenthaltsanträge. Die Zusammenfassung spricht von 47.600 Anträgen im vergangenen Jahr und einem Plus von 63 Prozent. Das deckt sich mit den Daten der Migrationsbehörde, die La Nación im Januar veröffentlichte. Demnach gingen 2025 genau 47.687 Anträge ein, erteilt wurden 40.600 Aufenthaltstitel. Für das erste Halbjahr 2026 meldete die Behörde laut Última Hora und Diario HOY 33.243 Anträge, 62 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenWas dagegen spricht
Die Liste der Schwächen ist lang. Jeder fünfte Paraguayer lebt unter der Armutsgrenze, fast 70 Prozent der Exporte sind Nahrungsmittel, die Maquila macht nur 2,5 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. Für Bildung gibt der Staat 3,5 Prozent des BIP aus, einer der niedrigsten Werte der Region, entsprechend fehlen Fachkräfte. Nur 16 Prozent der Straßen sind asphaltiert, der Transport über Land macht rund 26 Prozent der Exportkosten aus. Die Interamerikanische Entwicklungsbank schätzt den Investitionsbedarf für Straßen, Flughäfen und Nahverkehr bis 2030 auf rund zehn Milliarden Dollar. Wasserkraft liefert reichlich billigen Strom, das Netz fällt aber häufig aus.
Die Steuerquote liegt bei 16 Prozent des BIP, im lateinamerikanischen Schnitt sind es 22, im OECD-Schnitt 34 Prozent. Höhere Steuern gelten als politisch schwer durchsetzbar und könnten genau das schwächen, was Investoren anzieht, niedrige Kosten und wenig Regulierung. Im Korruptionsindex von Transparency International steht Paraguay laut der Zusammenfassung auf Platz 150 von 182. Die Bestechungskultur zu bekämpfen sei schwieriger als Bürokratie abzubauen. Das Ziel der Regierung, Chile und Uruguay beim Pro-Kopf-Einkommen zu überholen, wirke deshalb „aún luce lejana“.
Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum
Deutsche gehören zu den wichtigsten Einwanderergruppen. Nach den von La Nación veröffentlichten Daten der Migrationsbehörde erhielten 2025 insgesamt 1.652 Deutsche einen Aufenthaltstitel, mehr kamen nur aus Brasilien und Argentinien. Viele lassen sich nach Angaben der Behörde in Itapúa nieder, vor allem Rentner. Im ersten Quartal 2026 entfielen laut Última Hora 651 erteilte Titel auf Deutsche, das sind 4,5 Prozent. Zugleich prüft die Behörde genauer. Nach einem Bericht von La Política Online vom Juni verlangt die Resolution 407 einheitliche Nachweise über die wirtschaftliche Solvenz, alle eingereichten Angaben gelten als eidesstattliche Erklärung. Wer auswandern will, sollte Unterlagen deshalb vollständig und stimmig vorlegen. Für Investoren zeigt die Analyse, dass die niedrigen Steuern nur ein Teil der Rechnung sind. Stromausfälle, unbefestigte Zufahrten und der Mangel an Fachkräften verursachen Kosten, die in keinem Steuersatz stehen. Ob die Steuerlast dauerhaft niedrig bleibt, hängt auch davon ab, wie der Staat den Ausbau von Infrastruktur und Bildung finanzieren will.
Quellen
- ABC Color, 14. Oktober 2026, Paraguay atrae inversiones, pero enfrenta desafíos estructurales (Zusammenfassung eines Beitrags von The Economist)
- La Nación, 27. Januar 2026, Sistema tributario y calidad de vida empujan récord de residencias en Paraguay
- Última Hora (EFE), 25. Juli 2026, Paraguay vive un auge migratorio con más de 33.000 solicitudes de residencia, en su mayoría de brasileños
- Diario HOY, 25. Juli 2026, Paraguay registra récord de solicitudes de residencia extranjera
- La Política Online, 25. Juni 2026, Migraciones endurece las condiciones para dar la residencia permanente a los extranjeros