Asunción, 8. Oktober 2026. Die Zentralbank BCP hat dem Senat ihre Antworten zu Ueno Bank und weiteren Geldhäusern übergeben, allerdings in einem versiegelten Umschlag. Nach übereinstimmenden Berichten von La Tribuna und RDN umfasst die am Mittwoch zugestellte Unterlage 31 Blatt. Veröffentlicht wurde der Inhalt nicht, die BCP beruft sich auf die Schweigepflicht aus ihrem Organgesetz. Senatspräsident Basilio „Bachi“ Núñez kündigte für heute um 9 Uhr Ortszeit, 14 Uhr in Mitteleuropa, eine Pressekonferenz an. Laut RDN will er im Präsidium klären lassen, ob Teile der Antworten öffentlich werden dürfen.
Worum es geht
Der Senat hatte im September mehrere Informationsersuchen an die Zentralbank beschlossen, mit einer Frist von 15 Werktagen. Laut La Tribuna betreffen sie sieben Banken, nämlich Ueno, Sudameris, GNB, Continental, Atlas, Familiar und Itaú. Bei Ueno geht es um die Grenzen für Kredite an verbundene Unternehmen, um Prüfungen der Bankenaufsicht, um die Konzentration öffentlicher Einlagen und um die Bilanzierung nach der Übernahme von Visión Banco. Ueno verwaltet laut ABC Color mehr als 850 Millionen US-Dollar an Geldern des Staates und der Sozialversicherung IPS. Die BCP erklärte, sie habe fristgerecht geantwortet.
Das umstrittene Memo
Auslöser der Debatte ist ein internes Memo vom 10. Juli 2026, über das ABC Color und Última Hora berichten. Verfasst hat es Fernando Rivarola, bis Anfang Juli Leiter der Aufsicht. Keines der beiden Medien hat das vollständige Dokument. ABC Color sah nach eigenen Angaben die erste und die letzte Seite, Última Hora spricht von Fragmenten. Uneinig sind die Berichte auch über Rivarolas Funktion beim Verfassen. Laut Última Hora war er schon am 6. Juli abberufen, ABC Color nennt ihn den damaligen Aufsichtsleiter.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenNach diesen Berichten stellte das Memo fest, dass Ueno Kredite an verbundene Firmen über der gesetzlichen Grenze von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals vergeben habe. Genannt werden unter anderem Mowi, Grupo M und Grupo Hendy. Ein Portfolioverkauf an die Firma Vinanzas über mehr als 35 Millionen US-Dollar und 36.900 Millionen Guaraní sollte den Überhang beseitigen. Rivarola sah darin laut Última Hora einen „claro propósito de elusión“. Bei den Beträgen unterscheiden sich die Darstellungen. Última Hora beschreibt sie als Kredite an drei Firmen, mit denen Vinanzas den Kauf finanziert habe, ABC Color als Volumen des Verkaufs. Am Donnerstag berichtete ABC Color zudem, die Grupo Hendy habe bis April 2026 Kredite von rund 42 Millionen US-Dollar erhalten, obwohl ihre Einnahmen 2025 im Schnitt bei 73 Millionen Guaraní im Monat gelegen hätten. Diese Angaben stammen allein von ABC Color.
Was Bank, Regierung und Zentralbank sagen
Ueno Bank erklärte laut RDN, das Memo nie erhalten zu haben und seine Echtheit nicht zu kennen. Die Bank habe Anweisungen zu den Grenzwerten bekommen und fristgerecht umgesetzt, ihre finanzielle Solidität sei gegeben. Die BCP wies Gerüchte in sozialen Netzwerken über eine Intervention im Finanzsystem als „totalmente falsas“ zurück und verwies auf ausreichende Liquidität und Solvenz. Javier Giménez, Leiter des Gabinete Civil des Präsidenten, sprach im Interview mit einem Sender der Gruppe Nación Media von einer technischen Analyse, die „politizado por grupos que son dueños también de medios“ worden sei. Senator Gustavo Leite von der Colorado-Partei forderte dagegen klare Antworten. Laut ABC Color sagte er, das Finanzsystem sei nicht in Gefahr, Kundinnen und Kunden von Ueno seien aber verunsichert. Politisch heikel ist der Fall auch, weil Präsident Santiago Peña nach Darstellung von ABC Color bis März 2025 Geschäftspartner der Grupo Vázquez war, zu der Ueno gehört.
Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum
Für Zugewanderte mit Konten in Paraguay ist vor allem die Einlagensicherung wichtig. Der Fondo de Garantía de Depósitos schützt nach Angaben der BCP Guthaben bis zu 75 Mindestlöhnen pro Person und Institut, derzeit 228,3 Millionen Guaraní. Nach den Wechselkursen vom 8. Oktober sind das rund 38.000 US-Dollar oder knapp 33.000 Euro. Die Garantie gilt auch für Fremdwährungskonten und für Kunden ohne Wohnsitz in Paraguay. Ausgenommen sind unter anderem Einlagen von Direktoren, leitenden Angestellten und verbundenen Personen. Keine der ausgewerteten Quellen spricht von einer Gefährdung der Einlagen. Wer größere Summen bei einem einzigen Institut hält, kann dennoch prüfen, ob eine Verteilung auf mehrere Banken sinnvoll ist. Für Investoren ist der Fall ein Test für die Glaubwürdigkeit der Bankenaufsicht in einem Land, das sich mit seinem Investment Grade als stabiler Standort präsentiert.
Quellen
- La Tribuna, 8. Oktober 2026, BCP responde al Senado y entrega información en sobre cerrado
- RDN, 7. Oktober 2026, Congreso recibe informe del BCP sobre Ueno (mit Stellungnahme von Ueno Bank)
- ABC Color, 7. Oktober 2026, Informe secreto del BCP revela excesos y faltas en Ueno Bank
- ABC Color, 8. Oktober 2026, BCP detectó maniobras de Ueno Bank para ocultar nexos con empresas
- ABC Color, 7. Oktober 2026, Ueno Bank: Leite cuestiona silencio del BCP y exige respuestas ante informe secreto
- Última Hora, 7. Oktober 2026, Informe que desató reacción cartista alertó sobre operaciones de banco
- La Nación, 7. Oktober 2026, Giménez insta a confiar en la solidez del sistema financiero local
- Más Encarnación (Quelle Megacadena), 7. Oktober 2026, BCP desmiente supuesta intervención en el sistema financiero
- Banco Central del Paraguay, abgerufen am 8. Oktober 2026, Fondo de Garantía de Depósitos, Cobertura máxima