Encarnación, 3. Oktober 2026. Paraguays Schweinefleischbranche rechnet mit einem neuen Exportmarkt. Nach Angaben der Cámara de la Industria Porcina y Derivados (Capainpod) ist das Zulassungsverfahren für Lieferungen nach Chile in der Schlussphase. Fällt die abschließende Prüfung durch die chilenischen Behörden positiv aus, könnten die ersten Lieferungen im Januar 2027 abgehen, sagte Kammerpräsidentin Marta Mareco der Zeitung La Nación. In Itapúa, wo ein großer Teil der Schweineproduktion des Landes angesiedelt ist, verfolgen Genossenschaften und Betriebe die Entwicklung aufmerksam.
Was Chile verlangt
Kern des Verfahrens ist die sogenannte compartimentación. Dabei wird nicht ein ganzes Land als seuchenfrei anerkannt, sondern eine abgeschlossene Produktionskette, von der Genetik über Ferkelaufzucht, Mastbetriebe und Futtermühle bis zum Schlachthof. Nachzuweisen ist die Freiheit von Maul- und Klauenseuche sowie von Klassischer und Afrikanischer Schweinepest. Der Prozess läuft laut Mareco seit fünf Jahren und wird von der Tiergesundheitsbehörde Senacsa gemeinsam mit der chilenischen Veterinärbehörde überwacht. Unterstützt wird er von der Interamerikanischen Entwicklungsbank, der japanischen Agentur JICA, dem Vizeministerium für Viehwirtschaft und dem Genossenschaftsverband Fecoprod. Für die Schlussprüfung gab sich Mareco zuversichtlich, aber vorsichtig, mit den Worten „Dios quiera que salgamos todo bien“.
Taiwan bleibt der wichtigste Abnehmer
Nach Senacsa-Daten, die das Portal MarketData Anfang September veröffentlichte, exportierte Paraguay von Januar bis August 2026 insgesamt 12.962 Tonnen Schweinefleisch und Nebenprodukte im Wert von 35,5 Millionen US-Dollar. Die Menge stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 8 Prozent, der Erlös nur um 1,35 Prozent. Taiwan nahm 8.988 Tonnen für 29,8 Millionen US-Dollar ab, mengenmäßig gut zwei Drittel und wertmäßig mehr als vier Fünftel der Ausfuhren. Dahinter folgen Uruguay und Brasilien, zuletzt kamen erste Lieferungen auf die Philippinen hinzu. Bei den kleineren Märkten sind die veröffentlichten Zahlen nicht ganz stimmig, so weist La Nación für Brasilien bis Juli 1.605 Tonnen aus, MarketData bis August nur 1.140 Tonnen.
Sichtbar werden in Itapúa
Sponsoring-Plätze für Unternehmen, die genau in Itapúa bekannt werden wollen.
Sponsoring-Möglichkeiten ansehenRund 30 Prozent der Produktion gehen laut Mareco in den Export, 70 Prozent bleiben im Inland. Argentinien ist bereits als Markt freigegeben, Peru und Chile sollen folgen.
Itapúa als Zentrum der Branche
Für Itapúa hat die Schweinehaltung großes Gewicht. Mareco bezifferte den Schweinecluster des Departamentos gegenüber Itapúa Noticias auf mehr als eine Milliarde US-Dollar und sprach von rund 50.000 Familien, die davon leben. Worauf sich der Betrag genau bezieht, etwa auf Produktionswert oder Investitionen, geht aus dem Bericht nicht hervor, eine zweite Quelle für die Zahl hat parapunto nicht gefunden. Wichtigster Exporteur ist das Schlachtunternehmen Upisa. Die Cooperativa Colonias Unidas mit Sitz in Obligado finanziert nach einem früheren Bericht von Última Hora Mastbetriebe mit jeweils 1.000 Tieren, deren Schweine an Upisa geliefert werden. Eduardo Dietze, bei der Genossenschaft für Produktion und Versorgung zuständig, nannte eine mögliche Öffnung Chiles gegenüber Más Encarnación eine wichtige Chance für die gesamte Kette.
Einordnung für den DACH-Raum
Die Schweinehaltung im Süden Itapúas ist eng mit den von Einwanderern geprägten Kolonien verbunden. Colonias Unidas ist die gemeinsame Genossenschaft von Hohenau, Obligado und Bella Vista, viele Mitglieder haben deutsche Wurzeln. Ein zusätzlicher Markt wie Chile würde die starke Abhängigkeit von Taiwan verringern, mit dem Paraguay als einer der wenigen Staaten diplomatische Beziehungen unterhält. Für Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Fall ein Beispiel dafür, dass Paraguays Agrarexporte zunehmend an veterinärrechtliche Standards gebunden sind, die nur geschlossene und gut dokumentierte Produktionsketten erfüllen. Daraus könnten sich nach Einschätzung von parapunto Chancen für Anbieter von Stalltechnik, Genetik und Biosicherheit ergeben, belastbare Zahlen dazu liegen aber nicht vor. Ob die Lieferungen tatsächlich im Januar 2027 beginnen, hängt allein vom Ergebnis der chilenischen Schlussprüfung ab, für die noch kein Termin bekannt ist.
Quellen
La Nación, 20. September 2026
Sector porcino ultima detalles sanitarios para exportar carne a Chile en 2027
Más Encarnación, 2. Oktober 2026
Chile podría abrir su mercado a la carne porcina paraguaya
Itapúa Noticias, 1. Oktober 2026
Itapúa mueve un clúster porcino de US$ 1.000 millones
MarketData, 7. September 2026
Rubro porcino registra nuevo crecimiento en embarque en el último mes
La Nación, 4. August 2026
Sector porcino supera las 10.500 toneladas exportadas con Taiwán como principal mercado
ABC Color, 19. Juli 2026
Exportaciones de carne porcina paraguaya crecen 15% en divisas
Última Hora, 2024
Fomentan la producción y consumo de carne porcina en Itapúa