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27. Oktober 2026 · Asunción & Central, Paraguay

Regierung will den schwachen Dollar nicht stützen, am Donnerstag trifft das Wirtschaftsteam die Exportverbände

Nahaufnahme einer 100-US-Dollar-Banknote
US-Dollar-Banknote. Symbolbild. Foto Giorgio Trovato / Unsplash

Asunción, 27. Oktober 2026. Das Wirtschafts- und Finanzministerium (MEF) will dem Druck der Exportwirtschaft nicht nachgeben. Vizeminister Gerardo Ruiz Díaz sagte am Montagabend in der Sendung „Mesa con EVP“ von ABC TV, die makroökonomischen Entscheidungen blieben streng an technischen Kriterien ausgerichtet. „Hay criterios técnicos que tienen que prevalecer siempre“, sagte er, technische Kriterien müssten also immer Vorrang haben. Zins und Wechselkurs würden nicht manipuliert, Stabilität und Kaufkraft der Bevölkerung gingen den Gewinnen der Exporteure vor.

Leichte Erholung auf niedrigem Niveau

Am Montag zog der Dollar in den Wechselstuben im Zentrum Asuncións etwas an. ABC Color nennt 5.750 Guaraníes im Ankauf und 5.900 im Verkauf, rund 100 Punkte mehr als zum Wochenschluss. Im Interbankenhandel schloss er bei 5.833 Guaraníes. Im Jahresvergleich ist der Dollar laut ABC etwa 16 Prozent billiger, das sind rund 1.140 Guaraníes weniger je Dollar. Mitte Oktober war er unter 5.700 Guaraníes gefallen, wie PARAPUNTO berichtete. Die Agentur Megacadena sah den Guaraní damals mit einem Plus von 23,86 Prozent auf zwölf Monate an der Spitze der Schwellenländerwährungen, vor dem kolumbianischen Peso. Die beiden Prozentangaben beruhen auf unterschiedlichen Kursarten, Stichtagen und Rechenwegen und lassen sich nicht direkt vergleichen. Die von der Zentralbank BCP befragten Marktteilnehmer erwarten laut ABC zum Jahresende einen Kurs von rund 5.905 und für 2027 von rund 6.185 Guaraníes.

Warum der Dollar fällt

Ruiz Díaz erklärt den Rückgang mit Angebot und Nachfrage. Rekordernten bei Soja, wachsende Industrieexporte und ein starker Dollarzufluss überstiegen den Bedarf im Inland, die Exporte seien um 26 Prozent gestiegen. Die Zentralbank werde nicht eingreifen, um die Erträge der Agrarexporteure aufzubessern. Der Staat wolle lediglich heftige Kursschwankungen abfedern. Den Unternehmen empfahl er Termingeschäfte zur Absicherung, den Leitzins bezeichnete er als neutral. Präsident Santiago Peña hatte schon am Montag ein Eingreifen ausgeschlossen. Mehr Guaraníes im Markt würden die Währung schwächen, sagte er laut ABC Color, der Markt werde sein Gleichgewicht selbst finden.

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Treffen mit den Verbänden am Donnerstag

Zehn Unternehmensverbände hatten am 15. Oktober in einem Schreiben an Minister Óscar Lovera um ein Gespräch gebeten, darunter der Agrarverband UGP, die Handels- und Dienstleistungskammer CNCSP, der Getreideexportverband Capeco, der Genossenschaftsverband Fecoprod und die Exportkammer Capex. Laut Última Hora argumentieren sie, dass sie in Dollar verdienen, viele Kosten aber in Guaraníes tragen und dadurch an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Betroffen seien Produzenten, Exporteure, Maquila-Betriebe sowie Transport und Häfen. Das nationale Wirtschaftsteam hat die Verbandsspitzen nun für Donnerstag, 29. Oktober, um 15 Uhr in den Sitz des MEF im Gebäude Villa Serrati eingeladen. Auf der Liste, die ABC Color veröffentlichte, stehen unter anderen Alfred Fast für Fecoprod und Bernd Gunther für die Maschinenbaukammer CAFyM.

Einordnung für den DACH-Raum

Wer in Paraguay von einem Einkommen in Euro oder Franken lebt, etwa von einer Rente aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz, spürt den starken Guaraní unmittelbar. Solange sich Euro und Franken gegenüber dem Dollar nicht deutlich bewegen, gibt es beim Umtausch weniger Landeswährung, während Mieten, Löhne und Lebenshaltungskosten in Guaraníes anfallen. Für Investoren mit Kapital aus Europa sind Grundstücke und Beteiligungen in Paraguay umgerechnet teurer geworden. Die Aussagen aus dem MEF machen deutlich, dass die Regierung keinen schwächeren Guaraní anstrebt. Unter Druck stehen exportorientierte Betriebe, darunter die Produktionsgenossenschaften, die Fecoprod vertritt. Ob das Treffen am Donnerstag mehr bringt als einen Austausch der Standpunkte, ist offen.

Quellen