Asunción, 14. September 2026. Paraguay will seine großen Stromüberschüsse künftig nicht nur exportieren. Ein wachsender Teil der Energie soll im eigenen Land genutzt werden, um Rechenzentren, künstliche Intelligenz und technologieintensive Unternehmen anzuziehen.
Wie das funktionieren könnte, war eines der zentralen Themen beim dritten Taiwan-Paraguay Technology Forum, das am 11. und 12. September in Asunción stattfand.
Vertreter aus Paraguay und Taiwan diskutierten dort über künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, digitale Gesundheit, intelligente Landwirtschaft, Energie, Logistik, Finanztechnologie, Cybersicherheit und digitale Verwaltung.
Sichtbar werden in Encarnación, Hohenau, Obligado und Bella Vista
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenHinter dem Forum steht inzwischen eine größere wirtschaftspolitische Frage: Kann Paraguay seine Energieversorgung nutzen, um sich von einem Strom- und Rohstoffexporteur zu einem regionalen Technologiestandort zu entwickeln?
Energie als Standortvorteil
Paraguay verfügt durch die Wasserkraftwerke Itaipú und Yacyretá über außergewöhnlich große Mengen erneuerbarer elektrischer Energie.
Für Rechenzentren und Anwendungen künstlicher Intelligenz ist Energie ein wesentlicher Kostenfaktor. Der weltweite Ausbau von KI-Infrastruktur erhöht den Strombedarf großer Datenzentren erheblich.
Genau hier sieht die paraguayische Regierung eine wirtschaftliche Chance.
Beim Technologieforum sprach Präsident Santiago Peña von dem Projekt „Nuevo Azul Digital“. Geplant ist eine KI-Infrastruktur, die schrittweise von einem Pilotzentrum zu einer regionalen und später international relevanten Rechenplattform ausgebaut werden soll.
Nach Angaben der Regierung soll diese Infrastruktur Anwendungen in Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung und Forschung ermöglichen und gleichzeitig neue Investitionen nach Paraguay bringen.
Rechenzentren allein reichen nicht
Interessant ist, dass inzwischen auch innerhalb der Regierung vor einer zu einfachen Rechnung gewarnt wird.
Industrie- und Handelsminister Marco Riquelme erklärte beim Forum, dass die Ansiedlung von Rechenzentren und KI-Infrastruktur allein noch keinen ausreichenden wirtschaftlichen Nutzen garantiere.
Paraguay müsse dafür sorgen, dass rund um diese Investitionen eigenes Wissen, Unternehmen und qualifizierte Arbeitsplätze entstehen.
Das ist eine entscheidende Unterscheidung.
Ein großes Rechenzentrum kann erhebliche Mengen Strom verbrauchen und hohe Investitionen auslösen. Es beschäftigt nach Fertigstellung aber nicht zwangsläufig sehr viele Menschen.
Für Paraguay wäre der langfristige wirtschaftliche Nutzen deshalb größer, wenn rund um die Infrastruktur zusätzlich Softwareunternehmen, Forschung, technische Dienstleistungen, Ausbildung und neue Unternehmen entstehen.
Zusammenarbeit mit Taiwan
Taiwan spielt bei dieser Strategie eine besondere Rolle.
Die Universidad Politécnica Taiwán-Paraguay, UPTP, bildet bereits Ingenieure nach einem stark technisch ausgerichteten Studienmodell aus. Kooperationen mit taiwanischen Hochschulen sollen ausgebaut werden.
Zusätzlich sind mehrere gemeinsame Technologieprojekte geplant.
Dazu gehören ein binationales KI-Rechenzentrum und die Weiterentwicklung eines Technologieparks im Osten Paraguays.
Für die Modernisierung des Parque Industrial Taiwán-Paraguay in Alto Paraná sind nach Angaben der paraguayischen Regierung Investitionen von mehr als sechs Millionen US-Dollar vorgesehen. Ziel ist ein Technologiezentrum, das industrielle Produktion stärker mit Automatisierung und intelligenten Technologien verbindet.
KI nicht nur für Softwareunternehmen
Beim Technologieforum wurde künstliche Intelligenz deshalb bewusst nicht ausschließlich als Thema der IT-Branche behandelt.
Diskutiert wurden Anwendungen in Landwirtschaft, Gesundheitswesen, Energie, Logistik, Industrie und staatlicher Verwaltung.
Für Paraguay ist gerade dieser Punkt relevant.
Die größten wirtschaftlichen Effekte könnten weniger durch einige wenige reine KI-Unternehmen entstehen als durch Produktivitätssteigerungen in bereits bestehenden Branchen.
In der Landwirtschaft könnten beispielsweise Sensoren, Bildanalyse und Datenmodelle bei Ernteprognosen, Bewässerung oder Schädlingskontrolle eingesetzt werden. In der Logistik lassen sich Transportwege und Warenströme optimieren. Im Gesundheitswesen reichen mögliche Anwendungen von administrativen Abläufen bis zur Unterstützung diagnostischer Verfahren.
Ausbildung wird zum Engpass
Damit entsteht allerdings ein weiteres Problem.
Technologische Infrastruktur lässt sich vergleichsweise schnell kaufen. Qualifizierte Ingenieure, Entwickler, Datenwissenschaftler und technische Fachkräfte lassen sich nicht ebenso schnell ausbilden.
UPTP-Rektor Jorge Duarte bezeichnete die Ausbildung von Fachkräften deshalb als einen der entscheidenden Faktoren.
Die Universität hat inzwischen einen Masterstudiengang in Ingenieurwissenschaften genehmigt bekommen. Teil des Programms soll auch ein akademischer Aufenthalt an der Taiwan Tech sein.
Damit wird die Kooperation mit Taiwan zunehmend auch zu einem Bildungsprojekt.
Eine Chance mit offenen Fragen
Paraguay besitzt für energieintensive digitale Infrastruktur tatsächlich interessante Voraussetzungen. Erneuerbare Energie ist reichlich vorhanden, und die Regierung verfolgt ausdrücklich das Ziel, mehr davon im eigenen Land wirtschaftlich zu nutzen.
Daraus folgt aber noch nicht automatisch die Entstehung eines lateinamerikanischen Technologiezentrums.
Entscheidend werden unter anderem internationale Datenverbindungen, Rechtssicherheit, Datenschutz, Cybersicherheit, verfügbare Fachkräfte und die Fähigkeit sein, internationale Unternehmen nicht nur mit günstiger Energie, sondern mit einem funktionierenden technologischen Umfeld anzuziehen.
Die vielleicht wichtigste Frage lautet deshalb nicht, wie viele Rechenzentren Paraguay bauen kann.
Sie lautet, wie viel Wissen und wirtschaftliche Wertschöpfung im Land bleiben, wenn diese Rechenzentren gebaut werden.
Genau daran wird sich messen lassen, ob aus Paraguays Energieüberschuss tatsächlich eine neue Wissensökonomie entsteht.
Quellen
Ministerio de Industria y Comercio, 11. September 2026: Paraguay busca atraer inversiones en IA con mayor impacto en la economía del conocimiento
Agencia IP, 11. September 2026: Tercera edición del Taiwan-Paraguay Technology Forum pone el foco en la inteligencia artificial
Agencia IP, 26. August 2026: Paraguay y Taiwán prevén que cooperación en IA amplíe su alianza estratégica y sea un modelo mundial