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18. Oktober 2026 · Paraguay

Dollar fällt unter 5.700 Guaraníes, Fleischexporteure verlangen von der Zentralbank Erklärungen

Nahaufnahme einer US-amerikanischen Hundert-Dollar-Banknote
Der US-Dollar hat gegenüber dem Guaraní binnen eines Jahres stark an Wert verloren. Symbolbild. Foto Adam Nir / Unsplash

Asunción, 18. Oktober 2026. Der Guaraní ist so stark wie seit Jahren nicht. In dieser Woche fiel der Dollar nach einem Bericht von La Nación zeitweise unter die Marke von 5.700 Guaraníes, ein Niveau, das es laut der Zeitung seit mehr als acht Jahren nicht gegeben hat. Am Samstagabend berichtete die Zeitung über ein Kommuniqué des Verbands der Fleischproduzenten und Fleischexporteure Appec. Er verlangt vom Banco Central del Paraguay (BCP) Erklärungen und Gegenmaßnahmen.

Gut 24 Prozent in zwölf Monaten

Wie stark die Landeswährung zugelegt hat, zeigt eine Auswertung des Nachrichtenportals RDN auf Basis von Kassakursen. Am 16. Oktober kostete ein Dollar dort 5.700,5 Guaraníes. Binnen zwölf Monaten gewann der Guaraní damit 23,86 Prozent, in sechs Monaten 11,84 Prozent und allein im vergangenen Monat 3,65 Prozent. Unter den aufgeführten Währungen von Schwellenländern ist das der höchste Wert, knapp vor dem kolumbianischen Peso mit 22,73 Prozent. Der Euro dagegen verlor laut RDN im selben Zeitraum gegenüber dem Dollar an Wert, eine genaue Zahl nennt das Portal nicht.

Die Ursachen sind weitgehend unstrittig. ABC Color verweist unter Berufung auf eine Analyse von Bloomberg Línea und dem Beratungshaus MF Economía e Inversiones auf hohe Deviseneinnahmen aus dem Export. Nach Daten des BCP stiegen die Ausfuhren von Januar bis August um 24,7 Prozent auf gut 14 Milliarden Dollar, getragen vor allem von Sojabohnen, Sojaöl und Sojaschrot. Die Importe wuchsen um 13,9 Prozent, die Handelsbilanz drehte ins Plus. Zugleich fragten Unternehmen nicht im selben Maß Dollar nach, und die Zentralbank kaufte laut MF keine Devisen zur Aufstockung ihrer Reserven an. Im September hatten Analysten in der Umfrage des BCP für das Jahresende noch einen Kurs von 6.100 Guaraníes erwartet, der Markt liegt inzwischen deutlich darunter.

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Exporteure sehen ihre Margen schwinden

Appec beklagt, dass gleich viele Rinder zum gleichen Dollarpreis immer weniger Guaraníes einbringen, während Löhne und Kosten im Land unverändert bleiben. Das lasse weniger Geld für Gehälter übrig, Investitionen würden aufgeschoben und die Zucht leide, weil Betriebe ihre Mutterkühe schwerer halten könnten. Der Verband fordert Aufklärung über die Gründe des Dollarverfalls, Maßnahmen gegen abrupte Kursbewegungen und erschwingliche Absicherungsinstrumente. Schon am 13. Oktober hatte die Exportkammer Capex gewarnt, die Kombination aus starkem Guaraní und hohen Logistikkosten senke die Einnahmen der Exporteure in Landeswährung um 26 Prozent. Wie diese Zahl berechnet wurde, geht aus dem Bericht der Revista PLUS nicht hervor. Capex-Geschäftsführer Pablo Cuevas begründete den Verlust von Märkten mit den Worten „porque nos volvimos menos competitivos“. Terminkäufe von Dollar kämen mittelgroßen Exporteuren bisher kaum zugute.

Die Zentralbank bleibt nach Darstellung von La Nación bei ihrer Linie, nicht in den Devisenmarkt einzugreifen. Sie sieht die Stärke des Guaraní als natürliche Folge von Wachstum und steigenden Exporten. Eine Antwort des BCP auf das Kommuniqué findet sich in den gelesenen Berichten nicht.

Einordnung für Leser im DACH-Raum

Für Auswanderer, die von einer Rente, Mieteinnahmen oder Ersparnissen in Euro leben, ist die Entwicklung unangenehm. Wenn der Guaraní gegenüber dem Dollar rund ein Viertel gewinnt und der Euro gegenüber dem Dollar zugleich nachgibt, bekommt man rechnerisch für jeden Euro deutlich weniger Guaraníes als vor einem Jahr. Die Preise im Supermarkt, für Miete oder Personal sinken nicht im selben Maß, das Leben in Paraguay wird in Euro gerechnet also teurer. Wer größere Beträge wechseln muss, etwa für einen Grundstückskauf, sollte Kurse mehrerer Wechselstuben und Banken vergleichen. Auf der anderen Seite stehen die Landwirte in den deutschsprachig geprägten Kolonien Itapúas, deren Ernte zu Dollarpreisen verkauft wird. Sie spüren dieselben sinkenden Erlöse wie die Exportverbände. Eine Prognose, wie lange der starke Guaraní anhält, geben die vorliegenden Quellen nicht. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung.

Quellen

  • La Nación, 17. Oktober 2026, „Gremio productor pide medidas para moderar movimientos bruscos en el tipo de cambio“, lanacion.com.py
  • RDN, 16. Oktober 2026, „Guaraní lidera apreciación frente al dólar con alza del 23,86 %“, rdn.com.py
  • Revista PLUS, 13. Oktober 2026, „Exportadores advierten una caída del 26% en sus ingresos en guaraníes“, revistaplus.com.py
  • ABC Color nach Bloomberg Línea und MF Economía e Inversiones, 3. Oktober 2026, „Guaraní lideró las monedas de América Latina, impulsado por exportaciones“, abc.com.py