Asunción, 11. Oktober 2026. Die lateinamerikanische Entwicklungsbank CAF will ihr Engagement in Paraguay in den kommenden Jahren deutlich ausweiten. Jorge Srur, Regionalmanager Süd der CAF, nannte gegenüber ABC Color, La Nación und Última Hora bis zu 3.000 Millionen US-Dollar zusätzlich für öffentliche und private Projekte. Ganz neu ist die Größenordnung nicht. Schon im Juni hatte CAF-Präsident Sergio Díaz-Granados bei einem Besuch in Asunción eine Summe in dieser Höhe genannt, wie El Nacional damals berichtete. Neu sind die Einzelheiten, wohin das Geld fließen soll und woran die Bank es knüpft.
Bestehendes Portfolio mit Schwerpunkt Strom
Übereinstimmend berichten die drei Zeitungen, dass das CAF-Portfolio in Paraguay 2025 rund 2.696 Millionen Dollar umfasste, vor allem für Straßen, Energie sowie Wasser und Abwasser. Rund 965 Millionen Dollar entfallen auf das Stromsystem, also auf Übertragungsleitungen, Verteilnetze und Modernisierung. Srur bezeichnet die CAF laut ABC Color als wichtigsten Geldgeber der Investitionen des staatlichen Stromversorgers ANDE. Künftig will die Bank die Digitalisierung und Automatisierung des Netzes sowie eine breitere Basis erneuerbarer Energien unterstützen.
Korridore, Wasserstraße und Bahn
Bei der Logistik nennt die CAF den Bioozeanischen Korridor durch den Chaco, binationale Brücken, Grenzübergänge, die Wasserstraße Paraguay-Paraná und eine Bahnverbindung von Montevideo nach Encarnación über argentinisches Gebiet. Dazu kommen laut ABC Color Rechenzentren, Elektromobilität, Forstwirtschaft, Kredite für kleine und mittlere Unternehmen über die staatliche Förderbank AFD und Geschäftsbanken sowie Gesundheit, Bildung und Wohnungsbau. Bildung und Infrastruktur bezeichnet Srur als die beiden Bereiche, in denen Paraguay am meisten aufholen könne. Konkrete Kennzahlen dazu enthalten die Berichte nicht. Die Fondsgesellschaft CAF Asset Management ist seit 2025 im Land und wartet laut ABC Color auf noch ausstehende Regelungen, um einen ersten Fonds aufzulegen.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenWie groß der Rückstand ist, beziffert die Straßenbaukammer Cavialpa. Sie schätzt die Infrastrukturlücke laut ABC Color auf rund 30.000 Millionen Dollar und hält mindestens 2.000 Millionen Dollar an Investitionen pro Jahr für nötig. Wie die Kammer zu diesen Zahlen kommt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Welches Potenzial in der Wasserstraße steckt, beschrieb am Samstag der Reederverband CAFyM. Sein Präsident Bernd Gunther sagte La Nación, über die Hidrovía ließen sich jährlich 10 bis 15 Millionen Tonnen zusätzliches brasilianisches Eisenerz transportieren. Voraussetzung seien ganzjährig ausreichende Fahrwassertiefen, vorbeugende Baggerarbeiten und eine Abstimmung mit Argentinien und Brasilien.
Bedingungen der Bank
Srur knüpft die Ausweitung an fiskalische Disziplin. Paraguay solle seinen Investment Grade erhalten und ausbauen, staatlich garantierte Kredite nur für zentrale Vorhaben nutzen, die private Geldgeber nicht abdecken, und öffentlich-private Partnerschaften sowie Konzessionen beschleunigen. Zudem brauche das Land mehr finanzierungsreife Projekte und langfristige Kredite in Guaraní. Paraguay habe „hoy las bases para dar el siguiente paso“, also heute die Grundlage für den nächsten Schritt, zitiert ihn Última Hora. Während El Nacional im Juni noch schrieb, die CAF verlange schnellere Reformen, klingen die aktuellen Aussagen eher nach Empfehlungen. Diskutiert werden die Pläne beim Forum der Cavialpa am 20. Oktober im Theater der Zentralbank in Asunción, über das parapunto am 8. Oktober berichtet hat.
Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum
Eine in Aussicht gestellte Summe ist noch kein bewilligtes Projekt. Für Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Ankündigung vor allem ein Hinweis darauf, wo in den nächsten Jahren öffentliche Aufträge entstehen können, etwa bei Netztechnik, Logistik und Bau. Wer sich dafür interessiert, sollte die Ausschreibungen der ANDE und des Bauministeriums MOPC verfolgen. Für Itapúa ist die genannte Bahnverbindung nach Encarnación interessant, weil sie Agrarbetrieben in den Kolonien einen weiteren Exportweg Richtung Atlantik eröffnen würde. Einen Zeitplan oder eine Finanzierungszusage dafür nennen die Berichte allerdings nicht. Für Auswanderer im ganzen Land ist der Ausbau des Stromnetzes die greifbarste Folge, sofern die Mittel tatsächlich fließen.
Quellen
- ABC Color, 11. Oktober 2026, Educación e infraestructura, áreas clave donde Paraguay aún tiene margen para crecer, según CAF
- La Nación, 10. Oktober 2026, CAF ofrece hasta USD 3.000 millones para impulsar inversiones en Paraguay
- Última Hora, 11. Oktober 2026, CAF sugiere cuidar el grado de inversión y una prudencia fiscal
- El Nacional, 9. Juni 2026, CAF pone a Paraguay en el radar de hasta US$ 3.000 millones, pero exige acelerar reformas
- La Nación, 10. Oktober 2026, Hidrovía podría captar hasta 15 millones de toneladas adicionales de hierro