Asunción, 4. Oktober 2026. Während Paraguay heute seine Gemeinden wählt, stimmt nebenan Brasilien über Präsident, Gouverneure, Bundes- und Landesparlamente sowie zwei Drittel des Senats ab. Für Paraguay ist der größte Nachbar zugleich wichtigster Handelspartner und einer der größten Investoren. Entsprechend genau verfolgen Unternehmer und Ökonomen in Asunción und Ciudad del Este den Ausgang.
Ein knappes Rennen
Nach zwei am Samstag veröffentlichten Umfragen, über die ABC Color unter Berufung auf die Agentur EFE berichtete, liegen Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und Herausforderer Flávio Bolsonaro dicht beieinander. Datafolha sieht Lula im ersten Wahlgang bei 45 und Bolsonaro bei 42 Prozent der gültigen Stimmen, Quaest bei 46 zu 45 Prozent. Für eine mögliche Stichwahl messen beide Institute nur ein bis zwei Prozentpunkte Abstand, allerdings mit unterschiedlichem Vorsprung, Quaest sieht dort Bolsonaro vorn. Erreicht niemand die absolute Mehrheit, folgt am 25. Oktober der zweite Wahlgang. Wahlberechtigt sind rund 158 Millionen Menschen. Brasilianer, die im Ausland registriert sind, wählen nach Angaben des Wahlgerichts TSE nur den Präsidenten, und zwar in Botschaften oder Konsulaten nach Ortszeit.
Wie eng die Verflechtung ist
Wie stark Paraguays Wirtschaft an Brasilien hängt, zeigen Zahlen, die ABC am Samstag zusammengetragen hat. Nach einem Bericht der Cámara de Comercio Paraguay Brasil flossen 2024 rund 110 Millionen US-Dollar brasilianischer Direktinvestitionen ins Land. Der Bestand liegt bei gut 1,5 Milliarden Dollar, das sind 14,6 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen. Im April 2026 hatten 165 Unternehmen im Maquila-Regime brasilianische Beteiligung, der Branchenverband Cemap schätzt den brasilianischen Anteil am dort investierten Kapital auf rund 70 Prozent. Die Maquila-Exporte stiegen im ersten Halbjahr um 25 Prozent auf 717 Millionen Dollar, 62 Prozent davon gingen nach Brasilien. Von den 47.687 Anträgen auf Aufenthaltsgenehmigung im Jahr 2025 stammten etwa 47 Prozent von Brasilianern. Allein Alto Paraná zählt 160 der landesweit 324 Maquila-Betriebe.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenWas Ökonomen erwarten
Die Einschätzungen gehen auseinander. Der Investitionsberater Óscar Mersán erwartet unabhängig vom Sieger keine Entlastung bei den hohen Kosten in Brasilien. Bei einem Sieg Lulas hält er eine Abwanderung von Unternehmen und Menschen nach Paraguay für möglich, die so groß ausfallen könne wie nie zuvor. Ähnlich argumentiert der frühere Finanzminister Manuel Ferreira, der im Sender ABC Cardinal von einem möglichen „desbande de empresarios brasileros“ sprach und auf die Debatte über eine Mehrwertsteuer von bis zu 27 Prozent in Brasilien verwies. Er rät, auch die Gouverneurswahlen in Paraná und Mato Grosso do Sul im Blick zu behalten.
Zurückhaltender äußert sich der Ökonom Jorge Garicoche. Brasilianisches Kapital werde unabhängig vom Ergebnis weiter kommen, beide Länder könnten ihre Lieferketten enger verzahnen. Fabio Fustagno, Präsident der Cámara de Comercio Paraguay Brasil, sieht das größte Risiko in einer Abwertung des Real infolge der brasilianischen Staatsverschuldung. Der Guaraní werde nicht wettbewerbsfähiger, als er heute ist, sagte er. Enrique Duarte von der Industrieunion UIP betont, die Sorge der Branche sei wirtschaftlich und nicht ideologisch. Alle genannten Erwartungen sind Einschätzungen und keine Prognosen mit belastbarer Datengrundlage.
Einordnung für den DACH-Raum
Für Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Wahlausgang in Brasilien ein Faktor, der ihre Pläne in Paraguay mittelbar berührt. Ein schwächerer Real würde paraguayische Waren für brasilianische Käufer verteuern und damit vor allem den Grenzhandel in Ciudad del Este treffen. Eine stärkere Zuwanderung brasilianischer Firmen könnte Industrieflächen, Büros und Wohnraum im Osten des Landes knapper machen, zugleich aber Zulieferern und Dienstleistern neue Kunden bringen. Auswanderer sollten wissen, dass Brasilianer schon heute fast die Hälfte der Anträge auf Aufenthalt stellen. Belastbar lässt sich das alles erst nach dem 25. Oktober beurteilen, wenn feststeht, wer Brasilien ab 2027 regiert. parapunto verfolgt die Entwicklung weiter.
Quellen
- ABC Color, 3. Oktober 2026, „Elecciones de Brasil: qué está en juego para el comercio y las inversiones con Paraguay“
- ABC Color, 3. Oktober 2026, „Elecciones en Brasil: Ferreira anticipa posible llegada de empresarios a Paraguay“
- ABC Color / EFE, 3. Oktober 2026, „Flávio Bolsonaro vuelve a acercarse a Lula en un sondeo“
- Tribunal Superior Eleitoral, ohne Datum, „Votação no exterior“