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12. Oktober 2026 · Alto Paraná, Paraguay

Itaipú erwartet bis Montagmittag 115 Meter an der Freundschaftsbrücke, Ayolas nähert sich der Überflutungsmarke

Braunes Hochwasser eines über die Ufer getretenen Flusses nach starkem Regen
Hochwasser nach starkem Regen. Symbolbild. Foto engin akyurt / Unsplash

Ciudad del Este, 12. Oktober 2026. Der Río Paraná steigt weiter, und die beiden binationalen Kraftwerke haben ihre Prognosen deutlich nach oben korrigiert. Itaipú rechnet laut Última Hora damit, dass der Pegel an der Freundschaftsbrücke bis heute Mittag von 110,50 auf 115 Meter über dem Meer klettert. Weiter flussabwärts könnte der Fluss in Ayolas nach der jüngsten Warnung der Entidad Binacional Yacyretá (EBY) in den nächsten Tagen die Marke überschreiten, ab der die Stadt überflutet wird. Zugleich hat der Wetterdienst für Montag und Dienstag ein Sonderbulletin mit Starkregen, Gewittern und möglichem Hagel angekündigt. parapunto hatte am 11. Oktober über die Lage berichtet, dieser Beitrag fasst die seither veröffentlichten Angaben zusammen.

Neue Prognose nach Starkregen über dem Iguazú

Nach dem Bericht von Última Hora vom Sonntagnachmittag hat die Hochwasserkommission von Itaipú ihre Vorhersage aktualisiert, nachdem es am Samstag im brasilianischen Einzugsgebiet des Iguazú heftig geregnet hatte. Zudem habe das brasilianische Kraftwerk Baixo Iguaçu seine Abgaben erhöht. Am Vortag war noch von etwa 111 Metern bis Montag die Rede gewesen, und diese Zahl steht auch in einem Abschnitt eines Berichts von La Nación vom Sonntagabend. Dieselbe Zeitung nennt im selben Text allerdings für heute eine Spanne von 110,54 bis 115 Metern, für Dienstag 112,85 bis 115,10 Meter und für Mittwoch 114,81 bis 115,14 Meter, ohne zu sagen, von wem diese Werte stammen. Die Angaben widersprechen sich also teilweise, die höhere Prognose ist nach Última Hora die jüngere.

In Ciudad del Este staut sich der Arroyo Acaraymí im tief gelegenen Teil des Barrio San Rafael zurück und hat den Sportplatz und die Straßen des Viertels überflutet. Itaipú spricht von insgesamt rund 60 evakuierten Familien, unterstützt von Streitkräften, Marine, Freiwilligen und Nachbarn. La Nación berichtet von etwa 80 Menschen in einer städtischen Notunterkunft und nennt im selben Artikel zusätzlich 41 Familien, die das Sozialteam von Itaipú umgesiedelt habe. Wie sich beide Zahlen zueinander verhalten, geht aus den Berichten nicht hervor. Itaipú warnt laut Última Hora, dass auch auf brasilianischer Seite Gebäude betroffen sein könnten, und kündigt weitere Umsiedlungen an.

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Ayolas zwischen Alarmstufe und Überflutung

Die EBY hat am Sonntag ihren Hydrologie-Alarm Nr. 3 für Oktober veröffentlicht. Für den Hafen von Ayolas im Departamento Misiones erwartet sie in den kommenden Tagen 4,30 bis 5,10 Meter. Die Alarmstufe liegt bei 4,20 Metern, ab 4,50 Metern wird die Stadt überflutet. ABC Color gab den Stand am Sonntag mit 4,30 bis 4,40 Metern an. Als Ursache nennt die EBY Regen im Iguazú-Becken, der bis zum Fünffachen der Vorhersage erreichte, sowie höhere Abgaben der Stauseen flussaufwärts. Der Zufluss nach Yacyretá soll von rund 23.800 auf 24.000 bis 28.000 Kubikmeter pro Sekunde steigen. Die Vorhersagen reichen nach Angaben der EBY nur bis Montag und können sich ändern. In Ayolas hatten nach Angaben des örtlichen Notfallausschusses bis Samstag 43 Familien ihre Häuser verlassen, eine neuere Zahl lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Auch abseits des Paraná hat der Regen Folgen. In Concepción mussten laut La Nación nach starken Niederschlägen rund 150 Familien ihre Häuser verlassen, eine Bildunterschrift derselben Zeitung spricht von mehr als 100. Anwohner vermuten dort einen verstopften Abflusskanal als Ursache. In Cerrito im Departamento Ñeembucú bringt die Marine vorsorglich Menschen, Hausrat und Vieh an der Playa Boca Guasu in Sicherheit.

Sonderbulletin für Montag und Dienstag

Die Meteorologin Juana Martínez kündigte laut La Nación ein Sonderbulletin an. Die meisten Niederschläge werden im Zentrum und Osten der Región Oriental sowie in Teilen des Chaco erwartet, örtlich mit Starkregen, Gewittern und Hagel. Für Asunción und Central schloss sie ein Unwetter nicht aus. Ab Mittwoch soll sich das Wetter bessern. Im Süden können die Tiefstwerte auf 14 bis 15 Grad sinken, die Höchstwerte bleiben landesweit unter 25 Grad. Die Seiten der Wetterdirektion DMH mit Regionalprognose und Warnungen waren beim Abruf am Montagmorgen nicht erreichbar. Itapúa wird in den gelesenen Berichten nicht ausdrücklich genannt.

Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum

Für Encarnación und die Kolonien an der PY06 ergibt sich aus den vorliegenden Quellen keine unmittelbare Gefahr durch den Fluss, der Pegel dort hängt weitgehend vom Betrieb des Yacyretá-Kraftwerks ab. Wer in Ciudad del Este lebt oder dort Geschäfte betreibt, sollte die Lage in Ufernähe in den nächsten Tagen genau verfolgen und die Hinweise von Itaipú und Gemeinde beachten. Reisende und Angler mit Ziel Ayolas sollten sich vorher beim örtlichen Notfallausschuss oder der Gemeinde erkundigen. Die EBY rechnet wegen El Niño bis Jahresende mit weiteren Hochwasserlagen. Für alle, die ein Grundstück am Paraná kaufen wollen, ist das ein Anlass, sich die historischen Höchststände nennen zu lassen.

Quellen