Ort: Hohenau

  • Vom Müllplatz zur Rally-WM: Hohenau verwandelt ehemalige Deponie in Motorsport-Areal

    Vom Müllplatz zur Rally-WM: Hohenau verwandelt ehemalige Deponie in Motorsport-Areal

    Wo früher Abfälle abgelagert wurden, fahren heute die besten Rally-Piloten der Welt. In Hohenau wurde ein ehemaliger kommunaler Müllplatz zurückgewonnen und zum „3 Saltos“-Areal umgestaltet. An diesem Samstag ist das Gelände erneut Teil des Rally del Paraguay 2026.

    Hohenau, 29. August 2026. Die Geschichte des Rally-Areals „3 Saltos“ beginnt nicht mit Motorsport. Das Gelände wurde früher als kommunale Deponie genutzt. Heute stehen dort Zuschauer aus Paraguay und dem Ausland und verfolgen einen Lauf der Rallye-Weltmeisterschaft.

    Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Agencia IP begann die Umgestaltung unter Beteiligung der lokalen Bevölkerung. Das frühere Deponiegelände wurde schrittweise zurückgewonnen und für eine neue Nutzung vorbereitet. Seit der ersten Ausgabe des Rally del Paraguay ist der Bereich in das internationale Motorsportereignis eingebunden.

    Von der Deponie zur „Green Zone“

    Auch das paraguayische Umweltministerium MADES hebt das Projekt inzwischen als Beispiel kommunaler Flächenentwicklung hervor. Im Januar würdigte das Ministerium Hohenau für seine Umwelt- und Nachhaltigkeitsarbeit. Dabei wurde ausdrücklich die Umwandlung des ehemaligen Müllplatzes in eine „Green Zone“ für die Rally-WM genannt.

    Die Idee geht dabei über die optische Aufwertung einer Fläche hinaus. Ein Gelände, das früher der Abfallentsorgung diente, erhält eine neue Funktion für Sport, Freizeit und Veranstaltungen.

    Welche konkreten technischen Maßnahmen bei der Altlastenbehandlung und Bodensanierung durchgeführt wurden, geht aus den bisher veröffentlichten Behördeninformationen allerdings nicht im Detail hervor. Die Bezeichnung „zurückgewonnen“ sollte daher nicht automatisch mit einer vollständig dokumentierten ökologischen Sanierung gleichgesetzt werden.

    Drei Sprünge und gute Sicht auf die Strecke

    Heute ist der Bereich als „3 Saltos Vertedero“ bekannt. Für die Rally wurde dort ein besonders zuschauerfreundlicher Streckenabschnitt geschaffen.

    Bereits bei der Vorbereitung des ersten WRC-Laufs wurde das Areal als rund einen Kilometer langer Abschnitt mit drei Sprüngen und einem Tunnel beschrieben. Eine Besonderheit ist die vergleichsweise lange Sicht auf die Fahrzeuge. Während Zuschauer bei vielen Rallyprüfungen ein Auto nur wenige Sekunden sehen, lässt sich die Fahrt hier über einen größeren Teil des Abschnitts verfolgen.

    Der Name „Vertedero“, spanisch für Deponie oder Müllplatz, ist dabei nicht verschwunden. Auch die offizielle Zuschauerzone trägt 2026 die Bezeichnung „3 Saltos Vertedero Hohenau“.

    Heute zweimal WRC in Hohenau

    Am Samstag wird der Abschnitt zweimal befahren. Die erste Wertungsprüfung begann um 10:05 Uhr, die zweite Durchfahrt ist für 16:05 Uhr angesetzt.

    Die Zuschauerzone öffnete bereits um 7 Uhr. Neben den Streckenbereichen wurden Gastronomie, sanitäre Einrichtungen, Parkplätze und Campingmöglichkeiten eingerichtet.

    Die Rally bringt damit auch unmittelbare wirtschaftliche Aktivität in die Umgebung. Lokale Händler verkaufen Lebensmittel und Getränke, während Gastronomie, Unterkünfte und andere Dienstleister von den zusätzlichen Besuchern profitieren. Die Agencia IP berichtet am Samstag von Familien, Freundesgruppen sowie paraguayischen und internationalen Fans entlang des Streckenabschnitts.

    Ein ungewöhnliches Stück Stadtentwicklung

    Gerade diese Vorgeschichte macht 3 Saltos für Hohenau interessanter als einen gewöhnlichen Rallyabschnitt.

    Eine kommunale Problemfläche wurde nicht lediglich geschlossen und vergessen. Sie bekam eine neue Nutzung und ist inzwischen Bestandteil einer Veranstaltung, die Bilder aus Itapúa weltweit verbreitet.

    Das Organisationskomitee des Rally del Paraguay bezeichnete das ehemalige Deponiegelände bereits vor der Veranstaltung als Beispiel dafür, welchen dauerhaften Nutzen eine internationale Sportveranstaltung für ihre Austragungsorte hinterlassen könne.

    Ob sich der Standort langfristig auch außerhalb der Rally als Sport- und Freizeitfläche etabliert, wird sich noch zeigen. Für Hohenau hat sich die Wahrnehmung des Geländes jedoch bereits grundlegend verändert: vom ehemaligen Müllplatz zu einem Ort, an dem heute Weltmeisterschaft gefahren wird.

    Quellen: Agencia IP, Ministerio del Ambiente y Desarrollo Sostenible, Municipalidad de Hohenau, Rally del Paraguay
    Redaktion: Parapunto

  • Mit 19 schon Unternehmer: Wie Fabián Segovia aus Hohenau mehr als zehn Arbeitsplätze geschaffen hat

    Mit 19 schon Unternehmer: Wie Fabián Segovia aus Hohenau mehr als zehn Arbeitsplätze geschaffen hat

    Was mit geliehenen Stoffen und einem Schulprojekt begann, ist heute ein wachsendes Unternehmen. Der 19-jährige Fabián Segovia aus Hohenau beschäftigt mit seinem Veranstaltungsbetrieb inzwischen mehr als zehn Menschen.

    Hohenau. Fabián Segovia ist 19 Jahre alt, studiert im zweiten Jahr Internationalen Handel und führt bereits ein eigenes Unternehmen. Seine Firma Deco Events Recepciones organisiert und dekoriert Veranstaltungen in der Region Colonias Unidas. Mehr als zehn Personen arbeiten heute für den Betrieb.

    Angefangen hat alles deutlich kleiner.

    Schon als 15-Jähriger half Segovia seiner Tante bei Dekorationsarbeiten. Die erste eigene Gelegenheit ergab sich in der Schule. Für die Präsentation eines Abschlussprojekts wurde jemand gesucht, der die Räumlichkeiten dekorieren konnte. Segovia meldete sich, lieh sich Stoffe seiner Tante und übernahm den Auftrag.

    Für diese erste Arbeit erhielt er 80.000 Guaraní, derzeit etwa 11,50 Euro.

    Startkapital: rund 22 Euro

    Der entscheidende Impuls kam aus der Familie. Segovia hatte zunächst den Eindruck, für ein eigenes Dekorationsunternehmen viel Kapital zu benötigen. Seine Großmutter riet ihm dagegen, mit dem anzufangen, was bereits vorhanden war.

    Das tat er.

    Nach eigenen Angaben begann Deco Events mit lediglich 150.000 Guaraní, umgerechnet rund 21,50 Euro. Nach den ersten Aufträgen kamen weitere Kunden hinzu. Segovia investierte die Einnahmen wieder in Material und Ausstattung.

    Parallel dazu absolvierte er einen sechsmonatigen Grundkurs für Dekoration, während er weiterhin ganztägig die Schule besuchte. Aus den anfänglichen Dekorationsarbeiten entwickelte sich schrittweise ein umfassender Veranstaltungsservice.

    Vom Stoff zum kompletten Veranstaltungsservice

    Heute verfügt das Unternehmen über Tische, Stühle, Geschirr, Tischwäsche und weiteres Material für größere Veranstaltungen. Zwei Lagerräume wurden bereits errichtet, ein dritter für Geschirr und Ausstattung befindet sich laut Segovia in Fertigstellung.

    Auch die Familie ist weiterhin eingebunden. Seine Eltern unterstützen den Betrieb, ebenso seine über 70-jährige Großmutter, die sich noch immer um einen Teil der Stoffwäsche kümmert.

    Mit den Einnahmen finanziert Segovia inzwischen sein Studium und konnte sich nach eigenen Angaben bereits ein Auto kaufen. Gleichzeitig beschäftigt das Unternehmen mehr als zehn Mitarbeiter.

    Eine Hohenauer Gründergeschichte

    Interessant an Segovias Geschichte ist weniger das oft erzählte Motiv vom schnellen Erfolg eines jungen Unternehmers. Sein Weg zeigt vielmehr ein klassisches Prinzip kleiner Unternehmen in der Region: mit geringen Mitteln beginnen, vorhandene Fähigkeiten nutzen und das Angebot mit der Nachfrage wachsen lassen.

    Aus einem einzelnen Auftrag in der Schule entstand so innerhalb weniger Jahre ein Unternehmen mit Mitarbeitern, Lagerflächen und einem breiteren Dienstleistungsangebot.

    Die Geschichte wurde zunächst vom regionalen Radio San Fernando 100.3 FM aufgegriffen und anschließend von der paraguayischen Zeitung Crónica veröffentlicht.

    Quellen: Crónica, Radio San Fernando 100.3 FM
    Redaktion: Parapunto

  • Rally-WM heute in Hohenau: 3 Saltos wird zur internationalen Motorsportbühne

    Rally-WM heute in Hohenau: 3 Saltos wird zur internationalen Motorsportbühne

    Hohenau steht am Samstag im Mittelpunkt der Rallye-Weltmeisterschaft. Auf dem Abschnitt „3 Saltos“ werden zwei Wertungsprüfungen des Rally del Paraguay 2026 ausgetragen. Für Zuschauer wurde eine eigene Besucherzone eingerichtet.

    Hohenau, 29. August 2026. Heute kommt die Rallye-Weltmeisterschaft direkt nach Hohenau. Im Bereich 3 Saltos Vertedero fahren die Teilnehmer des WRC Rally del Paraguay gleich zweimal über denselben Streckenabschnitt.

    Die erste Durchfahrt als SS11 beginnt um 10:05 Uhr. Am Nachmittag folgt um 16:05 Uhr die zweite Durchfahrt als SS15. Die Tore der Zuschauerzone öffnen bereits um 7:00 Uhr und schließen um 18:00 Uhr.

    Die Gemeinde Hohenau ist gemeinsam mit weiteren Partnern an der Organisation der Zuschauerzone beteiligt. Noch am 24. August beschäftigte sich die Junta Municipal mit dem Kooperationsvertrag für die „Zona Preferencial Hohenau – 3 Saltos“.

    Eintritt ab rund 24 Euro

    Tickets für die allgemeine Zuschauerzone werden ab 170.000 Guaraní, derzeit etwa 24 Euro, angeboten. Ein Parkplatz im südlichen Bereich kostet zusätzlich 100.000 Guaraní, rund 14 Euro.

    Wer bereits am Freitagabend anreist, kann den dafür vorgesehenen Campingbereich nutzen. Die Zufahrt für Rallyfans ist dort ab 18:00 Uhr vorgesehen.

    Was Besucher mitnehmen dürfen

    Erlaubt sind unter anderem Klappstühle und Liegestühle. Pro Person darf außerdem ein Tereré-Thermos sowie Wasser in Behältern bis zwei Liter mitgebracht werden.

    Nicht erlaubt sind unter anderem Drohnen, große Sonnenschirme, Zelte und Lautsprecher. Auch mitgebrachte Lebensmittel und andere Getränke dürfen laut Veranstalter nicht in die Zuschauerzone mitgenommen werden. Taschen und Rucksäcke können beim Eingang kontrolliert werden.

    Hohenau als Teil der internationalen Rally-WM

    Die Zuschauerzone 3 Saltos gehört zu den offiziellen bevorzugten Zuschauerbereichen des Rally del Paraguay. Neben Hohenau gibt es entsprechende Bereiche unter anderem am Autódromo Capitán Miranda sowie beim abschließenden Ypecurú Power Stage in Encarnación.

    Für Hohenau ist der WRC inzwischen mehr als ein eintägiges Motorsportereignis. Bereits im vergangenen Jahr wurde der Bereich 3 Saltos für die Rally genutzt. Die Stadt positioniert sich damit innerhalb der Colonias Unidas auch touristisch als einer der Austragungsorte des internationalen Motorsports.

    Quelle: Municipalidad de Hohenau, Rally del Paraguay, Agencia IP
    Redaktion: Parapunto

  • Ka’a Rape, die Route der Yerba Mate durch Itapúa

    Ka’a Rape, die Route der Yerba Mate durch Itapúa

    Wer durch die neun Distrikte fährt, die sich Itapúa im Südosten Paraguays teilen, kreuzt früher oder später den Ka’a Rape, wörtlich übersetzt den Weg der Yerba. Der Name ist Guaraní, und das ist kein Zufall. Yerba Mate gilt in Paraguay als Vermächtnis der Guaraní selbst, lange bevor Jesuiten oder deutschsprachige Siedler in die Region kamen.

    Die 2015 von der staatlichen Tourismusbehörde Senatur eingerichtete Route führt unter anderem durch Hohenau, Obligado, Bella Vista, Trinidad und Jesús, mit den Jesuitenruinen von Trinidad und Jesús de Tavarangüe als markante Stationen unterwegs. Bella Vista, seit 2025 offiziell nationale Hauptstadt der Yerba Mate, bildet gemeinsam mit Hohenau und Obligado das Zentrum des Anbaus.

    Von der Plantage bis zum Tereré

    Der Rundgang führt durch Yerbales, die Anbauflächen, und durch die Verarbeitungsbetriebe, wo Besucher den Weg vom Blatt bis zur fertigen Yerba nachvollziehen können. Tereré, der kalt aufgegossene Nationaltrunk, hat seit 2015 sogar einen eigenen nationalen Feiertag, jeweils am letzten Samstag im Februar.

    Eine unerwartete deutsche Fußnote

    Wer die Route weiterverfolgt, stößt auf etwas, das DACH-Besucher nicht erwarten dürften: In Bella Vista und Hohenau, den Kolonien deutschsprachiger Einwanderer, verarbeiten kleine Brauereien, VolksBier in Bella Vista und Beerkingo in Hohenau, Yerba Mate selbst zu Bier. Zwei Traditionen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, treffen hier tatsächlich aufeinander.

    Voces Guaraní zu diesem Beitrag

    Ka’a Rape
    Wörtlich “Weg der Yerba”, aus ka’a (Yerba, Kraut) und rape (Weg, Pfad). Name der Tourismusroute selbst.
    Tereré
    Herkunft nicht eindeutig geklärt. Eine Erklärung führt es auf “te jere”, sinngemäß “Runde im Kreis”, zurück, mit der Jesuiten das gemeinsame Trinken der Guaraní beschrieben. Eine andere sieht es als lautmalerisch für das Geräusch der letzten Schlucke durch den Trinkhalm.

    Quelle: Gobernación de Itapúa, ABC Color Viajes, Secretaría Nacional de Turismo (Senatur), Billiken, Última Hora
    Redaktion: Parapunto