PARAPUNTO Radio Demo
Beispielmusik · noch kein Live-Sender
Sendeplan & mehr →
Paraguay heute … Asunción … Encarnación … Hohenau … Ciudad del Este … Chaco … 1 EUR = … 1 USD = …

12. Oktober 2026 · Asunción & Central

Grabung auf dem Cementerio del Este soll heute Klarheit über Agustín Goiburú bringen, verschwunden unter Stroessner

Grabsteine und Grabmäler auf einem Friedhof unter hohen Bäumen
Grabsteine auf einem Friedhof, nicht der Cementerio del Este. Symbolbild. Foto Jesse / Unsplash

Asunción, 12. Oktober 2026. Auf dem Cementerio del Este soll heute um 8 Uhr eine Grabung beginnen, mit der die Behörden nach den sterblichen Überresten des Arztes Agustín Goiburú suchen. Goiburú zählt zu den bekanntesten paraguayischen Opfern der Operation Condor, mit der die Militärregime in Südamerika Oppositionelle über Landesgrenzen hinweg verfolgten. Die Arbeiten leitet sein Sohn Rogelio Goiburú, der die Dirección de Memoria Histórica y Reparación im Justizministerium führt. Ob die Grabung wie angekündigt begonnen hat, ließ sich bis Redaktionsschluss nicht durch einen aktuellen Bericht bestätigen.

Entführt in Argentinien, verschwunden in Paraguay

Nach Darstellung von Última Hora wurde Goiburú am 9. Februar 1977 in der argentinischen Stadt Paraná von einem argentinisch-paraguayischen Kommando verschleppt. Der Arzt gehörte dem Mopoco an, einer Strömung oppositioneller Colorados, die sich gegen Diktator Alfredo Stroessner stellte. Er wurde nach den übereinstimmenden Berichten nach Paraguay gebracht und gilt seither als verschwunden. Rogelio Goiburú geht davon aus, dass sein Vater etwa einen Monat nach der Entführung auf dem Friedhof verscharrt wurde. Er spricht von „conjeturas sólidas“, also belastbaren Vermutungen, dass es sich um den richtigen Ort handeln könne. Ausgewählt wurde die Stelle anhand von Recherchen und Zeugenaussagen. Es sei das erste Mal, dass eine Grabung gezielt seinem Vater gelte, sagte er ABC Color.

Vorarbeiten mit Bodenradar

Anthropologen der Arizona State University hatten das Gelände zuvor mit Bodenradar untersucht und georeferenziert. Última Hora berichtete im März, das Team um Jake Harris und Adriana Sartorio habe ein Raster ausgelegt und auffällige Signale nach Koordinaten erfasst. Das Radar könne allerdings nicht zwischen einem Grab und anderen Veränderungen im Boden unterscheiden, erklärte Harris damals. Finanziert wird die Grabung laut ABC Color und Última Hora aus einem Freiwilligenfonds der Vereinten Nationen, der Staaten bei der Umsetzung der Universellen Periodischen Überprüfung unterstützt. Am Zugang an der Calle Arturo Pereira casi Profesor Carlos Dos Santos steht bereits ein Zelt. Wie lange die Arbeiten dauern, geben die Berichte nicht an. Última Hora verortet den Friedhof in Asunción, ABC Color nennt keine Stadt.

Anzeige

Sichtbar werden in Asunción & Central

Sponsoring-Plätze für Unternehmen, die genau in Asunción & Central bekannt werden wollen.

Sponsoring-Möglichkeiten ansehen

Bisherige Bilanz mit abweichenden Zahlen

Seit 2006 hat die Direktion nach ABC Color im ganzen Land 40 Skelette und Knochenfragmente geborgen. Vier in Paraguay gefundene Opfer wurden mit Hilfe des Argentinischen Teams für Forensische Anthropologie EAAF identifiziert, darunter Miguel Ángel Soler und Cástulo Vera Báez. Weitere 14 Paraguayer identifizierte das EAAF anhand von Überresten, die in Argentinien gefunden wurden. Die Angaben schwanken allerdings. Última Hora nannte im März 44 geborgene Körper, die aktuellen Berichte sprechen von 40, und ABC Color zählt 14 in Argentinien Identifizierte, führt aber nur 13 Namen auf. Im Fall Goiburú hatte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte Paraguay bereits im September 2006 im Urteil „Goiburú y otros vs. Paraguay“ verantwortlich gemacht und eine sofortige Suche angeordnet.

Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum

Die Diktatur Stroessners dauerte bis 1989, ihre Aufarbeitung ist bis heute nicht abgeschlossen. Wer nach Paraguay auswandert, begegnet dieser Geschichte im Alltag, etwa in Gesprächen mit älteren Nachbarn oder in politischen Debatten, in denen die Colorado-Partei, auf die sich Stroessner stützte, weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Für deutschsprachige Leser hat das Thema eine zusätzliche Ebene, denn Stroessner wurde in Encarnación als Sohn eines Einwanderers aus Bayern geboren. Die Suche nach Goiburú zeigt zugleich, dass internationale Zusammenarbeit mit Fachleuten aus Argentinien und den USA und Geld der Vereinten Nationen die Aufklärung voranbringen. Ein Fund wäre für die Angehörigen ein Abschluss nach fast fünfzig Jahren, ein ergebnisloser Abschluss der Grabung bliebe aber ebenso möglich.

Quellen