Asunción, 16. Oktober 2026. Während Itaipú am Paraná den Scheitel der aktuellen Flutwelle meldet, verlagert sich die Sorge nach Westen. Der Río Paraguay ist in der Hauptstadt binnen 15 Tagen um rund anderthalb Meter gestiegen, die Stadtverwaltung hat die gelbe Alarmstufe ausgerufen. Die nationale Katastrophenschutzbehörde SEN warnt, ein sehr starker El Niño könne Paraguay in den kommenden Monaten Wasserstände wie bei der historischen Flut von 1983 bringen.
Asunción bereitet die Bañados auf das Wasser vor
Nach Angaben von José Jara, Leiter des städtischen Risikomanagements, lag der Pegel am Donnerstag bei 2,29 Metern. Die Zeitung Hoy nannte für denselben Tag einmal 2,44 Meter am Morgen und in einem späteren Bericht rund zwei Meter, jeweils ohne Quellenangabe für die Messung. Die genaue Höhe bleibt damit offen, die Richtung ist in allen Berichten dieselbe. Kritisch wird es ab 3,5 Metern. Dann wären nach städtischen Angaben rund 3.300 Familien in den Uferzonen Bañado Tacumbú, Primavera und Santa Ana betroffen. Derzeit werde noch keine Familie betreut, sagte Jara („De momento no hay familias asistidas“).
Die Junta Municipal hat den Notstand erklärt. 7.000 Millionen Guaraní stehen für Umsiedlungen und provisorische Unterkünfte bereit, weitere 5.500 Millionen für Brücken und Stützmauern. Die Standorte der Notquartiere hält die Stadt bewusst zurück, damit sie nicht vorzeitig besetzt werden. Parallel plant die SEN mit dem Verteidigungsministerium, Familien aus den Bañados im Ernstfall auf das Gelände des Infanterieregiments RI 14 zu bringen. Verteidigungsminister Óscar González kündigte an, Kasernen als Notunterkünfte zu öffnen. Rund 350 Familien in Ciudad del Este und mehr als 60 in Ayolas seien bereits mit Hilfe der Streitkräfte umgezogen.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenWarnung vor einem Verlauf wie 1983
SEN-Minister Arsenio Zárate beruft sich auf die Weltorganisation für Meteorologie, die US-Behörde NOAA und den paraguayischen Wetterdienst. „El Niño va a ser categoría muy fuerte“, sagte er laut ABC Color, man könne die Pegel von 1983 erreichen. Damals stieg der Río Paraguay von Dezember 1982 bis Juni 1983, im Mai lag er in der Region über zehn Metern, in Pilar brachen am 24. Mai die Schutzdämme. Auch die Hydrologin María Alejandra Cristanchi vom Kraftwerk Yacyretá erwartet nach einem Bericht von La Nación, dass sich das Phänomen von Oktober bis Februar verstärkt. Die Entidad Binacional Yacyretá spricht in ihrem Hydrologie-Alarm vom 14. Oktober von einer hohen Wahrscheinlichkeit weiterer Hochwasser bis Dezember. Der Vergleich mit 1983 ist damit eine Warnung vor einem möglichen Verlauf, keine Vorhersage eines bestimmten Pegels.
Paraná am Scheitel, Ayolas weiter unter Wasser
An der Messstation Puente de la Amistad in Ciudad del Este erreichte der Paraná am Donnerstagabend 120,81 Meter über dem Meer. Itaipú bezeichnete das als erwarteten Scheitel dieser Welle und rechnet mit einem leichten Rückgang, mahnt wegen neuer Regenfälle aber zur Vorsicht. Mehr als 600 Menschen wurden in der Stadt in Sicherheit gebracht. Am schwersten ist die Lage weiter flussabwärts in Ayolas im Departamento Misiones. Última Hora zählt dort 686 evakuierte Familien mit 1.949 Personen in 13 Notunterkünften, der Pegel lag bei 6,20 Metern und damit klar über der Überflutungsmarke der Stadt von 4,50 Metern. La Nación nennt in ihrer Freitagsausgabe dagegen gut 138 evakuierte Familien. Ob die Zahlen unterschiedlich alt sind oder Verschiedenes zählen, geht aus den Berichten nicht hervor. Die ANDE hat in überfluteten Vierteln mehr als 211 Stromzähler abgebaut, in Yabebyry wurden mehr als 2.000 Rinder auf höheres Gelände gebracht.
Yacyretá erwartete steigende Zuflüsse bis heute Freitag und danach eine Stabilisierung. Für das Einzugsgebiet sagt die Behörde ab Samstag keinen nennenswerten Regen voraus.
Einordnung für den DACH-Raum
Für Deutschsprachige in Asunción kommt es vor allem auf die Lage der Wohnung an. Gefährdet sind nach Angaben der Stadt die flussnahen Bañados, nicht die Stadt als Ganzes. Wer in Ufernähe mietet oder kauft, sollte die städtischen Warnstufen verfolgen und vor einer Entscheidung nach der Hochwassergeschichte des Grundstücks fragen. Reisende müssen mit geschlossenen Flussübergängen nach Argentinien rechnen, mehrere Häfen in Itapúa und Ñeembucú sind seit Tagen dicht. Für Landwirte und Investoren zählt der Zeithorizont. Hält die Flutperiode bis ins nächste Jahr an, leiden Weideland, Reisanbau und die Logistik über die Flüsse. Der Reisverband Feparroz sieht wegen der Nässe bereits rund 30 Prozent des Reisanbaus bedroht.
Quellen
- ABC Color, 15. Oktober 2026, Alerta amarilla en Asunción, rápida crecida del río amenaza a más de 3.300 familias
- ABC Color, 15. Oktober 2026, El Niño, SEN advierte que Paraguay podría enfrentar una crecida histórica como la de 1983
- ABC Color, 15. Oktober 2026, FF.AA. despliegan recursos ante inundaciones y habilitan cuarteles como refugios
- Hoy, 15. Oktober 2026, Es inminente la crecida en Asunción y preocupa la Chacarita
- Hoy, 15. Oktober 2026, Asunción activa plan preventivo ante la crecida del río
- Última Hora, 15. Oktober 2026, Río Paraná alcanza los 120,81 metros en la estación Puente de la Amistad
- Última Hora, 16. Oktober 2026, El avance del Paraná en Ayolas, ya son 686 las familias evacuadas
- Última Hora, 15. Oktober 2026, Declaran emergencia, cierran pasos y suman damnificados en el sur
- La Nación, 15. Oktober 2026, El Niño amenaza con prolongar las crecidas de los ríos
- La Nación, 16. Oktober 2026, Ayolas, familias se ven forzadas a buscar refugio en zonas altas
- Entidad Binacional Yacyretá, 14. Oktober 2026, Alerta Hidrológico N° 06/octubre
- Más Encarnación (nach La Tribuna), 15. Oktober 2026, Inclemencias climáticas amenazan el 30% del cultivo de arroz