Asunción, 15. Oktober 2026. Im Streit um Ueno Bank liegt ein neues Dokument auf dem Tisch. ABC Color veröffentlichte am Donnerstag Auszüge aus einem internen Memorandum der Zentralbank (BCP), das Zweifel an der Kapitalausstattung der Bank äußert. Das Papier stammt vom 29. Juni 2026 und damit aus der Zeit vor dem Bericht, mit dem der BCP am 7. Oktober dem Senat versicherte, bei Ueno bestehe kein Solvenzproblem. Eine Reaktion von Zentralbank oder Bank auf den neuen Bericht lag bis zum Redaktionsschluss in den gelesenen Quellen nicht vor.
Was im Memorandum steht
Verfasst hat das Memorandum nach ABC das Direktoriumsmitglied Carmen Marín, gerichtet ist es an die Bankenaufsicht (Superintendencia de Bancos) unter Holger Insfrán. Marín verweist darin auf ihre Position, die im Protokoll Nr. 27 der Direktoriumssitzung vom 19. Juni 2026 festgehalten sei. Das Protokoll selbst hat ABC nicht veröffentlicht, die Zeitung zeigt Fotos einzelner Seiten des Memorandums und formuliert ihre Schlussfolgerungen teils im Konjunktiv.
Im Zentrum stehen zwei Beteiligungen aus dem Abschluss 2025, an Red Digital SA (Upay) mit 236.231 Millionen Guaraní und an Red Digital de Procesamiento SA (Wepa) mit 640.409 Millionen Guaraní. Zusammen sind das 876.640 Millionen Guaraní, nach ABC rund 146 Millionen US-Dollar. Würde man diese Beteiligungen vom Kernkapital abziehen, geriete die Bank laut Memorandum in eine Lage mit „mayor déficit de solvencia patrimonial“, also einem größeren Kapitaldefizit. Die geplante Umwandlung von Wepa in eine Tochtergesellschaft sei nicht zustande gekommen, was die Solvenz weiter schwächen könne. Das gesetzliche Minimum für das Kernkapital liegt nach ABC bei acht Prozent. Eine konkrete Kapitalquote von Ueno nennt der Bericht nicht.
Sichtbar werden in Asunción & Central
Sponsoring-Plätze für Unternehmen, die genau in Asunción & Central bekannt werden wollen.
Sponsoring-Möglichkeiten ansehenAußerdem verlangt das Memorandum eine vollständige Prüfung der Geschäfte mit verbundenen Unternehmen, weil die Abschlussprüfung nur fünf Firmen der Grupo Vázquez berücksichtigt habe. Ein Bericht der Aufsicht über den Machbarkeitsplan der Bank, der laut Resolution Nr. 32 vom 27. Mai 2024 mindestens alle zwei Jahre fällig ist, habe dem Direktorium bis Ende Juni nicht vorgelegen.
Was die Zentralbank dem Senat mitgeteilt hat
Der BCP hatte in seinem Bericht vom 7. Oktober an den Senat eine andere Linie vertreten, wie La Nación und El Trueno übereinstimmend berichteten. Demnach überschritt Ueno die gesetzliche Grenze für Geschäfte mit verbundenen Unternehmen von 20 Prozent des haftenden Eigenkapitals. Die Aufsicht stellte das selbst fest, informierte die Bank am 5. Juni, und am 15. Juni lag Ueno wieder im Rahmen, also innerhalb der gesetzlichen Frist von zehn Tagen. Ein Sanierungsplan war deshalb nicht nötig, Sanktionen gab es nicht. Nach La Nación erfüllte weder Ueno noch eine andere Bank einen der Auslöser für ein Sanierungsverfahren, auch nicht eine Solvenz unter dem gesetzlichen Minimum. Gegen den Verkauf eines Kreditportfolios, mit dem die Überschreitung behoben wurde, läuft allerdings ein Verwaltungsverfahren, das nach El Trueno noch zu keinem Ergebnis gekommen ist. ABC beziffert die Überschreitung unter Berufung auf einen Aufsichtsbericht vom 8. Juni auf 35 Prozent des haftenden Eigenkapitals, die beiden anderen Medien nennen keine Größenordnung.
Der Widerspruch ist damit nicht aufgelöst. Die Zentralbank stützt sich auf die fristgerechte Korrektur bei den verbundenen Unternehmen, das Memorandum betrifft dagegen die Frage, wie die Beteiligungen beim Kapital zu bewerten sind. Ob der Bericht an den Senat auf die Bedenken aus dem Juni eingeht, lässt sich anhand der gelesenen Quellen nicht sagen. ABC wertet das Memorandum als Hinweis, dass dem Senat Informationen vorenthalten wurden. Das ist eine Einschätzung der Zeitung, keine festgestellte Tatsache. ABC weist zudem darauf hin, dass BCP-Präsident Carlos Carvallo früher die Financiera Ueno geleitet hat, und kündigt weitere Veröffentlichungen an.
Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum
Für Auswanderer und Investoren mit Konten in Paraguay ist vor allem die Einlagensicherung wichtig. Nach den Angaben des BCP schützt der Fondo de Garantía de Depósitos nach Gesetz 2334/03 Guthaben bis zu 75 Mindestlöhnen pro Person und Institut, beim aktuellen Mindestlohn laut BCP-Seite 228,3 Millionen Guaraní. Ueno Bank ist dort als teilnehmendes Institut aufgeführt. Ausdrücklich gilt der Schutz für Inländer und Ausländer und für Einlagen in verschiedenen Währungen. Höhere Beträge sind nicht gedeckt, eine Verteilung auf mehrere Konten derselben Bank ändert daran nichts. Wer größere Summen hält, kann sie auf mehrere Institute verteilen. Eine akute Gefahr für Sparer hat bisher keine Behörde festgestellt, die Zentralbank hat Gerüchte über eine Intervention Anfang Oktober zurückgewiesen. Für Investoren zeigt der Fall, wie offen in Paraguay derzeit über die Arbeitsweise der Bankenaufsicht gestritten wird. Dass ein internes Papier des Direktoriums an die Presse gelangt, ist dafür ein deutliches Signal.
Quellen
- ABC Color, 15. Oktober 2026, Acta del directorio del BCP observa situación de solvencia de Ueno Bank
- La Nación, 9. Oktober 2026, Informe del BCP: ueno excedió el límite, pero corrigió a tiempo
- El Trueno, 8. Oktober 2026, BCP confirma que ueno corrigió en plazo el exceso a límites de vinculados y no plantea cuestionamientos a su solvencia
- 5Días, 7. Oktober 2026, El BCP desmiente rumores de intervención ante el informe sobre ueno
- Banco Central del Paraguay, abgerufen am 15. Oktober 2026, Fondo de Garantía de Depósitos, Preguntas Frecuentes