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9. Oktober 2026 · Asunción & Central, Paraguay

Zentralbank bestätigt Verwaltungsverfahren zu Ueno Bank, Senat befragt heute die Aufsicht

Gebäude mit Säulenfassade an einer Straße, Symbolbild für Banken und Finanzaufsicht
Gebäude mit Säulenfassade, stellvertretend für Banken und Finanzaufsicht. Symbolbild. Foto Megan O'Hanlon / Unsplash

Asunción, 9. Oktober 2026. Der Bericht der Zentralbank BCP zu Ueno Bank ist kein Geheimpapier mehr. Senatspräsident Basilio Núñez öffnete den versiegelten Umschlag am Donnerstag kurz nach 13 Uhr Ortszeit vor dem Präsidium und ließ Kopien an die Senatorinnen und Senatoren verteilen. Laut Última Hora kursierte der Inhalt binnen einer Stunde im Netz. Am Morgen hatte Núñez noch angekündigt, mit der Öffnung bis Montag zu warten. Heute um 10 Uhr Ortszeit, 15 Uhr in Wien, soll die BCP dem Senatspräsidium in einer nichtöffentlichen Sitzung Rede und Antwort stehen.

Was die Zentralbank bestätigt

Der 31 Blatt starke Bericht beantwortet fünf Anfragen des Senats. Nach der Darstellung von Última Hora beschreibt die BCP drei Vorgänge. Erstens habe die Bank Kunden einer verbundenen Gruppe aus ihren eigenen Aufstellungen genommen, während die Zentralbank sie weiter als verbunden führte. Eine interne Analyse endete am 5. Juni 2026 mit der Aufforderung zur Korrektur, am 16. Juni meldete die Bank, wieder innerhalb der gesetzlichen Grenzen zu liegen. Zweitens ordnete die Bankenaufsicht am 24. Juli an, bestimmte Firmen der verbundenen Gruppe zuzurechnen und das Risiko neu zu berechnen. Drittens läuft ein Verwaltungsverfahren, ein sogenannter sumario administrativo, zu einem Verkauf von Kreditforderungen aus dem Jahr 2024. Geprüft wird, ob die Bank den Käufer dieses Portfolios indirekt selbst finanziert hat.

Die BCP macht eine wichtige Einschränkung. Zivilrechtlich habe der Abtretungsvertrag die Gültigkeitsvoraussetzungen erfüllt, über eine Nichtigkeit könne nur ein Gericht entscheiden. Im Text des Berichts ist laut Última Hora nur von „la entidad“ die Rede, den Namen Ueno nennen Überschrift und Vorspann der Zeitung. La Nación ordnet das Verfahren ebenfalls Ueno zu, setzt aber andere Akzente. Demnach gab es in den vergangenen 24 Monaten einen einzigen Fall überschrittener Grenzen bei Krediten an verbundene Unternehmen, und dieser sei behoben. Die Übernahme von Visión Banco habe das Direktorium genehmigt, einen förmlichen Sanierungsplan bestätige der Bericht nicht.

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Das Memo von Fernando Rivarola

Auch das umstrittene interne Memo existiert. Laut Última Hora schildert die BCP, dass der frühere Aufsichtsleiter Fernando Rivarola am 6. Juli per Dekret in den Vorstand der Entwicklungsagentur AFD berufen und am 9. Juli beurlaubt wurde. Am 10. Juli schickte er das Schreiben per E-Mail an den Superintendenten, ohne dass es im offiziellen Ablagesystem erfasst wurde. Eine Antwort habe das Memo nicht verlangt. Einige Punkte seien der Bank bereits förmlich mitgeteilt worden, andere würden noch geprüft.

Neue Zahlen von ABC Color, Gegenrede der Bank

ABC Color legte in der Nacht nach. Die Zeitung beruft sich auf einen Bericht der Aufsicht vom 8. Juni 2026 und will seine Echtheit bei mehreren Quellen geprüft haben. Demnach übernahm José Sala, bis Dezember 2024 stellvertretender Geschäftsführer bei Ueno, im September 2025 die Mehrheit an der Firma Mowi SA. Sieben Tage später habe Ueno ihr einen ersten Kredit über 12,5 Millionen US-Dollar ohne Sicherheiten gewährt. Bis April 2026 summierten sich Kredite und Überziehungen auf 254.157 Millionen Guaraní, rund 42,5 Millionen US-Dollar. Das Geld sei an Firmen derselben Gruppe weitergeflossen. Diese Darstellung stammt allein von ABC Color. Ueno-Präsident Juan Gustale sagte laut ABC Color im Sender 1080 AM, die Bank habe innerhalb der gesetzlichen Fristen alles bereinigt. Eine zeitweise Überschreitung sei für sich genommen keine Unregelmäßigkeit.

Politischer Streit und verunsicherte Kunden

Im Senat gehen die Deutungen weit auseinander. Die Colorado-Senatorin Lilian Samaniego sieht hinter den Anfragen einen Machtkampf zweier Gruppen innerhalb der Regierungsströmung Honor Colorado. „Un pedido de informe no es una intervención, ni una crisis“, sagte sie. Ihre Kollegin Celeste Amarilla betonte, der Kongress könne letztlich nur zur Kenntnis nehmen, was die Zentralbank mitteilt. Laut Última Hora hatten Audiobotschaften über eine angebliche Intervention bei Ueno Kundinnen und Kunden verunsichert, zeitweise war auch die App gestört. Die Bank führte das auf ein Update zurück. Die BCP erklärte, das Finanzsystem verfüge über angemessene Solvenz und Liquidität und arbeite normal.

Unklar ist, wer die Zentralbank heute vertritt. Última Hora nennt Miguel Ángel Mora als amtierenden Präsidenten, dazu Bankenaufseher Holger Insfrán, Direktoriumsmitglied Marco Aurelio González und den Leiter der Rechtsabteilung Aldo Rodríguez. La Nación schreibt dagegen, eingeladen sei BCP-Präsident Carlos Carvallo Spalding.

Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum

Ein sumario administrativo ist ein förmliches Prüfverfahren der Aufsicht, das in Sanktionen münden kann. Mit einer Intervention oder Abwicklung ist es nicht gleichzusetzen, und keine der ausgewerteten Quellen berichtet von einer Gefährdung der Einlagen. Wer als Zugewanderter ein Konto bei Ueno führt, findet die Regeln der staatlichen Einlagensicherung in unserem Beitrag vom 8. Oktober. Für Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist der Fall ein Prüfstein. Paraguay wirbt mit seinem Investment Grade um Kapital, und die Glaubwürdigkeit dieses Versprechens hängt auch daran, ob die Bankenaufsicht unabhängig von politischer Nähe arbeitet. Dass Präsident Santiago Peña nach Angaben von ABC Color bis März 2025 Geschäftspartner der Grupo Vázquez war, zu der Ueno gehört, macht diese Frage heikel. Ob die heutige Sitzung neue Fakten bringt, ist offen, weil sie hinter verschlossenen Türen stattfindet.

Quellen