Encarnación, 7. Oktober 2026. Der paraguayische Wetterdienst DMH hat am Mittwochvormittag ein neues Sonderbulletin herausgegeben und das Departamento Itapúa der orangen Warnzone zugeordnet. Für Donnerstag und Freitag rechnet er dort mit kräftigen Gewittern, Starkregen, Hagel und Windböen, die 80 bis 90 Kilometer pro Stunde erreichen oder übertreffen können. Das Bulletin trägt den Zeitstempel 10.45 Uhr Ortszeit. Es geht damit über die Sonderinformation vom Dienstag hinaus, die zwar Regenmengen für die ganze Woche nannte, aber noch keine einzelnen Departamentos auswies.
Was die Warnung besagt
Laut dem von Última Hora wiedergegebenen Bulletin umfasst die orange Zone Ñeembucú, Misiones, Itapúa, Paraguarí, Caazapá, Guairá, Alto Paraná, Central, Cordillera und Caaguazú sowie Asunción, den Süden von Canindeyú und den äußersten Süden von Presidente Hayes. Erwartet werden 60 bis 100 Millimeter Regen, örtlich auch mehr, dazu häufige Blitze und eine hohe Wahrscheinlichkeit von Hagel.
DMH-Direktor Eduardo Mingo zählte Itapúa gegenüber ABC Color neben Ñeembucú und Misiones zur „primera línea de ingreso del sistema“. Gemeint sind die Gebiete, über die das Unwetter zuerst ins Land zieht. Mingo verglich die Lage mit dem Hagelsturm vom vergangenen Samstag und sagte wörtlich „El sistema es igualito“. Als Zeitraum mit der größten Gefahr nannte er Donnerstag und Freitag.
Sichtbar werden in Asunción & Central
Sponsoring-Plätze für Unternehmen, die genau in Asunción & Central bekannt werden wollen.
Sponsoring-Möglichkeiten ansehenZeitangaben gehen auseinander
Bei der Ankunftszeit unterscheiden sich die Angaben. Nach dem Bulletin trifft das System am Donnerstagmorgen zuerst Ñeembucú und Misiones und erreicht Itapúa ab dem Donnerstagnachmittag. Mingo sagte dagegen gegenüber ABC Color, die Gewitter könnten die Südgrenze schon am Mittwoch und in der Nacht auf Donnerstag erreichen. Auch ein Bericht von Última Hora aus Ayolas spricht von einer Warnung, die bereits für die Nacht auf Donnerstag gilt. Sicher ist nach allen Quellen nur, dass Donnerstag und Freitag die kritischen Tage sind. Am Freitag sollen die Bedingungen laut Bulletin rund um die Uhr anhalten, Ausläufer sind laut DMH bis Samstag möglich.
Paraná steigt weiter, Ayolas bereitet Notunterkünfte vor
Gleichzeitig steigt der Río Paraná. Die Entidad Binacional Yacyretá hatte am Dienstag für den Hafen von Ayolas eine hydrologische Alarmstufe ausgerufen und für die kommenden Tage einen Zufluss von 21.000 bis 26.000 Kubikmetern pro Sekunde vorhergesagt. Am Mittwochmorgen stand der Pegel in Ayolas laut Última Hora bei 4,10 Metern, im Lauf der Woche werden rund 4,30 Meter erwartet. In Ayolas treffen 50 provisorische Wohneinheiten ein, zudem bereitet der örtliche Krisenstab mehrere Notunterkünfte vor.
Die Schwellenwerte werden dabei unterschiedlich angegeben. Die Yacyretá nennt 4,20 Meter als Alarmstufe und 4,50 Meter als Grenze, ab der die Stadt überflutet wird. Das örtliche Protokoll setzt die rote Stufe dagegen schon bei 4,30 Metern an. Für Encarnación nennt keine der ausgewerteten Quellen eine unmittelbare Gefahr durch den Fluss.
Was die Behörden raten
Der Wetterdienst empfiehlt, lose Gegenstände zu sichern, keine überfluteten Straßen zu durchqueren und sich bei Gewitter von Bäumen und offenen Flächen fernzuhalten. Mingo bat ausdrücklich darum, sich an offiziellen Kanälen zu orientieren und nicht an alten Videos oder Beiträgen von Hobbymeteorologen. Ein Warnsystem per Mobiltelefon, das die Regulierungsbehörde Conatel und das Technologieministerium Mitic vorbereiten, ist noch nicht in Betrieb.
Einordnung für Leserinnen und Leser im DACH-Raum
Die paraguayische Warnskala ist nicht deckungsgleich mit der europäischen. Zum Vergleich wertet der Deutsche Wetterdienst Böen von 75 bis 88 km/h als Sturmböen der Stufe „markantes Wetter“, ab 89 km/h beginnt die Unwetterwarnung. Die für Itapúa erwarteten Werte liegen also genau an dieser Schwelle. Bewahrheitet sich die Prognose, wäre es das zweite Hagelunwetter in der Region binnen einer Woche. Der Wetterdienst bringt die nasse Phase mit El Niño in Verbindung. Auch die Yacyretá führt die erwarteten hohen Pegelstände am Paraná bis zum Jahresende auf El Niño zurück.
Für landwirtschaftliche Betriebe in den deutschsprachig geprägten Kolonien wie Hohenau, Obligado und Bella Vista ist Hagel in dieser Phase das größte unmittelbare Risiko, weil vielerorts noch Weizen auf den Feldern steht. Wer in diesen Tagen aus Europa anreist oder Fahrten zwischen Encarnación und Asunción plant, hält den Donnerstag und den Freitag besser flexibel. Besonders gewarnt wird vor den sogenannten raudales, reißenden Wasserläufen, die sich bei Starkregen binnen Minuten auf Straßen bilden.
Quellen
- Última Hora, 7. Oktober 2026, Alerta naranja. Las zonas con mayor riesgo de caída de granizo (mit dem Sonderbulletin der DMH vom 7.10.2026, 10.45 Uhr)
- ABC Color, 7. Oktober 2026, ¿El temporal de mañana será tan fuerte como el del sábado? Esto dice Meteorología
- Última Hora, 7. Oktober 2026, Ante crecida del río Paraná en Ayolas, activan alerta y preparan albergues
- Entidad Binacional Yacyretá, 6. Oktober 2026, Alerta Hidrológico N° 01/octubre
- Dirección de Meteorología e Hidrología, 7. Oktober 2026, Reporte meteorológico, 06.29 Uhr
- Más Encarnación, 7. Oktober 2026, Temporal ingresaría al país desde las primeras horas del jueves