Asunción, 5. Oktober 2026. Die Hauptstadt bekommt eine Bürgermeisterin aus der Opposition. Nach den vorläufigen Zahlen der Schnellauszählung TREP bei 99,92 Prozent verarbeiteter Wahltische gewann Soledad Núñez von der Alianza Juntos por Asunción mit 133.325 Stimmen oder 47,78 Prozent. Camilo Pérez, Kandidat der regierenden Colorado-Partei ANR und Präsident des Olympischen Komitees, kam auf 128.301 Stimmen oder 45,98 Prozent. Pérez hat seine Niederlage bisher nicht anerkannt.
Knapper Vorsprung, hohe Symbolkraft
Der Abstand beträgt 5.024 Stimmen. Die Zahlen stimmen bei Infobae, das sich auf die Agentur EFE stützt, sowie bei Última Hora und El Nacional überein. Die Beteiligung in Asunción stieg auf 61,75 Prozent nach 59,65 Prozent bei der Kommunalwahl 2021. Die Stadt wird derzeit von Luis Bello (ANR) verwaltet. Er übernahm im August 2025, nachdem sein Parteifreund Óscar Rodríguez während einer staatlichen Intervention zurückgetreten war, die der Gemeinde Zahlungsunfähigkeit attestiert hatte.
Núñez war unter Präsident Horacio Cartes Ministerin für Wohnungsbau. Über ihre Ausbildung berichten die Medien unterschiedlich, El Nacional nennt sie Architektin und Stadtplanerin, Infobae Bauingenieurin. Unterstützt wurde sie nach eigenen Worten von ihrer Allianz, den Liberalen und Patria Querida. Am Wahlabend sagte sie vor Anhängern „Asunción votó, Asunción ganó“. Infobae und ABC Color werten das Ergebnis als Stimmungstest für die Präsidentschaftswahl 2028.
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Im Fernsehsender Telefuturo kündigte Núñez nach Angaben von Última Hora eine umfassende Prüfung der Stadtfinanzen an, die die Amtszeit von Rodríguez und die laufende Verwaltung einschließt. Sie wolle „hasta el último guaraní“ auditieren und gegen Schattenkassen sowie Scheinbeschäftigte vorgehen. Berichten zufolge habe die Stadt in Wahrheit mehr als 9.000 Beschäftigte. Erste Prioritäten seien Müllabfuhr und Verkehr, die städtische Verkehrspolizei wolle sie abschaffen. Für den Aufbau ihres Teams rechne sie mit rund 30 Tagen bis zum Amtsantritt. Eine Kandidatur für das Präsidentenamt schloss sie aus, sie wolle die vollen fünf Jahre bleiben.
Colorados warten auf die Prüfung der Wahlakten
Pérez erklärte am Parteisitz, er wolle die offizielle Prüfung der Wahlakten durch die Justicia Electoral abwarten. Sein Team beginne am Montag um 14 Uhr mit der Arbeit. Ein Termin für diese Prüfung war bis Montagmorgen nicht bekannt. Präsident Santiago Peña mahnte zur Zurückhaltung, niemand könne „una victoria rutilante ni una pérdida estrepitosa“ verkünden. Den Abstand in Asunción bezifferte er mit 1 bis 1,5 Prozent, nach den TREP-Zahlen sind es allerdings 1,8 Prozentpunkte. Landesweit rechnet Peña nach eigener Zählung mit rund 186 Rathäusern für die ANR, nach 163 im Jahr 2021. Eine offizielle Gesamtzahl für die 263 Gemeinden lag noch nicht vor.
Auch in Ciudad del Este liegt die Opposition vorn. Daniel Mujica von der Bewegung Yo Creo um Miguel Prieto führt nach El Nacional deutlich vor dem Colorado Rigo Chamorro, ABC spricht von einer zweiten virtuellen Niederlage der ANR. In Fernando de la Mora und Ñemby gewannen Liberale, in Luque und Concepción setzten sich die Colorados durch. In Encarnación holte die ANR das Rathaus nach zwei Amtszeiten der Opposition zurück, wie parapunto in einem eigenen Beitrag berichtet. Wegen mutmaßlicher Wahldelikte meldete die Staatsanwaltschaft landesweit 22 Festnahmen.
Einordnung für den DACH-Raum
Für Zugezogene und Immobilienbesitzer in Asunción ist der Wechsel im Rathaus spürbarer als manche nationale Entscheidung. Die Gemeinde ist für Müllabfuhr, Straßen, Verkehrskontrollen, Baugenehmigungen und die Immobiliensteuer zuständig. Eine Prüfung der Finanzen und ein Umbau der Verwaltung können anfangs zu Verzögerungen bei Anträgen führen, ob die Abläufe danach verlässlicher werden, muss sich erst zeigen. Am wirtschaftspolitischen Rahmen des Landes, der für Investoren entscheidend ist, ändert eine Kommunalwahl unmittelbar nichts. Politisch zeigt das Ergebnis vor allem, dass die regierende ANR in den beiden größten Städten verwundbar ist, auch wenn sie landesweit nach eigener Rechnung zulegt. Alle Zahlen sind vorläufig, bis die Justicia Electoral die Wahlakten geprüft hat.
Quellen
- Infobae (EFE), 5. Oktober 2026, „Soledad Núñez ganó la intendencia de Asunción y desplazó al Partido Colorado“
- ABC Color (EFE), 4. Oktober 2026, „Candidata opositora gana las elecciones municipales de Asunción“
- Última Hora, 4. Oktober 2026, „Camilo Pérez no reconoce su derrota y anuncia que aguardará juzgamiento de actas“
- Última Hora, 4. Oktober 2026, „Soledad Núñez: Vamos a atacar las cajas paralelas y auditar hasta el último guaraní“
- El Nacional, 4. Oktober 2026, „Batacazo de Sole Núñez en Asunción“
- Prensa Mercosur (El Observador), 4. Oktober 2026, „Soledad Núñez derrumba a la ANR en Asunción“
- ABC Color, 4. Oktober 2026, „Encarnación vuelve a manos del Partido Colorado“
- ABC Color, 4. Oktober 2026, „Allanaron vivienda de Hernán Rivas y suman 22 los detenidos“