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20. September 2026 · Paraguay

Weltbank sieht Paraguay vor einer neuen wirtschaftlichen Entwicklungsphase

Susana Cordeiro Guerra bei ihrem Paraguay-Besuch oder der Eröffnung des neuen Weltbank-Büros in Asunción.
Susana Cordeiro Guerra bei ihrem Paraguay-Besuch oder der Eröffnung des neuen Weltbank-Büros in Asunción.

Asunción, 20. September 2026. Paraguay habe in den vergangenen Jahren wichtige wirtschaftliche Voraussetzungen geschaffen. Nun müsse das Land daraus mehr Investitionen, höhere Produktivität und bessere Arbeitsplätze entwickeln. Zu dieser Einschätzung kommt Susana Cordeiro Guerra, Vizepräsidentin der Weltbank für Lateinamerika und die Karibik, bei ihrem aktuellen Besuch in Paraguay.

Die Ausgangslage sei vergleichsweise günstig. Paraguay habe seine makroökonomische Glaubwürdigkeit gestärkt, über mehrere Jahre Wachstum erzielt und seine internationale Position als Investitionsstandort verbessert. Gleichzeitig sank nach Angaben der Weltbank die Armutsquote von mehr als 50 Prozent vor rund 20 Jahren auf 16 Prozent im Jahr 2025. Allein innerhalb der letzten beiden Jahre hätten etwa 300.000 Menschen die Armutsgrenze überschritten.

Doch genau an diesem Punkt sieht die Weltbank auch die nächste Herausforderung.

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Stabilität allein schafft noch keinen Wohlstand

Eine stabile Wirtschaft ist zunächst nur die Voraussetzung. Entscheidend ist, ob daraus produktive Unternehmen, Investitionen und Arbeitsplätze mit höheren Einkommen entstehen.

Cordeiro Guerra sieht deshalb drei wesentliche Aufgaben für Paraguay. Das Land müsse seine makroökonomische Stabilität in höhere Produktivität übersetzen, stärker privates Kapital mobilisieren und seine Wirtschaft schrittweise von der überwiegenden Produktion von Rohstoffen zu mehr Verarbeitung, Technologie und Wertschöpfung im eigenen Land entwickeln.

Gerade für ein Agrarland wie Paraguay ist dieser Punkt relevant. Landwirtschaftliche Rohstoffe werden zwar erfolgreich produziert und exportiert. Ein Teil der anschließenden Verarbeitung und damit der zusätzlichen Wertschöpfung findet jedoch außerhalb Paraguays statt.

Mehr Verarbeitung im Land könnte nicht nur zusätzliche Exporterlöse schaffen, sondern auch qualifiziertere Arbeitsplätze.

Infrastruktur bleibt ein Engpass

Damit Unternehmen investieren können, braucht es allerdings mehr als niedrige Kosten und wirtschaftliche Stabilität.

Die Weltbank nennt insbesondere Straßen, Logistik, Energieversorgung und bessere regionale Verbindungen als wichtige Voraussetzungen. Hinzu kommen leistungsfähige Institutionen und ein verlässliches Geschäftsumfeld.

Das ist auch für Itapúa relevant. Das Departamento gehört zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsregionen Paraguays. Die wirtschaftliche Entwicklung hängt deshalb stark davon ab, wie effizient Produkte verarbeitet und über Straßen, Häfen und internationale Verbindungen zu den Absatzmärkten transportiert werden können.

Paraguays junge Bevölkerung als Chance

Einen weiteren Vorteil sieht die Weltbank in der Bevölkerungsstruktur. Paraguay verfügt noch über eine vergleichsweise junge Bevölkerung und damit über eine sogenannte demografische Chance.

Diese wirkt jedoch nicht automatisch.

Entscheidend sind Bildung, berufliche Qualifikation und der Übergang junger Menschen in produktive Beschäftigung. Genau hier besteht weiterhin erheblicher Handlungsbedarf. Nach Angaben der Weltbank arbeiten rund 62 Prozent der paraguayischen Erwerbsbevölkerung informell. Besonders häufig betrifft dies Frauen und junge Menschen.

Wirtschaftswachstum allein sagt deshalb wenig darüber aus, wie sich die Lebensbedingungen langfristig entwickeln. Entscheidend ist auch die Qualität der entstehenden Arbeitsplätze.

Weltbank plant Zusammenarbeit bis 2034

Diese Themen stehen im Mittelpunkt des neuen Partnerschaftsrahmens zwischen Paraguay und der Weltbank für die Jahre 2027 bis 2034.

Die Strategie konzentriert sich auf zwei Bereiche. Einerseits sollen Infrastruktur, Logistik, Energie, Gesundheit und Bildung verbessert werden. Andererseits sollen private Investitionen erleichtert und Wirtschaftszweige mit besonderem Entwicklungspotenzial gestärkt werden.

Dazu zählt die Weltbank unter anderem Agroindustrie, Forstwirtschaft, erneuerbare Energien und verarbeitende Industrie.

Die Weltbank unterhält derzeit in Paraguay fünf Investitionsprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 545 Millionen US-Dollar. Dazu gehören Programme für öffentliche Gesundheitsversorgung und die Integration landwirtschaftlicher Produzenten in Märkte.

Gute Ausgangslage, aber kein Selbstläufer

Die Einschätzung der Weltbank ist damit optimistisch, aber nicht bedingungslos.

Paraguay verfügt über wirtschaftliche Stabilität, Energie, landwirtschaftliche Ressourcen und eine junge Bevölkerung. Gleichzeitig bleiben Infrastrukturdefizite, informelle Beschäftigung, Bildungsqualität und die geringe Verarbeitung vieler Rohstoffe strukturelle Herausforderungen.

Ob aus der derzeit guten Ausgangslage tatsächlich eine neue Entwicklungsphase entsteht, hängt deshalb weniger von einzelnen Wachstumszahlen ab als davon, ob Paraguay mehr produktive Investitionen anzieht und Wertschöpfung sowie qualifizierte Arbeitsplätze dauerhaft im Land entstehen.

Quellen

Weltbank: Paraguay Länderprofil und Strategie 2027–2034

Weltbank: Wachstum, Beschäftigung und Armutsreduktion in Paraguay

La Nación: Interview mit Susana Cordeiro Guerra vom 20. September 2026