Asunción, 17. September 2026. Die Erwartungen für Paraguays Wirtschaft haben sich im September nochmals verbessert. Die vom Banco Central del Paraguay befragten Wirtschaftsakteure rechnen für 2026 inzwischen mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 4,5 Prozent. Im August waren es noch 4,3 Prozent.
Gleichzeitig wurden die Inflationserwartungen nach unten korrigiert. Für das Jahresende rechnen die Befragten nun mit einer Inflationsrate von 3,0 Prozent.
Auch beim Wechselkurs haben sich die Erwartungen verändert. Für Ende 2026 liegt der Median der Prognosen bei 6.100 Guaraní je US-Dollar.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenDie Zahlen stammen aus der im September veröffentlichten Encuesta de Expectativas de Variables Económicas, kurz EVE, des paraguayischen Zentralbankensystems.
Wachstumserwartungen steigen
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Konjunkturerwartungen.
Im August gingen die befragten Wirtschaftsakteure noch von einem realen Wachstum von 4,3 Prozent für 2026 aus. Einen Monat später liegt die Erwartung bei 4,5 Prozent.
Für 2027 rechnen die Befragten derzeit mit einem Wachstum von 4,0 Prozent.
Damit bleibt die Erwartung bestehen, dass Paraguay auch nach dem vergleichsweise kräftigen Wachstum dieses Jahres weiter expandieren wird.
Für Unternehmen und Investoren ist diese Entwicklung relevant. Wirtschaftswachstum allein sagt zwar wenig darüber aus, wie sich Einkommen oder Lebensbedingungen einzelner Haushalte entwickeln. Es beeinflusst jedoch Investitionen, Beschäftigung, Steuereinnahmen und die Nachfrage im Binnenmarkt.
Inflationserwartung sinkt auf 3 Prozent
Parallel dazu hat sich die erwartete Preisentwicklung abgeschwächt.
Für Ende 2026 liegt die mittlere Inflationserwartung der Befragten nun bei 3,0 Prozent.
Im August waren noch 3,3 Prozent erwartet worden.
Für 2027 sowie für die kommenden zwölf Monate rechnen die Befragten derzeit mit jeweils 3,5 Prozent.
Für September und Oktober wird eine monatliche Inflation von jeweils 0,2 Prozent erwartet.
Die Kombination aus vergleichsweise kräftigem Wirtschaftswachstum und moderater Inflation wäre für Paraguay grundsätzlich günstig. Ob sich diese Erwartungen tatsächlich erfüllen, hängt jedoch auch von internationalen Faktoren ab.
Dazu gehören insbesondere Energie- und Rohstoffpreise sowie die wirtschaftliche Entwicklung wichtiger Handelspartner wie Brasilien und Argentinien.
Dollar derzeit unter 6.000 Guaraní
Besonders interessant für Auswanderer, Investoren und Unternehmen mit Einnahmen oder Ausgaben in Euro oder US-Dollar ist die Entwicklung des Guaraní.
Für September erwarten die von der Zentralbank befragten Akteure einen mittleren Wechselkurs von 5.947 Guaraní je US-Dollar. Im August hatten sie für September noch 6.015 Guaraní erwartet.
Für Oktober liegt die Erwartung bei 6.000 Guaraní.
Bis zum Jahresende rechnen die Befragten mit einem leichten Anstieg auf 6.100 Guaraní je Dollar. Für Ende 2027 werden derzeit 6.300 Guaraní erwartet.
Der offizielle Referenzkurs des Banco Central lag am 16. September bei rund 5.918 Guaraní je US-Dollar.
Damit bewegt sich der tatsächliche Kurs derzeit sogar etwas unterhalb der durchschnittlichen September-Erwartung.
Was der starke Guaraní für Europäer bedeutet
Für Europäer in Paraguay hat die Entwicklung durchaus praktische Auswirkungen.
Wer sein Einkommen in Euro oder Dollar erzielt und seine laufenden Kosten in Guaraní bezahlt, profitiert nicht automatisch von einem starken Guaraní. Im Gegenteil: Wertet die paraguayische Währung gegenüber Dollar oder Euro auf, erhält man für denselben Betrag in Fremdwährung weniger Guaraní.
Für paraguayische Importeure kann ein stärkerer Guaraní dagegen Vorteile bringen, weil Waren aus dem Ausland in lokaler Währung günstiger werden können.
Exporteure sehen die Entwicklung häufig kritischer. Werden Einnahmen beispielsweise in US-Dollar erzielt, während Löhne und andere Kosten in Guaraní bezahlt werden, kann eine Aufwertung der Landeswährung die Margen reduzieren.
Der Wechselkurs ist deshalb nicht einfach als „gut“ oder „schlecht“ zu bewerten. Seine Auswirkungen hängen stark davon ab, wo Einkommen erzielt und Kosten getragen werden.
Leitzins vorerst bei 5,5 Prozent erwartet
Auch bei der Geldpolitik rechnen die Marktteilnehmer kurzfristig nicht mit größeren Veränderungen.
Für September und Oktober wird weiterhin ein geldpolitischer Leitzins von 5,5 Prozent erwartet. Derselbe Wert wird derzeit auch für Ende 2026 angenommen.
Für Ende 2027 rechnen die Befragten mit einer leichten Absenkung auf 5,25 Prozent.
Der Leitzins ist unter anderem für die Finanzierungskosten von Unternehmen und privaten Kreditnehmern relevant. Änderungen wirken sich allerdings nicht unmittelbar und gleichmäßig auf sämtliche Kreditzinsen aus.
Erwartungen sind keine Garantie
Bei den Zahlen der EVE ist eine Unterscheidung wichtig.
Der Banco Central del Paraguay veröffentlicht mit dieser Erhebung die Erwartungen von Wirtschaftsakteuren. Die Werte sind deshalb keine Garantie für die tatsächliche Entwicklung und auch nicht mit einer offiziellen Wachstumsprognose der Zentralbank gleichzusetzen.
Gerade Wechselkurse können sich innerhalb kurzer Zeit deutlich verändern.
Dennoch zeigt die September-Erhebung einen klaren Trend: Die Befragten erwarten für Paraguay derzeit etwas mehr Wirtschaftswachstum, etwas weniger Inflation und einen stärkeren Guaraní als noch vor wenigen Monaten.
Für Menschen, die in Paraguay leben, investieren oder Geschäfte betreiben, sind vor allem diese drei Entwicklungen interessant. Denn sie wirken sich letztlich auf Preise, Finanzierung, Importe, Exporte und die Kaufkraft aus.
Quellen
Banco Central del Paraguay, Encuesta de Expectativas de Variables Económicas, September 2026
Banco Central del Paraguay, Cotización Referencial de Monedas, 16. September 2026
Última Hora, 16. September 2026, Expectativa sobre el dólar baja y se ubica en G. 6.100 para fin de año
La Nación, 17. September 2026, Agentes proyectan mayor crecimiento y un dólar a G. 6.100 para fin de 2026