Asunción, 17. September 2026. Der für den 21. und 22. September angekündigte landesweite Ärztestreik in Paraguay findet nicht statt. Der Sindicato Nacional de Médicos, SINAMED, hat am Mittwochabend das mit der Regierung ausgehandelte Paket einstimmig angenommen.
Damit endet vorerst ein Konflikt, der das öffentliche Gesundheitssystem seit Monaten belastet hatte. Neben Gehältern ging es um unsichere Beschäftigungsverhältnisse, fehlendes Personal sowie die Ausstattung öffentlicher Krankenhäuser.
Die Vereinbarung betrifft Ärzte im gesamten öffentlichen Gesundheitssystem und damit auch die Einrichtungen in Itapúa.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenZwei Millionen Guaraní mehr pro Beschäftigungsverhältnis
Kern der Vereinbarung ist eine Gehaltsanpassung von insgesamt 2 Millionen Guaraní pro Beschäftigungsverhältnis für fest angestellte und vertraglich beschäftigte Ärzte des Gesundheitsministeriums.
Die Erhöhung erfolgt allerdings nicht sofort, sondern schrittweise im Jahr 2027.
Im April kommen zunächst 500.000 Guaraní hinzu. Im Juli folgen weitere 500.000 Guaraní und im Dezember schließlich eine Million Guaraní.
Ärzte mit mehreren staatlichen Beschäftigungsverhältnissen erhalten die Anpassung entsprechend für jedes dieser Arbeitsverhältnisse.
Für Assistenzärzte wird das Mindestgehalt auf 6,6 Millionen Guaraní angehoben.
2.300 Vertragsärzte sollen dauerhaft angestellt werden
Ein zweiter wesentlicher Punkt betrifft die Beschäftigungsverhältnisse im öffentlichen Gesundheitssystem.
Nach Angaben der Regierung sollen 2.300 bislang vertraglich beschäftigte Ärzte in dauerhafte Stellen übernommen werden. Dieser Prozess hat mit 1.644 Medizinern aus einem bereits durchgeführten Auswahlverfahren begonnen.
Für 2027 sind zusätzlich 1.500 weitere Stellen vorgesehen.
Gerade dieser Teil der Vereinbarung reicht über eine reine Gehaltserhöhung hinaus. Befristete beziehungsweise vertragliche Beschäftigung war einer der zentralen Kritikpunkte der Ärzteverbände.
Eine Million Guaraní für gearbeitete Feiertage
Neu geregelt wird außerdem die Arbeit an Feiertagen.
Ärzte sollen künftig für jeden tatsächlich geleisteten Feiertagsdienst zusätzlich eine Million Guaraní erhalten. Die Regelung soll gleichermaßen für fest angestellte und vertraglich beschäftigte Ärzte gelten.
Die bereits erfolgten Streiktage sollen nach Angaben von SINAMED nicht vom Gehalt abgezogen werden. Die ausgefallene Arbeitszeit soll nachgeholt werden.
Mehr Geld für Medikamente und Krankenhausbedarf
Der Konflikt drehte sich allerdings nicht ausschließlich um die Einkommen der Ärzte.
SINAMED hatte wiederholt auf fehlende Medikamente, Verbrauchsmaterialien und Personal insbesondere in Notaufnahmen und anderen kritischen Bereichen hingewiesen.
Die Regierung hat für den Haushalt 2027 zusätzliche Mittel für Medikamente und medizinische Verbrauchsgüter angekündigt. Nach den veröffentlichten Angaben geht es um ein zusätzliches Volumen von rund 260 Millionen US-Dollar.
SINAMED kündigte an, die Umsetzung gemeinsam mit der Öffentlichkeit kontrollieren zu wollen.
Öffentliche Krankenhäuser bleiben am 21. und 22. September regulär in Betrieb
Für Patienten ist zunächst vor allem die Absage des Streiks relevant.
Die für kommenden Montag und Dienstag vorgesehene Arbeitsniederlegung hätte erneut Auswirkungen auf planbare Konsultationen, Untersuchungen und Eingriffe im öffentlichen Gesundheitssystem haben können.
Nach der einstimmigen Entscheidung der SINAMED-Versammlung ist diese Streikankündigung nun aufgehoben. Das Gewerkschaftsbündnis will die entsprechende Erklärung am Donnerstag beim Arbeitsministerium hinterlegen.
Damit besteht auch für Patienten in Itapúa aufgrund dieses angekündigten SINAMED-Streiks keine geplante zweitägige Unterbrechung.
Einigung löst nicht automatisch alle Probleme
Die Vereinbarung ist umfangreich. Sie sollte dennoch nicht mit einer Lösung sämtlicher struktureller Probleme des paraguayischen Gesundheitssystems gleichgesetzt werden.
Ein Teil der Maßnahmen wird erst 2027 umgesetzt. Auch zusätzliche Haushaltsmittel garantieren allein noch nicht, dass Medikamente und Verbrauchsmaterialien jederzeit dort vorhanden sind, wo sie benötigt werden.
Entscheidend wird deshalb sein, ob die angekündigten Ernennungen tatsächlich erfolgen, die Gehaltsanpassungen im Haushalt abgesichert werden und zusätzliche Mittel in den Krankenhäusern ankommen.
Die Ärzte selbst haben angekündigt, genau das zu beobachten.
Für Patienten gibt es dennoch eine unmittelbare Konsequenz: Der nächste landesweite Ärztestreik ist vom Tisch.
Nach mehreren Monaten des Konflikts haben Regierung und SINAMED zunächst einen gemeinsamen Weg gefunden.
Quellen
Ministerio de Salud Pública y Bienestar Social, 16. September 2026: Acuerdo con el sector médico: huelga queda sin efecto
Agencia IP, 14. September 2026: Gobierno y gremios médicos llegan a acuerdo para histórica reivindicación salarial
ABC Color, 16. September 2026: Médicos aprueban propuesta del Gobierno en asamblea y desactivan la huelga nacional
Última Hora, 16. September 2026: Gremio médico acepta por unanimidad la propuesta del Gobierno y huelga anunciada queda sin efecto