ASUNCIÓN | 3. September 2026
Wer in Paraguay lebt, spürt wirtschaftliche Veränderungen meist zuerst im Supermarkt. Nach der jüngsten Anhebung des Mindestlohns war deshalb die Frage naheliegend, ob Lebensmittel und andere Waren des täglichen Bedarfs ebenfalls deutlich teurer werden.
Nach Angaben der Cámara Paraguaya de Supermercados, kurz Capasu, ist dieser Effekt bislang ausgeblieben. Die Preise in den Regalen hätten sich nach der Anpassung des Mindestlohns insgesamt weitgehend stabil entwickelt.
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenDas ist bemerkenswert, weil höhere Löhne für Unternehmen häufig auch steigende Kosten bedeuten. In früheren Jahren wurden solche Anpassungen teilweise rasch an die Verbraucher weitergegeben.
Diesmal scheint die Entwicklung zurückhaltender zu verlaufen.
Allerdings bedeutet das nicht, dass paraguayische Haushalte derzeit finanziell besonders entspannt leben.
Weniger Kaufkraft trotz stabilerer Preise
Der Supermarktverband berichtet gleichzeitig von einer leichten Abschwächung der Verkäufe.
Ein wesentlicher Grund dafür ist die hohe Verschuldung vieler Haushalte. Kredite, Ratenkäufe und andere finanzielle Verpflichtungen reduzieren den verfügbaren Spielraum für den täglichen Konsum.
Hinzu kommt nach Angaben des Branchenverbandes ein weiterer Faktor: Überweisungen aus dem Ausland verlieren an Kaufkraft.
Für viele Familien in Paraguay sind sogenannte Remesas ein wichtiger Bestandteil des Haushaltseinkommens. Wenn deren reale Kaufkraft sinkt, wirkt sich das unmittelbar auf den Konsum aus.
Damit entsteht eine auf den ersten Blick widersprüchliche Situation: Die Preise steigen nicht außergewöhnlich stark, gleichzeitig bleibt für viele Haushalte weniger Geld zum Einkaufen übrig.
Was das für Menschen bedeutet, die nach Paraguay ziehen wollen
Für Neuankömmlinge aus Europa ist die Situation etwas anders.
Wer sein Einkommen in Euro, Schweizer Franken oder US-Dollar erzielt, erlebt die paraguayischen Lebenshaltungskosten häufig aus einer anderen Perspektive als eine Familie, die ausschließlich von einem lokalen Einkommen lebt.
Deshalb sind Aussagen wie „Paraguay ist billig“ nur begrenzt hilfreich.
Entscheidend ist vielmehr das Verhältnis zwischen Einkommen und Ausgaben.
Produkte aus lokaler Landwirtschaft, Dienstleistungen und manche Wohnkosten können im internationalen Vergleich günstig sein. Importierte Waren, Elektronik, Fahrzeuge oder bestimmte Markenprodukte sind dagegen keineswegs automatisch preiswert.
Auch innerhalb Paraguays unterscheiden sich die Lebenshaltungskosten deutlich. Asunción und die wohlhabenderen Vororte des Departamento Central sind in vielen Bereichen teurer als kleinere Städte und ländliche Regionen.
Preise allein erzählen nur die halbe Geschichte
Die derzeit vergleichsweise stabile Preisentwicklung ist für Verbraucher zunächst positiv.
Für die wirtschaftliche Lage der Haushalte ist jedoch entscheidender, wie sich Einkommen, Verschuldung und Kaufkraft gemeinsam entwickeln.
Gerade das macht Paraguay für Auswanderer interessant, aber auch schwer pauschal zu beurteilen.
Wer ein Einkommen aus dem Ausland mitbringt, kann eine völlig andere Lebensrealität erleben als jemand, der sein Einkommen ausschließlich auf dem paraguayischen Arbeitsmarkt erzielt.
Die aktuelle Entwicklung im Einzelhandel zeigt deshalb vor allem eines: Die Frage „Wie teuer ist Paraguay?“ lässt sich sinnvoll nur beantworten, wenn man gleichzeitig fragt, von welchem Einkommen man dort lebt.
Quellen
ABC Color, 2. September 2026, „¿El aumento del salario mínimo impactó en los precios? Esto dice Capasu“
Cámara Paraguaya de Supermercados, Capasu