Honig und Bienenwachs sollen für indigene Familien im paraguayischen Chaco zu einer zusätzlichen nachhaltigen Einkommensquelle werden. In Boquerón wurden jetzt Imker aus Ayoreo- und Guaraní-Ñandeva-Gemeinschaften in moderner Bienenhaltung und nachhaltiger Produktion geschult.
Redaktion PARAPUNTO · 1. September 2026
Boquerón. Rund 25 Imker und Meliponiker aus Ayoreo- und Guaraní-Ñandeva-Gemeinschaften haben im paraguayischen Chaco an einer Schulung zur nachhaltigen Honig- und Wachsproduktion teilgenommen.
Sichtbar werden in Chaco
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Sponsoring-Möglichkeiten ansehenDie Teilnehmer kommen aus den Distrikten Mariscal Estigarribia und Filadelfia im Departamento Boquerón. Organisiert wurde die Schulung von Fachleuten des Vizeministeriums für Viehzucht im paraguayischen Ministerium für Landwirtschaft und Viehzucht, MAG.
Im Mittelpunkt standen der richtige Umgang mit Bienenvölkern sowie die Gewinnung von Honig und Wachs.
Mehr als nur Honig
Für die beteiligten Familien geht es dabei nicht ausschließlich um ein zusätzliches Produkt für den Verkauf.
Imkerei lässt sich im Chaco vergleichsweise gut mit dem Schutz der natürlichen Vegetation verbinden. Bienen und andere Bestäuber sind auf blühende Pflanzen angewiesen und leisten gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Fortpflanzung zahlreicher Pflanzenarten.
Das macht die Honigproduktion insbesondere in der Biosphärenregion des Chaco interessant: Einkommen kann entstehen, ohne dafür große Flächen intensiv landwirtschaftlich nutzen zu müssen.
Die beteiligten Institutionen sehen in der Imkerei deshalb eine Möglichkeit, wirtschaftliche Entwicklung und den Erhalt der Biodiversität miteinander zu verbinden.
Honigbienen und stachellose Bienen
Bei dem Projekt geht es nicht nur um klassische Imkerei.
Ein Teil der Teilnehmer beschäftigt sich mit Meliponikultur, also der Haltung stachelloser Bienenarten. Diese kommen natürlicherweise in tropischen und subtropischen Regionen Lateinamerikas vor.
Ihre Honigmengen sind meist deutlich geringer als jene der klassischen Honigbiene. Dafür besitzen die heimischen Arten eine besondere Bedeutung für die Bestäubung der regionalen Pflanzenwelt.
Gerade für kleinere gemeinschaftliche Produktionsmodelle kann daraus ein interessantes Nischenprodukt entstehen.
Deutschland und Europa sind beteiligt
Bemerkenswert ist auch die internationale Zusammenarbeit hinter dem Projekt.
Die Schulungen erfolgen im Rahmen des Projekts PoliLAC in Zusammenarbeit zwischen dem paraguayischen Landwirtschaftsministerium, dem Umweltministerium MADES, der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und der Europäischen Union.
Damit verbindet das Projekt lokale Wirtschaftsförderung im Chaco mit internationaler Entwicklungs- und Umweltzusammenarbeit.
Bereits im Mai wurden in Guaraní-Ñandeva-Gemeinschaften im Chaco gemeinsam mit Bewohnern Bestäuber erfasst. Ziel ist es, besser zu verstehen, welche Bienen- und Insektenarten in landwirtschaftlich genutzten Flächen und natürlichen Wäldern vorkommen. An diesem Monitoring waren 46 Menschen aus dem Alto Chaco beteiligt.
Kleine Produktion mit größerer Bedeutung
Ob sich aus den Schulungen dauerhaft rentable Betriebe entwickeln, hängt letztlich von Produktionsmengen, Qualität und Vermarktungsmöglichkeiten ab.
Doch der Ansatz ist für den Chaco interessant: Statt lediglich Rohstoffe aus der Region zu gewinnen, können Produkte entstehen, deren wirtschaftlicher Wert unmittelbar mit einer intakten Landschaft verbunden ist.
Für die beteiligten Ayoreo- und Guaraní-Ñandeva-Familien könnte Honig damit gleichzeitig Lebensmittel, Handelsprodukt und zusätzliche Einnahmequelle sein.
Und für den Chaco selbst zeigt das Projekt eine Form wirtschaftlicher Entwicklung, bei der nicht zwangsläufig mehr Land verbraucht werden muss, um mehr Wertschöpfung zu schaffen.
Quellen: Ministerio de Agricultura y Ganadería / Viceministerio de Ganadería; La Tribuna, 1. September 2026; Ministerio del Ambiente y Desarrollo Sostenible (MADES), Projekt PoliLAC.